Öko-Kasches:Vier Kinder während des Pessachfestes

Kinder

In der Pessach-Haggada lesen wir über vier Kinder bzw. vier Söhne: Einer ist weise und klug, einer ist böse, einer ist naiv und der vierte weiß gar nicht, wonach und wie er fragen soll. Pessach ist eine Verbindung von mehreren Traditionen, die die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei symbolisieren, und Texten, die ihre Bedeutung vermitteln. Die Kinder stellen Fragen über den Sinn dieser Rituale. Jedes von diesen Kindern kann als eine Facette unserer Persönlichkeit interpretiert werden, denn wir haben unterschiedliche Seiten, die unterschiedlich ausgeprägt sind.

Rabbiner Shlomo Levin fragt sich allerdings, was sie sagen würden, wenn man sie mit einem Beispiel aus dem Bereich Nachhaltigkeit oder Umweltpolitik konfrontierte. Was würden die Pessach-Jungen zu diesem Produkt sagen: Zu einem der teuersten Flugzeuge der Welt.  Es ist eine Airbus, die sich „der Fliegende Palast“ nennt. Das Flugzeug verfügt nur über 25 Business-Class-Plätze, dafür aber über ein Esszimmer mit 14 Plätzen, eine Bar, einen Medienbereich, wobei normalerweise über 500 Menschen in einem solchen Flugzeug sitzen. „Auf dem Oberdeck befindet sich der Privatbereich des Flugzeugbesitzers mit Büro, Spielzimmer, Gästesuite, Bädern, Schlafzimmern und mehreren Salons. Neben Esszimmern, einer Bar, einem Medienbereich, weiteren Gästezimmern, einem Spielzimmer und Büros soll es sogar einen Whirlpool geben. Überlaufkanäle gewährleisten auch bei unruhigem Flug, dass das Wasser im Pool bleibt. Im Angebot sind auch Saunas, Laufbänder und Sitzlandschaften mit dünenähnlichen Polsterhügeln (gerne sandfarben)“, schrieb die Süddeutsche Zeitung, als das Flugzeug vorgestellt wurde. Sein Tank muss mit 82.000 Galonen Öl gefüllt werden, um ca. 25 Leute zu fliegen. Luxusgüter überleben die schwersten Krisen. Sie sind allerdings nicht nur kosten- sondern auch ressourcenintensiv. Es gibt trotzdem auf dieser Welt Menschen, die mehr Geld haben, als wir uns vorstellen können. In solchem Produkt-Projekt wird das einsparen der natürlichen Ressourcen gar nicht beachtet. Wir spekulieren heute, was die Pessach-Buben dazu sagen würden.

Der böse Sohn:

Der Text der Pessach-Haggada präsentiert die Frage des bösen Sohnes: Was sagt der Böse? (Schemot 12:26) "Was soll euch dieser Dienst?" "Euch" - nicht ihm. Da er sich aus der Gemeinschaft ausschließt, leugnet er die Basis. Mache auch du ihm die Zähne stumpf und sage ihm (Schemot 13:8): "'Um dessentwillen, was G-tt für mich getan hat, bei meinem Auszug aus Ägypten.' 'Für mich', aber nicht für ihn. Wäre er dort gewesen, wäre er nicht erlöst worden!"

Das böse Kind ignoriert die Bedeutung von Pessach willentlich. Das „böse Kind“ in uns fühlt sich mit seinen eigenen Gewohnheiten und seinem persönlichen Lebensstil sehr wohl. Es gibt immer jemanden, der ‚mehr schuld‘ an den Miseren der Welt ist. Es könnte sagen: „Bedeutet dies nicht, dass ich eigentlich noch viel mehr kaufen und fliegen darf? Wie Du siehst, bin nicht ich das Problem. Deshalb muss ich mich auch nicht um die Lösung kümmern.“

Voriges Jahr haben wir über ein Beispiel der extrem bösen Buben lesen können: Der Megaölkonzern Exxon weiß seit über vierzig Jahren über den Klimawandel Bescheid,  hat aber bisher den Klimawandel verleugnet und bezahlt Wissenschaftler, um die eigene klimawandelkritische Linie zu verteidigen. Damit wurde die Forschung gefälscht. Je mächtiger das „böse Kind“ ist, umso schlimmer sind die Auswirkungen.

