Wesot Habracha

Wesot HaBracha
(Dewarim 33:1 – 34:12)

Parascha in Kürze

Im letzten Tora-Abschnitt, der am Simchat Tora zusammen mit Bereschit gelesen wird, spricht Moses die letzten Wörter zu seinem Volk:

  • Er segnet die Israeliten und erzählt die Geschichte des Volkes: er erwähnt die Offenbarung auf dem Berg Sinai, die Liebe G-ttes zu den Hebräer und das Empfangen der Tora. Moses betet für den Stamm Ruben, der gerade sehr klein geworden ist. Der Stamm Jehuda soll immer beschützt werden.
  • Moses betet auch, dass G-tt mit den Leviten ist; denn sie haben eine besondere Beziehung zu G-tt, und sie sind diejenigen, die Hebräer die Regeln der Tora lehren werden. Sie werden für G-tt die Opfer und den Weihrauch darbringen. Moses sagt zum Stamm Benjamin, dass auch er von G-tt sehr geliebt wird.
  • Der Stamm Josef wird mit einem schönen Land mit Hügeln, Tau und guter Ernte gesegnet.
  • Der Stamm Sebulun wird reisen und der Stamm Jisachar wird in den Zelten leben. Der Stamm Sebulun wird den Reichtum der Meere besitzen. Der Stamm Gad wird mit Löwenstärke gesegnet.
  • Der Stamm Dan wird mit dem Löwen aus Baschan verglichen. Naftalis Stamm bekommt das Land im Westen und im Süden. Ascher wird viel Eisen, Kupfer und Olivenöl besitzen.
  • Israel wird immer sicher sein und allen Reichtum: Wein, Land und Getreide haben. G-tt wird es immer beschützen.
  • Moses geht zum Berg Nebo, von dem er das Land sehen kann, das G-tt Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat. Moses stirbt dort und wird in einem Tal im Land Moab begraben. Er ist 120 Jahre alt. Die Israeliten trauern 30 Tage danach. Nie wird es einen ähnlichen Propheten in Israel geben, der G-tt gesehen und direkt mit ihm gesprochen hat.

Wesot HaBracha: Von der Aufgabe, die Welt zu pflegen.

Mit dieser Parascha ist die Tora zu Ende. Moses spricht den letzten Segen aus. Ähnlich wie Jakob dies einst gemacht hatte, redet er zu allen 12 Stämmen. Baruch Rock interpretiert den Teil des letzten Segens Moses, den an die Stämme Jisachar und Sebulun richtete, als einen Schlüssel zu der umweltbewussten Dimension der Tora: “Und zu Sebulun sprach er: Freu dich, Sebulun, bei deinem Auszuge und du Jisachar, in deinen Zelten.” (Dewarim 33:18) 

Raschi (1040-1105) kommentierte folgend: seiner Meinung nach war der Stamm Sebulun ein Stamm der Händler, die auf dem Mittelmeer ihren Lebensunterhalt verdienten. Der Stamm Jisachar hingegen studierte die Tora. Die beiden lebten in einer Symbiose: Der Stamm Sebulun verdiente Geld von dem er auch den Stamm Jisachar unterstützte. So konnten aus dem Stamm Jisachar viele Gelehrte oder Mitglieder des Sanhedrins (das Gericht im alten Israel) werden.

Sanhedrin war u.a. für die Entwicklung und Pflege des Kalenders verantwortlich. Der jüdische Kalender hat wiederum das ganze Leben im alten Israel geregelt und nicht nur die Zeit der Pilgerfeiertage (Pessach, Schawuot und Sukkot). Auch die die Schmitta- und Jowel- (Jubeljahr) Zeiten, sowie die Länge des Jahres hingen von ihm ab.

Die drei Pilgerfeste, Pessach, Schawuot und Sukkot, waren eine besondere Zeit während des Jahres, eine Zeit der Versammlung aller Stämme in Jerusalem. Das Treffen in Jerusalem war immer eine Zeit des Austausches, eine spirituelle Begegnung und Stärkung des nationalen Bewusstseins.

Jesaja hat Zeiten prophezeit, in denen die Schwerter zu Pflugscharen werden (Jesaja2:4). Diese Vision ist jene von der perfekten Welt. Dieser Tag wird im Judentum Schabbat genannt (Mischna Tamid 7:4), der aber nie endet und ewig dauert. Eine Ansage dieser messianischen Zeit sollten die drei Treffen in Jerusalem sein. Wir hingegen sollen jede Woche während des Schabbat einen Vorgeschmack der messianischen Zeiten bekommen. Sie sind von der Harmonie, Ruhe und dem guten Bezug zur Natur geprägt. Während des Schabbat versuchen die Menschen so wenig Einfluss wie möglich auf die Natur zu nehmen.

