Wajikra

Wajikra 2016

WAJIKRA: WAJIKRA 1:1–5:26 

DIE PARASCHA AUF EINEM BEIN

Das neue Buch der Tora Wajikra fängt folgendermaßen an. In Pekude,  wurde der Mischkan aufgebaut und danach zog G-tt ins Zelt der Begegnung ein. Jetztsoll die Offenbarung vor dem Stiftszelt (Mischkan) stattfinden. Die Hebräer können nun den Berg Sinai verlassen.

In Wajikra finden wir viele Gesetze, die Tieropfer betreffen. Es werden verschiedene Opfertypen aufgezählt.  Dann weiht Moses Aaron und seine zwei Söhne feierlich als Priester.

Es gibt verschiedene Opfer (Korbanot) für verschiedene Gelegenheiten:

  • Ganzopfer (Olah), im Ganzen verbrannt: Rind oder Ziegen/Schafe, sie sollten bis in der Früh brennen.
  • Speiseopfer (Mincha): besteht aus Ofengebäck, Öl, Weihrauch.
  • Friedensopfer sind Fleischopfer (Schelamim): Wird zum Teil vom Hohepriester gegessen.
  • Sündenopfer (Chatat): Wenn ein Priester, die Gemeinschaft, ein König oder eine einfache Person sündigt, soll er/sie auch ein Opfer darbringen. Es soll ein Bock sein.
  • Schuldopfer (Ascham): Bei kleineren Gesetzesübertretungen, z. B. Berühren von etwas Unreinem, Untreue, etc.
  • Friedensopfer, Dankopfer (Schelamim): ungesäuerte Brote.

WO ALLES BEGINNT:

„Wenn aber jemand, da er gefehlt und eines von dem Verbotenen des Ewigen getan, die nicht getan werden sollen, nicht gewusst hat, dass er in Schuld geraten und ladet eine Sühne auf sich; so bringe er einen Widder ohne Fehl vom Kleinvieh, mit dem Werte (wie) zum Schuldopfer, zu dem Priester und der Priester sühne ihn wegen seines Versehens, da er es versehen, ohne zu wissen und ihm wird vergeben sein. Ein Schuldopfer ist es, der Schuld verfallen ist er dem Ewigen.“ (Wajikra 5: 17-19)

ÖKO-MOTIV - ASCHAM TALUI: EINE UNBESTIMMTE SCHULD

In dieser Parascha werden verschiedene Opfer aufgezählt, die für bestimmte Taten dargebracht werden sollen. Die beiden Opferarten Chatat und Ascham sind auch für den Fall vorgesehen, dass jemand eine Sünde begangen hat, von der er nichts wusste oder die er nicht wirklich wahrgenommen hat.

Dies Ruft viele Fragen hervor. Was bedeutet „nicht gewusst hat“? Talmud nennt es Ascham Talui, (eine unbestimmte Schuld). Es gibt ein Opfer (Ascham), das dann gebracht wird, wenn eine Person Recht gebrochen hat. Ascham Talui geht jedoch weiter. Sie wird für die Taten und die Verletzungen der Regeln dargebracht, von denen die man gar nichts weiß. In dem Sinne sind diese Taten uns vergeben, wir sollen trotzdem ein Opfer darbringen. Warum eigentlich?

Raschi gibt hier eine Erklärung: Wenn eine Person sich nicht bewusst ist, „ob er es (Vergehen) wirklich begangen hat, oder nicht, z.B. er hätte erlaubtes Fett und unerlaubtes vor sich, glaubte aber, dass beide erlaubt wären, und verzehrte eines derselben, man sagte ihm nachher, dass eines dieser Fette verboten wäre, er weiß aber nicht, ob er wirklich verbotenes Fett gegessen hat, so bring er ein Schuldopfer des zweifelhaften Begehrens (Ascham Talui) welches ihm Schutz bietet, solange er nicht bestimmt weiß, dass er gesündigt hat; wird er sich später dessen bewusst, dann bringt er ein Sühneopfer.“ (Raschi über Wajikra 5:17, aus Dessauer Tora)

Sforno (16. Jh), zitiert in diesem Kontext von Jonathan Neril, sagt, dass die Opfergabe eine sehr heikle Gelegenheit war. Ein falsches Opfer war auch eine Art von Sünde auch, damit war es ebenfalls ziemlich gefährlich. Er dachte, falls ein erlaubtes Fett aus Raschis Kommentar gegessen wurde, und dann für das unerlaubte Fleisch gehalten würde, hätte das Sühneopfer hier gar nicht gepasst, das wäre falsch gewesen, was ein Problem im Tempeldienst wäre. Außerdem ist die Person schuldig, die fälschlicherweise zugesichert hat, dass alle Speisen koscher sind. (Sforno über Wajikra 5:17, zitiert von Jonathan Neril) Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

Die Ursache der Schuld ist der Mangel an Aufmerksamkeit. Wir sollen uns nie sorglos und unvorsichtig verhalten. Wir haben damit die volle Verantwortung dafür, was wir machen. Uns trennt dabei nur ein Schritt in die Richtung „Bewusstsein und Umwelt“. Sehr oft sind unsere Taten wichtig für die Umwelt, und wir entscheiden uns für Aktionen, die gar nicht gut sind, weil wir sie nicht überlegt haben.

