Mezora

Mezora 1

Fot. Sten Porse, Wikimedia

Die Parascha Mezora findet man im Buch Wajikra (14:1-15:33).

Heilung der Aussätzigen

Die Heilung kann man auf zwei Weisen verstehen: entweder physisch oder rituell. Zur rituellen Heilung gehört ein Opfer: Es sind zwei wilde Vögel, Quellwasser, ein Stück Zedernholz, ein karmesin-roter Faden aus Wolle und ein Bündel Ysop. Ein Vogel wird geopfert und der andere freigelassen. Noch 7 Tage bleibt der Aussätzige fort. Danach rasiert er sich seinen Kopf und sein Gesicht. Er bringt einige tierische Opfer (Schuldopfer) dar.

In der Parascha Mezora wird Folgendes ergänzt: wenn sich einige grüne oder dunkelrote Flecken auf einem Haus bilden, ist das Haus "leprös". Es muss sieben Tage lang überprüft werden. Danach bestimmt ein Priester, ob es gereinigt werden muss oder zum Abriss bestimmt wird.  Dabei sollen identische Opfer, wie im Fall einer aufsässigen Person, dargebracht werden.

Rituell unrein kann man zusätzlich durch körperliche Ausflüsse werden. Hier wird sowohl das Vorgehen im Fall eines Manns als auch einer Frau beschrieben. Dabei ist es verpflichtend in die Mikwe zu gehen. Wenn jemand unrein ist, soll jeglicher Körperkontakt mit andren vermieden werden.

Öko – Parascha:  Von Pflanzen lernen

Schon vorige Woche haben wir über Zarat, eine lepraähnliche Krankheit, geschrieben. Diese Woche setzen wir es fort. Eine der Ursachen des Aussatzes (Zarat) ist die „enge Sicht“. Es gibt dennoch einen weiteren Grund von Zarat. Er heißt laschon hara, so wird auf Hebräisch die üble Rede, die „böse Zunge“ oder der Klatsch genannt.  

Laschon hara ist im Judentum ein wichtiger Begriff. Es ist eines der schlimmsten Vergehen im Judentum, denn es ist sehr zerstörerisch. Deswegen soll man sich davor schützen und es davon ablassen. Die Medium ist hier eigentlich egal, laschon hara kann sowohl gesagt, als auch geschrieben werden. Das Körpersprache ist ein „wunderbares“ Mittel um unschöne Absichten und Einstellungen zu bedeuten. 

Im Judentum ist die Kommunikation, vor allen die Wörter und Buchstaben, wesentlich. Schrift, Sprache sind Kern des Judentums. Wir schreiben, sprechen und diskutieren. Sichtbar wird das nicht nur bei der Interpretation der Tora, in der die kleinste Deklination die ganze Interpretation völlig ändern kann. Wir haben im Judentum die Buchstabenmystik, die Kabbala. Ein gutes Beispiel dafür ist die Legende von Golem, die Kreatur, die mit Hilfe der Wörter und Buchstaben geschaffen wurde. Dies alles führt auf den Schöpfungsakt zurück, der durch das Aussprechen der Worte zustande gebracht wurde: „Und G-tt sprach: es werde Licht. Da ward Licht.“ Bereschit 1:3). Durch Sprache kann man Umgebung und Realität verändern. Man kann sowohl schaffen als auch zerstören. Die generativen Kräfte der Wörter sind im Judentum sehr wohl bekannt. Unsere Kommunikation ist ein wichtiges Merkmal, das uns auch von anderen Teilen der Schöpfung unterscheidet.

Wie uns Ramona Rubin in „Natural Healing“, einem Kommentar zur Parascha, Mezora, erinnert werden die Menschen in der alten jüdischen, talmudischen Taxonomie Medabrim genannt. Dies findet man in Ra’awad, einem kollektiven Kommentar zu Sefer Jezira. Medabrim bezeichnet wörtlich „die Sprechenden“. Die Menschenrechte heißen auf Hebräisch Medabrim Tikshoret.

Die biblische Krankheit „Zarat“  kann vor allem durch böse Worte verursacht werden. Deswegen muss derjenige, der unter Zarat leidet, von der Gemeinschaft separiert werden. Er muss in der Wüste, außerhalb der menschlichen Siedlung, bleiben, weil (so nach Jehoschua Ben Levi, einem bedeutenden Amoräer, Ramona Rubin) seine Rede die Trennung zwischen Menschen verursachte.

Mezora (so heißt der an Zarat erkrankte Mensch) muss separiert bleiben. Dies ist ein recht hartes Vorgehen gegen eine üble Sprache. Dies soll uns die Macht der Sprache bewusst machen. Eine weitere interessante Konsequenz aus dem Parascha-Text zieht Ramona Rubin, wenn sie schreibt, dass die spirituelle Heilung in der Einsamkeit verlaufen soll. Danach, während des Reinigungsrituals sollen zwei Pflanzen einfach gehalten werden. Sie meint, sie spielen aber trotzdem eine sehr wichtige Rolle in der Genesung und Reinigung. Das Halten der Pflanzen steht für die Kommunikation mit der Welt der Natur und für das Lernen von den Pflanzen. 