Sebulun und Jisachar einer Art der besonderen Symbiose. Überhaupt hatte jeder Stamm im alten Israel seine eigene Aufgabe und seinen Platz. Sie entwickelten sich in der Harmonie mit der Umwelt; dazu hat auch der Schabbat der Erde, die Schmitta, beigetragen. Außerdem verbietet die Tora eine sinnlose Zerstörung, sie erzieht uns zu sozialer Gerechtigkeit und gutem Zusammenleben. Unsere Religion sagt uns, dass wir immer präsent und uns der Situation bewusst sein sollen. Das sieht man beispielsweise an den Segenssprüchen, die man vor dem Essen und nach der Mahlzeit sagt.

Sebulun und Jisachar lebten (laut Übertragung) in einer perfekten Harmonie. Jeder Stamm hatte eine Aufgabe und hat sich um seine eigene Region gekümmert. So haben sie die Grundlagen für eine bessere Welt gelegt. Die ökologische Krise, mit der wir konfrontiert werden, ist nämlich eine Manifestation der weiteren, tiefen Krise: wir sind nicht nur von der Natur, sondern auch voneinander sehr weit entfernt. Nicht nur unsere Einstellung zur Umwelt soll sich ändern, sondern auch diejenige zur Gemeinschaft und zur Verantwortung. Wir sollen stärkere Gemeinschaften und Netzwerke bauen, die auch solche Themen wie unsere Gesundheit und die Umwelt ernst nehmen. Ein Mangel in dieser Sphäre beeinflusst das ganze Universum.

Die Stämme Jisachar und Sebulun haben eine Aufgabe bekommen, sie sollten eine Beziehung und Kooperation aufbauen. Jeder von uns hat (im Judentum) bestimmte Lebensaufgaben, darunter werden wahrscheinlich auch die Umweltaufgaben verstanden. Jesaja, der Prophet lebte im Südreich Judäa in der Zeit (8. Jh. vor der Zeitrechnung), als das in zwei Königreiche geteilte Israel von Assyrern bedroht war. Er hat in dieser stürmischen Zeit eine Vision entwickelt, die auch heute aktuell ist und den „Idealzustand“ des Schabbat „verkörpert“. Die gute Zeiten kehren zurück und sie werden dem Schabbat ähneln: „Und es wandeln Nationen bei deinem Licht, und Könige bei deinem Strahlglanz” (Jesaja 60:3). Baruch Rock schreibt im Kommentar dazu, „Die Integrität der jüdischen Welt, sowie der ganzen Menschheit beruht, ähnlich wie die Harmonie der natürlichen Welt und die Integrität des Ökosystems, auf der Gesundheit und Vitalität aller seiner Elemente“.

Manchmal hört man die Frage, wo eigentlich die jüdische Verantwortung für die Umwelt enthalten sei. Auf diese Weise zeigen wir unsere Fürsorge für die Umwelt und füreinander. Wir haben die gleiche Verantwortung wie die anderen Menschen, selbst wenn wir eine kleine Minderheit sind. In Pirkei Awot (Ethik der Väter, Sprüche der Väter) lesen wir: „Zwar ist es nicht deine Sache, die Arbeit zu vollenden, doch darfst du dich ihrer auch nicht einfach entledigen.” (Pirkei Avot 2:21)

Auch Moses hat seine Wörter nicht an jeden Erdbewohner gerichtet: die Tora ist für die Juden gedacht. Trotzdem sprechen aus ihr bis heute solche Themen wie die generelle Verantwortung und Altruismus. Wir sollen wie Sebulun und Jisachar uns um einander kümmern, selbst wenn wir, wie die beiden Stämme, sehr unterschiedlich sind, denn wir sind nicht nur die Nutzer der Ressourcen, sondern auch die Verwalter der Erde, eher die Gärtner als die Besitzer. Diesen Zustand, der weit von absolutem Besitztum entfernt ist, versucht uns die Tora beizubringen und das ist das Thema der ersten Parascha Bereschit (Bereschit 1:1-6:8), die wir zusammen mit der letzten Parascha am Simchat Tora lesen.

Aktion:

  • Unterricht die Kinder, Geschwister über Sebulun und über Jisachar.
  • Frag, was sie über die Verantwortung für die Erde denken.
  • Vertiefe Dein Verständnis für Fürsorge.
  • Selbst ein kleiner Akt der Freundlichkeit ist wichtig. Sei in der Situation, versuche zu hören, was Dir die Leute sagen, sieh sie aufmerksam an statt auf sie zu schauen.
  • Hilf denen, die es gerade brauchen. Engagiere dich für die schwächeren Menschen. Hilf in deinem Rahmen den Flüchtlingen und Obdachlosen.
  • Unterstütze deine lokale Gemeinde und Synagoge.

Quellen

Der Artikel wurden von dem Aufsatz von Baruch Rock „Wesot HaBracha: Perfecting the World“, auf Canfei Nesharim