Tezawe

Schemot 27:20 - 30:10

Worüber die Parascha spricht:

Diese Parascha setzt das Thema Mischkan, das tragbare Wüsten-Heiligtum, fort. Hier wird detailliert das Aussehen der Bundeslade beschrieben und wie die täglichen Rituale im Mischkan aussehen sollen. Zentral in der Parascha Tezawe sind die Gewänder der Priester. 

Aaron und seine Söhne, die ersten Priester (Kohanim), trugen ein Kleid, das Efod hieß. Es bestand aus einer langen weißen Leinentunika, weißen Leinenhosen, einem weißen Leinenturban und einer Schärpe um die Taille. Ein weiteres Element war ein purpurblaues Oberkleid und ein kürzeres Oberkleid aus roter und goldener Wolle. Charakteristisch für dieses Festkleid war eine Brustplatte mit zwölf Edelsteinen, die die Stämme Israels repräsentierte und eine Platte für das Kopfband, die mit einer Eingravierung: „Heilig für G-tt“ versehen war. Der Saum des blauen Oberkleides war entweder mit Glöckchen oder mit Granatäpfeln geschmückt.

Es wurde ferner beschrieben, wie die Priester, Aaron und seine vier Söhne Nadaw, Awihu, El‘asar und Itamar, geweiht werden. Die Parascha Tezawe beschreibt zusätzlich, welche Opfer am Morgen und welche am Abend dargebracht werden sollten. Ein weiterer Hinweis in der Parascha Tezawe war jener über den Vorrat des reinen Olivenöls für die Menora, der immer ausreichend aufgestockt werden musste. Die Menora, das ewige Licht, sollte täglich von Aaron angezündet werden.*

(*Unser Rätsel: in welcher jüdischen Geschichte sollte dieser Vorrat nur für einen Tag reichen? Die Antwort findest du am Ende des Textes.)

Öko Motiv: Nit als vos glanst iz gold.

In diesem Tora-Abschnitt werden die Kleider der Priester ausführlich beschrieben. letzte Woche wurde in der Parascha Teruma der Mischkan beschrieben; dies wird hier fortgesetzt. Kohen Gadol (Hohepriester) soll goldene Glöckchen, Ketten, Ringe, sowie eine goldene Kopfbedeckung tragen.

Shimshon Stüart Siegel bemerkt in seinem Kommentar zur Parascha Tezawe, dass heute ein ähnlicher Priester nicht fehl am Platz wäre. In manchen anderen Religionen sehen die rituellen Gewänder des Klerus ähnlich aus. Wir markieren die wichtigsten Momente unseres Lebens mit teurem Schmuck. Es ist ein Ausdruck der Liebe, Zuwendung und Wertschätzung.

Gold wird  ca. 50-mal in dieser und der vorigen Parscha erwähnt. Fast alle besitzen wir ein kleines bisschen dieses prachtvollen Metalls, entweder als Schmuck oder als Erinnerungsstück. Einiges davon haben wir unbewusst als Eigentum, denn Gold wird inzwischen auch in Elektronik und Medizin verwendet. Das heißt, dass Dein Handy und Dein Computer viele wichtige Metalle beinhalten, unter anderem Gold und Kupfer. Auch Edelsteine sind in vielen Haushalten zu finden.

Heute ist die Nachfrage nach Gold sehr hoch, im Moment kostet es weniger als noch vor zwanzig Jahren, aber immer noch wird es als eine wichtige Anlage betrachtet.

Gold fasziniert, weil wir davon sehr wenig haben. Angeblich wurden in der ganzen Geschichte der Menschheit insgesamt nur 161 000 Tonnen Gold gefördert. Diese Menge könnte lediglich zwei Olympiaschwimmbecken füllen (www.nationalgeographic.de/reportagen/der-preis-des-goldes).

Aufgrund des Goldrausches wurden in der Geschichte Kriege geführt, die Menschen wurden versklavt und mussten unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten. Leider ist das noch lange nicht Geschichte, denn Gold verursacht auch heute viel Leiden. Weltweit arbeiten heute zwischen zehn und fünfzehn Millionen Menschen in Goldminen. Dabei arbeitet ein Viertel dieser Menschen mit Fördermethoden, die über Jahrhunderte gleich geblieben sind. In manchen Goldgruben arbeiten immer noch Kinder. Was als besonders gefährlich sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt gilt, ist, neben der schweren Arbeit, das Quecksilber. Denn um das Gold von den Steinen zu trennen, verwendet man auch heute noch Quecksilber. Die Fördermethoden sind selbst in „modernen“ Goldminen noch toxisch und verursachen eine fatale Grundwasservergiftung und Umweltzerstörung. Hier kannst Du am Beispiel eines kurzen Films sehen, wie die Goldproduktion in Südafrika aussieht.

Bergbau ist immer problematisch für die Umwelt, egal ob Kupfer-, Gold- Silber- oder Ölförderung. Man verwendet dazu vor allem sehr viel Wasser, das für immer verseucht wird. In Europa müssen die Minen mit Strafen rechnen, in Schwellenländern hingegen können sie leicht das Recht brechen und die Politik korrumpieren. Dort hat der Umweltschutz meistens keine Priorität. Im Fall von Gold wird oft eine Zyanid-Mischung verwendet, um das Gold vom Gestein zu trennen. Dies wird dann oft einfach in die Flüsse gegossen. Shimshon Stüart Siegel erinnert an die Katastrophe von 2000 in Rumänien, während die Donau mit Zyanid vergiftet wurde.