Das „böse Kind“ leugnet den Klimawandel, es findet alle Gespräche über dieses Thema peinlich und langweilig. Es geht am Schabbat shoppen, da es denkt, sein Verhalten ändere gar nichts. Vor allem soll man das Verhalten des „bösen Kindes“ in sich selbst entdecken. Dem „bösen Kind“ würde man die Gegenargumente nennen, um es zu beschämen und sein Verhalten zu ändern.

Ma Nischtana?

Das naive Kind

Was sagt der Naive? "Was ist das?" Zu ihm sollst du sagen: "Mit starker Hand hat G-tt uns aus Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, geführt (Schemot 13:14)."

Das naive Kind ist jenes, das als oberflächlich gilt. Es fragt: „Was ist das?“ Es steht vielleicht für die Mehrheit von uns, die zwar von Zeit zu Zeit Bio-Lebensmittel einkaufen geht und versucht, ökologisch oder gesund zu leben, wenn es ihr gerade passt, aber nicht mehr konsequent ist, sobald es unbequem wird. Das sind alle Menschen, die Ökologie als wichtig empfinden und darüber diskutieren, aber sofort danach einen billigen Urlaub am Strand wollen und gar nicht darauf achten, welche Inhalte wirklich in der Umwelt-Problematik enthalten sind. Das Umweltbewusstsein prägt ihr Leben nicht wirklich, obwohl sie alle notwendigen Mittel hätten, um es zu verstehen und zu leben.

Das naive Kind muss sich besser über die Folgen heutiger Zustände informieren. Es muss mehr über die Auswirkungen unserer Konsumgesellschaft wissen und dieses Wissen konsequent umsetzen. Dieses „naive Kind“ hat in vielen von uns wahrscheinlich den größten Anteil.

Das unwissende Kind

Den, der nicht zu fragen weiß, den erwecke du, wie es heißt: "Erzähle deinem Kind an jenem Tag und sage ihm (Schemot 13:8): 'Für dieses, tat G-tt für mich [die Wunder], als ich aus Ägypten zog.'“

Das ahnungslose Kind weiß nicht mal, wonach es fragen soll, und kann nicht mal „Was ist das?“ sagen. Ihm fehlt die Bildung. Vielleicht hat es keinen Zugang zu Bildungsressourcen. Vielleicht war es bis jetzt auch noch zu jung.

Die Haggada antwortet, indem sie die Pessach-Geschichte erzählt. Das sollten auch wir machen, wenn wir auf ein „unwissendes Kind“ stoßen. Wir können dabei nachdenken, wie wir diesen Menschen die gegenwärtige Situation erklären sollen. Sie wissen nicht mal wirklich, was die Umweltzerstörung auf lange Sicht bedeutet. Wie könnten wir sie mehr für das Thema gewinnen oder ihnen helfen, Umweltschädigungen zu vermeiden?

Rabbiner Levin bemerkt, dass diese Ahnungslosigkeit sich selbst reproduziert, denn es sind oft mittellose und deswegen ungebildete Menschen, die sowohl ein zufälliges Werkzeug zahlreicher Umweltzerstörungen als auch deren Opfer sind. Sie roden die Urwälder, töten Tiere, vergiften ihr Wasser.

Das weise Kind

Was sagt der Gelehrte? (Dwarim 6:21) "Was sind die Zeugnisse, die Gesetze und die Rechtsnormen, die Herr, unser G-tt, Euch befohlen hat?" – Erkläre ihm auch betreffend den Vorschriften des Pessach: "Nach dem Pessachmahl reicht man keinen Nachtisch mehr."

Das weise Kind fragt, welche Rechte und Regeln man befolgen muss, wenn man ökologisch leben möchte. Was sind die Folgen meines Lebensstils, was soll ich machen, um alles zu ändern. Es sucht nach Antworten, möchte sein Leben daran anpassen und nach diesen Regeln leben. Die Fragen des klugen Kindes betreffen die Grundlagen unseres Lebensstils und die Richtung, in die wir gehen. Die grundlegende Frage ist: Was müssen wir tun, um unserem Auftrag aus dem Buch Bereschit (Da nahm der Ewige den Menschen und versetzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu wahren, Bereschit 2:15) gerecht zu werden?

Fazit

Du kannst über diese Positionen nachdenken und das Thema vertiefen, indem Du die Hevruta liest und versucht, die vier Söhne aus Haggada nachzuspielen.

Chag Pessach Sameach
JGG

Quellen

R. Shlomo Levin “The Four Children and the Environment“ Canfei Nescharim