Rabbiner Hirsch (Kommentar zum Wajikra 14) schreibt, dass die Heilung der Mezora mit der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zusammenhängt. Die Re-Integration in die Gemeinschaft besteht danach aus der Trennung und aus einem Ritual durch das die Rückkehr in die Gemeinschaft wieder möglich wird.  

Um sich zu reinigen braucht man zwei wilde Vögel, einen roten Faden aus Wolle und Teile zweier Pflanzen: Zeder und Ysop. Dies ist ein Zeichen, dass die Reinigung die natürlichen Elemente braucht. Raschi muss hier auch hervorgerufen werden, denn er interpretierte, warum die Vögel dargebracht werden sollen: Der Grund ist ihr Gezwitscher, das  an Klatsch und Tuscheln erinnert. Ramona Rubin bring noch die Argumente aus Sfas Emes (17 Jhr.), die Vögel repräsentieren zwei Elemente der Sprache: die gute, kreative Sprache und die negative schlechte Sprache. Die Pflanzen hingegen repräsentieren die Rückkehr des Gleichgewichtes und des Einklangs durch die Reinigungsrituale. Zedern sind hoch und Ysop ist sehr klein. Sie repräsentieren die höchsten und niedrigsten Formen des pflanzlichen Lebens. Das Zeichen an den jüdischen Häusern in Ägypten, nachdem das Pessach-Lamm geopfert wurde, sollte mit Ysop gemacht werden.

Die Wahl der Pflanzen für die Reinigungszeremonie hat eine tiefe Symbolik, deren Ursprung wahrscheinlich eher viel mit der Pflanzheilkunde als mit der Offenbarung zu tun hat.  Die Natur hat unseren Urvätern mehr als uns gesagt, die Pflanzen hatten eine Symbolik und galten als Zeichen. Für indigene Völker spiegelt die Natur den Menschen und wir die Natur wider.

Die Zeder ist groß und stolz, so wie die Person, die laschon hara ausgesprochen hat. Sie ist zu stolz und zu distanziert. Sie schaut von oben auf die anderen. Ysop ist hingegen klein und bescheiden und wird als ein Heilmittel gegen Zarat gesehen. So hat es Jehuda Arie Leib Alter (1847 - ?) in seinem Kommentar Sfas Emes geschrieben. Woanders finden wir, dass die Weisen folgendes sagten: "Der Aussätzige war stolz wie die Zeder und der Ewige demütigte ihn wie den Ysop, der von allen erdrückt wird" (Midrasch haGadol, Metzora 14,4).

Ramona Rubin erinnert daran, dass die Mezora eine der sehr wenigen Gelegenheiten in der Tora ist, um über Heilung überhaupt zu sprechen. Die ist wiederum ein großer Teil der modernen Spiritualität, in der es oft nicht um ein Glaubenssystem, sondern um die Heilung geht. Mezora ist eine Verkörperung der Krankheit im Judentum geworden. Die Teile der natürlichen Welt spielen in Heilung und Genesung eine ganz wichtige Rolle. Alle indigenen Völker verlassen sich auf die Kraft der Pflanzen, um eine komplizierte Relation mit Fauna und Flora zu entwickeln. Auch heute sind wir von verschiedenen Pflanzen wie Tee, Gewürzen oder Medikamenten umgeben. Die Parascha Mezora erinnert daran, dass wir von Pflanzen lernen sollen. Unsere Beziehungen sind nicht nur jene mit Menschen, sondern auch die mit der natürlichen Welt. Damit ist eines klar, so Rubin, wir sollen die Natur erhalten („warten“, Bereschit 2:19) und von ihr geheilt werden.

Fragen und Aktivitäten

  1. Finde heraus, welche Pflanzen in der Tora erwähnt sind.
  2. Versuche jetzt ein paar Heilkräuter auf deinem Balkon oder im Garten zu pflanzen.
  3. Entdecke die „alten“ Arten aus deiner Region: Alte Getreidesorten, Früchte und Gemüse.
  4. Sei immer vorsichtig weder zu lästern noch zu mobben.
  5. Es ist sehr wichtig auf bewusste und respektvolle Sprache zu achten und derer diffamierenden Funktionen immer bewusst zu sein, z.B. „Menschen mit Behinderung“ statt „Behinderte“ zu sagen, keine rassistischen Ausdrücke oder Ausdrücke mit rassistischer Geschichte zu benutzen. Ein Beispiel dafür ist das Wort „Roma“, das einen negativ beladenen Wort „Zigeuner“ ersetzen muss. 

Quellen

Die Leitgendanken des Geschriebenen stammen aus einem Kommentar zur Parascha Mezora von Ramona Rubin “Natural Healing”. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.

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