Wajakhel

Schemot 35:1-38

Wajakhel

Worüber die Parascha spricht:

In der Parascha Wajakhel Schemot (35:1 - 38:20) versammeln sich die Hebräer, um Moses zu hören. Er wiederholt das Schabbat-Gebot. Er teilt ihnen mit, wie der Mischkan gebaut sein solle. Alle bringen das notwendige Gold, Silber, Kupfer und Wolle in blau, lila und rot. Es werden auch Ziegenhaar, Leinen, Holz, Olivenöl und Tierhäute sowie Gewürze und Edelsteine benötigt. Die Gaben fließen so zahlreich von allen, dass Moses sie bremsen muss. Die Frauen geben ihren Schmuck, jeder bringt Holz, um den Mischkan zu konstruieren. Bezalel und Oholiaw sind die begabten Künstler, die das Heiligtum bauen.

Der Mischkan wird von Handwerkern geschaffen, genauso wie es in Teruma, Tezawe und Ki Tissa gefordert wurde. Es sollen 48 vergoldete Bretter für die Wände, hundert Grundsockel, ein Vorhang, der die zwei Räume des Mischkans trennt sowie eine Trennwand für den Eingang vorbereitet werden. Die Künstler sollen Eine spezielle Abdeckung mit den Cherubim anfertigen. Dort soll es einen Tisch geben, auf dem eine Menora mit sieben Armen und einem speziellen Öl steht. Man soll einen goldenen Altar bauen, auf dem der Weihrauch verbrannt wird, sowie einen Altar im Freien für das Opferfeuer.

Öko Motiv in Wajakhel

Schabbat: Wajakhel fängt mit dem Schabbat-Gebot an:

“Sechs Tage aber darf nur Handwerksarbeit gemacht werden. Am siebten Tage sollt ihr ein Heiligtum haben, einen Feiertag der ersten Klasse, dem Ewigen zu Ehren.“ (Schemot 35:2). Das Judentum ist eine der wenigen Religionen, die den von der Arbeit freien Tag so ernst nimmt. In der Tora wird sogar wiederholt: Wer am siebten Tag arbeite und den Schabbat breche, solle getötet werden (Ibidem.). Eine ziemlich radikale Einstellung zum Wochenende. Darüber würden sich vielleicht heute einige Kinder, Eheleute, die vernachlässigten Eltern und Freunde freuen, denn es passiert immer öfter, dass unser Wochenende durch die Arbeit rücksichtslos „aufgefressen“ wird: Unsere Arbeit wird „flexibel“, und die Nebenwirkung heißt „keine Ruhe“.

Das Konzept des Schabbats aus der Parascha Wajakhel wirft jedoch viele Fragen in den Raum. Wie geht man heute mit diesem Tag um? Wie praktiziere ich ihn? Was soll man machen, damit dieser Tag eine Bedeutung gewinnt. Was ist für uns ein Tag der Erholung? Was ist Ruhe? Kannst Du wirklich noch einen Tag der Ruhe „genießen“?

Der Schabbat soll eine Feier und gleichzeitig eine Zeit der Erholung werden. Feier bedeutet, dass dieser Tag nicht nur einfach uns dient, es ist eine Feier für G-tt. Wir müssen auch an diesem Tag die anderen, ob Menschen, Tiere oder vielleicht sogar Maschinen „entlasten“, die uns andererseits die ganze Zeit dienen. Wir sollen sehr vorsichtig vermeiden, was sich eher nicht nach Erholung anhört. Es ist sogar verboten, ein Insekt zu töten. Die Schwierigkeit liegt darin, dass unsere Vorstellung der Ruhe anders ist, als jene aus der Bibel. Wir sind auf uns konzentriert, das erfordert auch unsere Gesellschaft: wir müssen fit sein, gut aussehen, modisch sein, all das gehört zu unserem Lebensstil. Oft werden dadurch Shopping, Fernsehen oder Internet-Surfen als Entspannung verstanden.

Die Tora hingegen beschreibt den Schabbat als g-ttliches „Nichts-Machen“. Die Halacha gibt uns hier eine Definition der Melacha (unten), einer schweren Arbeit, die am Schabbat nicht vollzogen werden soll. Man darf viele konkret definierte Tätigkeiten nicht ausüben. Wenn wir hier eine Erklärung und Zusammenfassung geben müssten, haben einige Rabbiner gesagt, man dürfe keine Sachen machen, die unsere Umgebung verändern. Die ganze Woche lang bringen wir die Sachen unter Kontrolle. An diesem Tag sollen wir davon ablassen.

Rabbiner Norman Lamm, im Geist der Reflexion von Rabbiner Hirsch, verbindet dies damit, dass laut der Tora die Erde nicht dem Menschen gehört. Unsere Konzentration auf die wichtigen Sachen wie den Job, das Geldverdienen, den Status soll für einen Tag aufhören. Damit werden die dominierende Beziehung zur Arbeit und viele Arbeitsprioritäten in Frage gestellt.

Wir haben mehr Zeit für uns Selbst, für die Familie und für die Gemeinschaft. Wir müssen jedoch sehr viel loslassen, vor allem die Kontrolle, die wir täglich ausüben: Es gibt eine Tradition, die sagt, dass unsere Beziehung zur Welt mit unserem Verhalten am Schabbat zusammenhängt. Unsere Schabbat-Existenz ist damit verbunden, wie wir uns vor den Schöpfer stellen. Eine wichtige Mizwa besteht in der Zusicherung der freien Zeit und der Erholung für die Tiere. (Schemot 23:12). Das war für Rabbiner Hirsch ein Zeichen, dass wir immer das Wohl der anderen Wesen berücksichtigen sollen. (Hirsch Kommentar zur Tora, Schemot 23:12). Wir reisen nicht, schreiben nicht, etc. 39 Haupt-Arbeiten und viele von ihren Derivaten sind verboten.

