Schemini

Öko-Dwar Tora

Schemini

Schemini findest Du im Buch Wajikra 9:1 – 11:47

Die Parascha auf einem Bein

Der Tod von Awinu und Nadaw

Nach der Weihung der Priester (Erinnert Ihr Euch daran, dass es genau sieben Tage dauerte?) wurden Aaron und seine Söhne ebenfalls zu Priestern (Kochanim). Seit dieser Zeit brannte im Mischkan (Heiligtum) ein Feuer und die Opfer wurden darin verbrannt. G-tt zog in das Stiftzelt ein. In dieser Zeit ereignete sich eine Tragödie: Die Söhne Aarons, Nadaw und Awinu, brachten ein anderes,  „seltsames“ Feuer ins Heiligtum. Dafür wurden sie von G-tt bestraft und starben. Aaron schwieg zu diesem Vorfall.

Streit zwischen Moses und Aaron

Moses und Aaron waren sich über ein Opfergesetz nicht einig. Aaron beruhte auf seinem Recht und Moses gab daraufhin nach. Das heißt, dass bereits unsere Vorfahren offen für Diskussionen waren.

Kaschrut

In der Parascha Schemini wurden die Kaschrut-Gebote aufgezählt. Auf Basis dieses Tora-Abschnitts wissen wir heute, welche Tiere nicht gegessen werden dürfen und welche schon. Eine Liste der unkoscheren Vögel und koscheren Insekten findet man genau in dieser Parascha.

Welche Tiere dürfen die Juden essen?

  • Vom Fleisch der Säugetiere essen wir nur Fleisch von Wiederkäuern mit gespaltenen Hufen.
  • Raubtiere zu essen, ist überhaupt nicht erlaubt.
  • Manche Vögel sind koscher, das Fleisch von Adler, Strauß oder Pelikan ist es jedoch nicht.
  • Geflügel muss Schenkel oberhalb der Füße haben.
  • Fische müssen Flossen und Schuppen haben.

Weitere interessante Gesetzte aus dieser Parascha lauten wie folgt: Die Mikwe (rituelles Bad) wurde zur Pflicht (wo genau es in der Wüste stattgefunden hat, ist bis heute unklar). Die Unterscheidung zwischen Reinem und Unreinem wurde verdeutlicht. Mit dem Unreinen durfte und darf man nicht in Berührung kommen. Es wurde auch bestimmt, wie die Priester auszusehen haben. Sie mussten ihr Haar regelmäßig schneiden und sollten auch ein Augenmerk auf ihre Kleidung legen.

Öko-Parascha:

In dieser Parascha bekommen wir eine Weisung darüber, was wir essen dürfen und was nicht. Dazu gehört eine Beurteilung über die unterschiedlichen Fisch-Arten. Der Tora-Biologieunterricht ist relativ eindeutig: Von allen Tieren, die im Wasser leben, dürfen wir nur jene essen, die Schuppen und Flossen haben. Meeresfrüchte sind also nicht koscher. Was interessant ist, ist ein anderes Motiv aus der Parascha Bereschit. Was G-tt  zuerst segnete, waren Fisch und Meereswesen. Als er das Meer segnete, sprach er „Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Gewässer der Meere, und der Vögel sei viel auf der Erde“. (Bereschit 1:21).

Über den Fischfang wird in den letzten Jahren sehr viel diskutiert, denn: „von den weltweit kommerziell genutzten Fischbeständen sind 57 Prozent bis an die Grenze genutzt und 30 Prozent überfischt oder erschöpft. Das heißt, es wird mehr gefangen, als durch die natürliche Vermehrung nachwachsen kann.“ Dies kannst Du auf der Greenpeace Webseite nachlesen.

Heute haben wir demnach immer weniger Fisch. Wahrscheinlich tut uns nicht weh, dass er ausgebeutet wird, weil wir nicht in direkter Verbindung zu diesem Ökosystem stehen. Wir alle wissen zum Beispiel, dass der Thunfisch eher nicht gegessen werden darf. Mit der Zeit wird die rote Liste jedoch immer länger: Dorsch, Scholle und Heilbutt sind ebenfalls stark vom Aussterben bedroht. Genauer gesagt gibt es nur zwei Fischarten, die wir, ohne der Umwelt zu schaden, bedenkenlos konsumieren können: Karpfen und Hering. Der Rest ist leider mit Vorsicht zu genießen.

Nachmanides (Spanien 1194-1270) argumentierte, dass die Mizwa Schiluach Haken (sie verbietet uns, kleine Vögel zu nehmen, wenn die Mutter es sieht) uns lehrt, dass wir das Aussterben der Tiere nicht zulassen dürfen. Denn wir begehen etwas Unheiliges damit, wenn wir etwas zu uns nehmen, was vom Aussterben bedroht ist. Was genau bedeutet das also? Es ist wichtig, dass auch die kommenden Generationen Fisch genießen können. Außerdem ist der Idealzustand, der in der Tora festgeschrieben ist, den Reichtum an Lebewesen zu erhalten. G-tt will, dass alle Tiere und Arten überleben und gedeihen. Deswegen sind wir Juden verpflichtet, die Erde am Schabbat oder während der Schmitta in Israel ruhen zu lassen, um dazu beizutragen, dass die verschiedenen Arten überleben und sich vermehren. Unsere Aufgabe ist somit nicht nur der Schutz der Arten, unsere Pflicht ist zugleich auch die Sicherung der guten Bedingungen für die Artenvielfalt. 