Wir wissen zum Beispiel, dass das Verbrennen der fossilen Brennstoffe wie Öl oder Kohle zu sehr starken Emissionen führt. Diese sind für die ganze Umwelt schädlich. Wir wissen schon Folgendes: Wenn wir zu viele Partikel in die Atmosphäre freisetzen, verändern wir sie für immer. Dafür aber müssen wir Vieles ändern, viele bequeme Dinge kann man dann nicht weiter machen. Man könnte nicht mehr mit dem Auto überallhin fahren, man müsste weniger fliegen, sparsam mit den Ressourcen umgehen etc. Das sind sehr oft unsere täglichen Bequemlichkeiten, und einen Verzicht daraus empfinden viele Menschen als eine große Herausforderung.

Es gibt eine Diskussion unter den  Umweltaktivisten, ob die „normalen“ Menschen für den Zustand der Umwelt  verantwortlich zu machen, oder vielleicht nur die Politiker. Hier sagt uns die Tora, dass wir jede Art von Schuld, die wir unabsichtlich auf uns nehmen, berücksichtigen sollen.

Bisher waren die Konsequenzen der Klimaerwärmung vielleicht nur in den Entwicklungsländern oder auf unterschiedlichen Inseln relevant. Das Bundesumweltamt hat berechnet, seit 1881 wurde die Temperatur in Deutschland um 1,4 Grad höher. Lange Zeit haben wir die Diskussion gehört und beobachtet, ob die Menschen zur Klimaerwärmung beitragen. Heute wissen wir, dass dem so ist, und zwar mit unserem Beitrag. Die Antwort darauf ist geringerer Konsum zusammen mit „Dekarbonisierung“. Das bedeutet dass wir keine Kohle mehr verbrennen dürfen, was eher die Regierungen entscheiden. Wir sollten unseren CO2 Ausstoß reduzieren, indem wir klimaverträglich reisen z.B. wandern oder Rad fahren. Wir sollen auch so einkaufen, dass unsere Klimabilanz gut wird. Die Tora entschuldigt hier unseren Mangel an Wissen nicht.

Die Buße muss gesucht werden, selbst wenn wir nicht sicher sind. Wir sollen, laut Sforno, alles vermeiden was unsere Schuld verursacht. CO2-Ausstoß, ist so eine Schuld. In der jüdischen Tradition wächst die Schuld mit dem Bewusstsein.

AKTION:

  1. Nutze ab Ende März immer häufiger dein Fahrrad statt das Auto oder benutze öffentliche Verkehrsmittel
  2. In Großstädten kannst Du jetzt für kürzere Strecken die Leihautos nutzen, statt ein eigenes überhaupt zu besitzen.
  3. Nimm all Deine Kleider zusammen und schaue,  wie viele davon Du nur einmal getragen hast. Wie viele Sachen hast Du zu Hause, die Du nicht brauchst und nicht verwendest? Es sind wahrscheinlich Kleider, Sachen, Spielzeug. Versuche, daraus einen Nutzen zu ziehen und sie zu verschenken.
  4. Plane eine Sommerreise ohne Auto oder Flugzeug.
  5. Es gibt bestimmt eine Sache, die Du ständig vergisst. Jeder hat eine schlechte Angewohnheit, wir bei Jews Go Green vergessen z. B. immer, das Licht auszuschalten und naschen zu viel. Versuche, eine schlechte Angewohnheit bei Dir festzustellen und sie drei Wochen lang jeden Tag bewusst zu bekämpfen. Denn angeblich werden neue Verhaltensweisen nach drei Wochen zur Gewohnheit.
  6. Berechne Deinen ökologischen Fußabdruck, hier findest Du einen tollen Rechner von „Brot für die Welt“.
  7. Du kannst das Thema in einer Diskussion vertiefen, hier haben wir für Dich eine Hevruta mit Erklärung vorbereitet.
  8. Bringe dein modernes Ascham Talui dar: Überlege Dir, was Du mit Deinem Geld machen könntest. Wem könntest Du helfen oder welche Initiativen könntest Du unterstützen.

QUELLEN:

Dieser Artikel wurde von Rabbi Shlomo Levins and Rabbi Yonatan Nerils Kommentar zur Parascha Wajikra: “The Global Climate and The Pending Guilt Offering“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.