Manchmal haben sie Sinn, viele kommen uns aber sehr komisch vor. Es geht demnach weder um den Mangel an physischer und intellektueller Anstrengung noch um eine „Entlastung.“ Unter bestimmten Bedingungen sind diese Tätigkeiten trotzdem möglich Mit anderen Worten es geht hier nicht um unsere egoistisch verstandenen Bedürfnisse: Die wichtigste Schabbat-Regel ist die der Nicht-Transformation. Am Schabbat hören wir auf, die Sachen zu verwandeln.

Trotzdem beschreiben wir ihn als „Geschenk“ und als die größte Gabe der jüdischen Religion an die Menschen: „Denn der Schabbat ist der Juden Perle; denn der Schabbat ist des Juden Freund.“ (Rabbiner Hirsch, „Der jüdische Schabbat“ Ges. Werke Band 1, Seite 169)

Studium, Familie, Geldverdienen, sich um die Zukunft sorgen, das alles gehört zum Alltag. Sich um alles zu kümmern, ist Alltag. Und danach haben wir einen Tag zum Loslassen. Rabbiner Hirsch schrieb, dass die ganze Welt überleben würde, wenn wir mal zu arbeiten aufhören würden. Wenn wir alle Geschäfte schließen würden, jedem einfach einen freien Tag geben würden, würde die Welt gut überleben und sicherlich nicht untergehen „‘Schabbat in unserer Zeit? Allen Geschäften, allen Arbeiten in unserer blitzschnellen, donner-eilenden Zeit einen ganzen Tag Stillstand, Stillstand der Börse, den Werkstätten, den Fabriken, den Dampfrossen – du gütiger Himmel! Wie wäre es möglich, der Puls des Lebens würde stocken und zu Grunde ginge die Welt!‘  Zu Grunde ginge die Welt?“ hierzu schreibt Hirsch „Gerettet wäre die Welt!“  (Rabbiner Hirsch „Der Jüdische Schabbat“ S. 195).

Noch lange vor der Jahrhundertwende, nach der industriellen Revolution, war die Welt zu schnell und hektisch. 150 Jahre später ist es nicht anders, außer, dass es noch hektischer geworden ist. Im Vergleich dazu sind die Zeiten von Rabbiner Hirsch (1808 – 1888) eine ruhige Idylle. Schon damals war es sichtbar, dass wir einfach eine viel zu dominante Kraft geworden sind. Wir sind diejenigen, die immer produzieren, kaufen, verkaufen. Der Mensch und seine Ökonomie sind ein universeller und damit der „wichtigste Maßstab“ geworden.

Wir sind langsam nicht mehr fähig außerhalb der Ökonomie zu denken. Sachen, die keinen materiellen Wert haben, sind einfach nichts wert. Daher ist so ein Tag wie der Schabbat bedroht, eine Schabbat-Praxis hingegen ist wie ein Akt der Rebellion gegen den Arbeits-und Einkaufswahn - eine radikale Aussage des Glaubens daran, wer die Erde wirklich besitzt. Der Schabbat und die Schmitta hängen sehr eng zusammen: sie beide sind ein Zeichen dessen, dass wir nicht die Besitzer der Erde sind. Selbst wenn wir alles kaufen und immer erfolgreich arbeiten, immer effektiv sind. Der Schabbat stellt alles auf den Kopf. Ein Tag, an dem wir die Natur nicht verändern. Und daran arbeiten, keinen Einfluss auszuüben.

Schabbes verstehen:

Jeder von uns hat schon einmal die Schwierigkeiten dieses schönen Tages erlebt. Die Aufgabe, egal ob spirituell oder rein praktisch betrachtet, ist ziemlich schwierig. Was sind Deine magischen Kräfte, die helfen, den Schabbes einzuhalten und zu feiern. Welche Tricks benutzt Du, um Dir den Schabbes schön zu machen?

Inspiration-Fragen:

  • Beschreibe einen umweltfreundlichen Schabbat.
  • Was sind Deine Schabbat-Lieblingsbeschäftigungen?
  • Was machst Du am liebsten in der freien Zeit?
  • Denke an die einfachsten Dinge, die Du tun kannst, um die Welt zu verbessern.

Melacha Info:

Es gibt 39 Melachot, Arbeiten, die am Schabbat verboten sind. Sie waren mit dem Aufbau der Zelte und mit der Arbeit an dem Mischkan verbunden:
Feldarbeiten
Das Säen, Pflügen, Ernten, Garben binden, Dreschen, Aussortieren, Auswählen, Mahlen, Sieben, Kneten, Backen
Das Herstellen von Stoffvorhängen des Zeltes, die Arbeit der Weber:
Das Scheren, Reinigen, Kämmen, Färben, Spinnen von Wolle, das Fäden dehnen/spannen, Schleifen machen, Fäden weben, Fäden trennen, Knoten knüpfen, Knoten lösen, Nähen, Reißen
Das Herstellen von Ledervorhängen des Mischkans:
Das Fangen, Schlachten, Häuten, Pökeln von Tieren, das Gerben, Schaben, Schneiden des Leders
Das Herstellen der Stützen für den Mischkan:
Schreiben, Löschen der Farbe oder der Schrift
Der Aufbau- und Abbau des Mischkans:
Bauen, Einreißen der Gebäude
Die Abschlussarbeiten am Mischkan:
Feuer löschen, Feuer entzünden, der letzte Hammerschlag, Tragen

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Yonathan Nerils Kommentar zur Parascha Wajakhel: „An Ecological Message in Shabbat“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.