Zwischen 30 – 40% der Umweltverschmutzung wegen Quecksilber wird  von der Goldindustrie verursacht.  In Kolumbien haben beispielsweise zwei Drittel der Goldgruben keine Genehmigung. Dort herrschen unmenschliche Zustände und die Arbeiter werden nicht gut bezahlt. Eine Geschichte darüber kannst Du hier lesen. Weltweit arbeiten fast 10 Millionen Menschen in kleinen Goldminen, davon 500 000 Kinder und Frauen. Jährlich gelangen ca. 2000 Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre. Noch ein weiterer Beitrag zur Umweltverschmutzung. Quecksilber ist ein Gift, der bei Kindern Behinderungen, bei Erwachsenen dauerhafte Gehirn- und Organenschäden verursachen kann. In großen Mengen kann es zum Tod führen.  Solche Organisationen wie Responsible Jewelry Conseil, oder Kampagnen wie No Dirty Gold setzten sich für bestimmte Standards in dieser Industrie ein.

Wusstest Du, dass die Produktion eines goldenen Ringes bis zu 20 Tonnen Schutt verursachen kann? Das Wasser, das eine Goldmine verlässt, ist oft für immer mit Quicksilber und vielen anderen toxischen Substanzen verseucht, sehe http://nodirtygold.earthworksaction.org/#&panel1-1

Obwohl Gold so schmutzig gefördert wird, soll G-tt selbst es besitzen? Es sollte definitiv kein Mischkan aus schmutzigem Gold sein. Wenn die Gold-Spende für den Mischkan eine spirituelle Tat sein soll, muss man auch entsprechende Ressourcen verwenden. Laut Shimshon Siegel waren alle Materialien für den Mischkan aus zweiter Hand[AK1] . Sie verwendeten dafür die Materialien, die sie aus Ägypten mitgenommen hatten. Diese sollten spirituell erhoben werden und den Hebräern die Idee des freien Volkes erklären. Sie haben sich gerade aus der Sklaverei befreit. Warum sollten sie etwas bauen, was ein Symbol der schlechten Arbeitsverhältnisse wäre? Ganz im Gegenteil, die Parascha sagt uns, dass Materialien, die so selten sind, sehr bedacht und bewusst verwendet werden sollen.

Um kein schmutziges Gold zu tragen, um hoher Spiritualität gerecht zu werden, sollen wir uns informieren, woher unser Gold stammt. Wahrscheinlich jedoch gilt: „je weniger, umso mehr“. Wir sollen zwar die Informationen zu ethischem Gold mit Vorsicht genießen (besonders wenn sich die Produzenten und Verkäufer „als ethisch“ vorstellen) es gibt aber NGOs, z.B. Earthworks, die das ernst nehmen und korrekte Informationen liefern.

Zu viel Goldschmuck wirkt heute ein bisschen altmodisch, und über Hände voller Goldringe sowie dicke Ketten mit Diamanten um den Hals, lesen wir eher in historischen Romanen oder in Gewandbeschreibungen der Priester. Wir verloben uns aber immer noch am liebsten mit Goldringen und unter der Chuppa werden meistens goldene Ringe getauscht, nachdem die Wörter Harei at mekudeschet li, batabat zo, kedat Moshe we Israel  („Siehe, du hast mich geweiht mit diesem Ring, nach den Gesetzen von Moses und Israel.“) gesprochen wurden.

Aktion:

  • Recycle Elektrogeräte immer. In diesem Beitrag der Deutschen Welle wird Dir erklärt, warum und wie Du es machen kannst.

  • Informiere Dich! Es gibt einige Kampagnen wie z.B. No Dirty Gold, die interessante Informationen in Form von Infografiken dazu liefern:

  • Du kannst bereits faires, zertifiziertes Gold kaufen. Sogar die Goldbarren können ein Zertifikat bekommen. J Versuche Wörter wie „faires Gold“ oder „ethischer Schmuck“ in Deine Suchmaschine einzugeben.

  • Wenn der wichtigste Tag Deines Lebens bevorsteht oder Du ein besonderes Geschenk planst,  achte darauf, dass es auch „fair“ ist. Du kannst entweder gebrauchten Schmuck schenken oder nach „fairem Goldschmuck“ suchen. Verlobung oder Trauung sind doch die Tage, die zu den glücklichsten Momenten in Deinem Leben zählen und kein Leid über andere bringen sollen.

  • Erinnerst Du dich an die Haggada über König Salomo, die Steine für den Tempelbau ohne Eisen gefördert hatte? Das Eisen ruft nämlich eine starke Erinnerung an Krieg hervor. Dabei hat ihm der legendäre Wurm (ja!) Schamir geholfen, der, laut der Überlieferung, schon früher  die Tafel mit den zehn Geboten fehlerfrei graviert hat. Schamir war bestimmt auch sehr umweltfreundlich. Du kannst es auch. Schenke Deinen Nächsten etwas, was frei von Umweltzerstörung sowie knochenharter und schlecht bezahlter Arbeit ist. Feiere Deine Simcha fair! Auf einer jüdischen Seite aus Großbritannien, Big Green Jewish, findest Du heraus, wie es die britischen Juden machen.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Shimshon Stüart Siegels Kommentar zur Parascha Tezawe: „All That’s Gold Doesn’t Glitter“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.

*Antwort: Chanukka