Fisch ist im Judentum eine besondere Kategorie und eigentlich ist der Fisch eines der wenigen wilden Tiere, die wir essen. Normalerweise kommt unser Fleisch von geschlachteten Nutztieren. Fisch wird anders als Fleisch eingestuft, er ist „Parwe“ und damit irgendwie „nicht-Fleisch“. Eine interessante Unterscheidung, die unsere Urväter und Urmütter gemacht haben. Damit gehört der Fisch zu unseren Lieblingsspeisen. Gefilte Fisch oder Hering kann man fast bei jeder Schabbat Mahlzeit in der Synagoge in Deutschland sehen. Wusstest Du aber, dass man aufgrund der Verschmutzung der Meere eigentlich nicht zu viel davon essen sollte? Denn Fische sind immer häufiger Schwermetallen ausgesetzt.

Das Thema Verschmutzung der Meere ist eines der wichtigsten Themengebiete – nicht nur für Umweltaktivisten, sondern für jeden Einzelnen von uns, denn es wird immer ersichtlicher. Wir alle lieben Reisen und jeder von uns hat am eigenen Leib erfahren müssen, wie viel Plastik an den Stränden zu sehen ist. Ein weiteres Problem ist Mikroplastik, welches die Tiere in Form von Plankton zu sich nehmen. So gelangt es wieder als Gift in unseren Körper, denn wir sind eng mit dieser Ernährungskette verbunden. Zudem sind Ozeane versauert: das birgt Risiken für die anderen Meeresbewohner, wie Schnecken, Muscheln und auch die Fische. Versäuerung versuracht einen Abbau von Calcium in den Knochen.

Die Probleme, die hier angesprochen worden sind, betreffen am Ende uns alle. Die Fragen nach dem Rückgang der Artenvielfalt, der Verschmutzung des Wassers und der drastischen Veränderung der generellen Bedingungen durch Versäuerung, dürfen nicht länger mit verschlossenen Augen toleriert werden. Weil es unsere Aufgabe ist, uns um die Schöpfung zu kümmern, betrifft diese Aufgabe auch die Sicherung der Arten von Fisch und Meeresfrüchten. Jede von der Tora inspirierte Religion kann sich darauf berufen, aber wir Juden sind diejenigen, die jeden Samstag die Tora genau lesen und sie deshalb am besten kennen.

Daten und Fakten

Wusstest Du, dass manche Fischarten sehr lang leben?

  • Ein Karpfen wird bis zu 100 Jahre alt.
  • Ein pazifischer Rockfisch bis 205 Jahre.
  • Manche Fisch-Arten müssen erst 30 Jahre lang leben, um sich überhaupt vermehren zu können. Wenn wir alles so schnell konsumieren, dass die Fische sich nicht mehr vermehren können, wird wieder ein großes Problem verursacht. Haschems Segen wird in dieser Weise nicht erfüllt.
  • Eine fälschliche Annahme ist, dass die Lösung für die Überfischung bestimmt in der Aquakultur liege. Fälschlich, da der Fisch eben genau unter überfüllten Schwimmbecken oder Teichen der Aquakultur leidet. Und damit ist er nicht allein, denn genau so ergeht es den Säugetieren. Die Aquakulturen verschmutzen das Wasser in der Nachbarschaft. Dies hat zur Folge, dass der Fisch sich mit Bakterien infiziert und sich in der Aquakulturen nicht so schnell vermehren kann.

Wo gibt es Fisch im Judentum? Es sind nicht nur die Parascha Schemini oder das Buch Bereschit, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch in den folgenden Geschichten wird über Fisch gesprochen:

  • Die Geschichte der Jona spricht über Fisch;
  • Fisch ist für manche Chassidim eine Pflicht-Mahlzeit am Freitag, denn sie glauben daran, dass die Seelen der jüdischen Weisen sich in die Fische verwandeln. Indem wir sie essen, ermöglichen wir den Seelen, weiter zu wandern;
  • Wir essen Fisch zu Rosch Haschana, weil er Reichtum und Überfluss symbolisiert. Ist es nicht ironisch, dass gerade dieses Symbol der Fülle heute so bedroht ist? Vielleicht sollten wir es als eine Art Warnzeichen verstehen.

Aktion:

  1. Versuche, diese Woche einen Fischratgeber herunterzuladen und nur den zertifizierten Fisch zu konsumieren.
    1. WWF Fischratgeber (auch als App zum Herunterladen)
    2. Greenpeace Fischratgeber für 2016.
  2. Mache Deine Eltern und Großeltern darauf aufmerksam, dass nicht jeder Fisch gut zum Essen ist.
  3. Versuche zu erfahren, welcher Fisch aus Deiner Region stammt.

Die Leitgendanken des Geschriebenen stammen aus einem Artikel von Candace Nachman “Parshat Shemini: An Abundance of Fish“. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.