Parascha der Woche: Bechukotaj

bechukotaj

Parascha auf einem Bein

G-tt verspricht den Israeliten Reichtum, sicheres Leben im gelobten Land und Frieden, wenn sie die Gesetze einhalten. Sie werden einen sicheren Ertrag und Ernte von den Bäumen haben und immer ausreichend Regen bekommen. Wenn sie die Gesetze allerdings nicht einhalten, droht ihnen Exil und Verfolgung. Die Strafe wird siebenmal schwerer als in anderen, „normalen“ Fällen sein. Das Exil wird so lange dauern, bis das Land sein Schabbatjahr (die Schmitta) nachholt.

Selbst wenn die Israeliten die Gesetze nicht einhalten und unter ihren Feinden leben werden, gilt für sie der Bund Abrahams. Er bleibt unzerstörbar. Am Ende der Parascha werden die Regeln der Einschätzung unterschiedlicher Arten für die Gelübde genannt. Jeder Erstgeborene gehört G-tt, außerdem muss jeder zehnte Teil der Ernte und der zehnte Teil aller tierischen Produkte geopfert werden.

Öko Parascha

„Wenn ihr nach meinen Gesetzen handelt, meine Gebote beachtet und sie haltet, so will ich euch immer den Regen zur rechten Zeit geben, der Boden soll sein Gewächs und der Baum auf dem Feld seine Frucht hergeben.“ (Wajikra 26:3-4)

Die Israeliten sollen sich an die Gesetze halten, dann können sie ruhig im Gelobten Land leben und vermögend werden. Wenn sie es nicht machen, erwartet sie eine fürchterliche Strafe. Sie werden fast ausgerottet und verbannt: „Und ich werde eure Städte wüst machen, eure Heiligtümer zerstören und eure lieblichen Gerüche nicht riechen.“ (Wajikra 26:31)

Welche Gebote sind es aber, die so heikel sind? Die Parascha Bechukotaj kommt gleich nach der Parascha Behar. Damit wird die Verbindung von dieser Strafe mit den Gesetzen der Schmitta unzertrennlich. Die beiden Paraschot werden in manchen Jahren zusammen, als eine Doppel-Parascha, gelesen.

Selbst die Dauer des Exils, das zur Strafe gehört, ist mit der Vernachlässigung der Schmitta verbunden. Erst wenn sich das Land erholt hat, können die Israeliten zurückkehren: „…so wird das Land seine verlorenen Feierzeiten ausgleichen, solange es nämlich wüst sein wird und ihr euch in dem Lande eurer Feinde aufhalten werdet. Da wird das Land feiern und seine Feierzeiten ausgleichen.“ (Wajikra 26:34)

Diese Parascha kann man auf unterschiedliche Art und Weisen lesen. Der entscheidende Punkt, die Einhaltung der Gesetze, mag sich für einige Interpretationen auf alle 613 Gesetze beziehen. Uns interessiert hier aber die direkte Verbindung zwischen dem Wohl und der Strafe einerseits und der Schmitta und dem Jowel andererseits. Die Vision der verwaisten Städte und der öden Landes ähnelt manchen wissenschaftlichen Prognosen, der Situation, in der die Böden nicht mehr fruchtbar sind und die Menschen vor Hunger fliehen müssen. Heute haben wir global mit der Landerosion zu tun. John Crawford, Professor von der University of Sydney schrieb 2012 für die Times, dass man ungefähr 40 Prozent der Böden, die global von der Landwirtschaft genutzt werden, entweder als degradiert oder als ernst degradiert einstufen könnte. Das letztere bedeutet, dass 70 Prozent des Mutterbodens (einer Schicht, die den Pflanzen erlaubt zu wachsen) weg ist.

Dieser degradierte Boden wird in den nächsten 25-30 Jahren um 30% Prozent weniger Essen produzieren, gleichzeitig wächst bis 2050 der Bedarf an Lebensmitteln um 50 Prozent. Damit wird die Kluft zwischen dem Angebot und der Nachfrage weiter wachsen und noch mehr Menschen auf der Erde werden hungern. Länder wie Indien oder Pakistan spüren das Problem der Bodenerosion ganz deutlich. Es ist kein Zufall, dass die übermäßige Nutzung der Böden, Erosion und Lebensmittelunsicherheit zu politischen Unruhen führen.

Die in diesem Tora-Abschnitt so suggestiv vorgestellte Warnung gibt uns zu verstehen, was passieren kann, wenn die Menschen das Land vernachlässigen. Die Folgen sind ziemlich erschreckend. Wir bekommen ein Bild des Unterganges eines Staats, des Hungers und der Verwüstung.

Die vorige Parascha, Behar, bestimmt: Man solle das Schabbatjahr, das Jubeljahr und den Schabbat einhalten. Es werden dort die Schmitta-Regeln aufgelistet. Die Parascha Bechukotaj beschreibt den Gewinn aus dem Schabbatjahr und konfrontiert uns mit den Konsequenzen der Vernachlässigung des Schabbat für das Land.

Der Wert dieses tausendend Jahre alten Textes ist nicht zu unterschätzen. Wir haben eine Verantwortung für das Land und die Umwelt. Zwar handelt es sich hier in erster Linie um das Gelobte Land, aber wir könnten sie auch als Beispiel des verantwortungsvollen Umgangs mit der ganzen Welt interpretieren.

In dieser Parascha bleibt die Verbindung zwischen Juden und G-tt unzertrennlich, die Verbindung zwischen uns und unserer Lebensgrundlage muss jedoch von uns gepflegt werden. Genauso wie wir den Schabbat als Erholungszeit respektieren, sollen wir die Erholungszeit für die Erde sichern. Wir sollen uns daran erinnern, dass die Erde nicht den Menschen gehört. Wir haben sie nur für eine bestimmte Zeit ausgeliehen und deswegen müssen wir sie pflegen.

Sie nicht zu achten bedeutet langfristig eine Verteuerung und Verknappung der Lebensmittel. Nicht fruchtbares Land wird von den Bauern verlassen. In den Ländern, in denen kaum mehr Landwirtschaft möglich ist, brechen Kriege aus. Das passierte z.B. im Südsudan oder in Darfur. Beide gehören zu den ärmsten Ländern in der Welt, die auf Landwirtschaft basieren. Der dortige Boden wird zu oft pausenlos genutzt (sowohl von Herden als auch von zu intensiver Landwirtschaft). Die Mangelerscheinungen der Böden und die Sahel-Dürre verursachen (ununterbrochen seit 1961), dass die Menschen hungern, ihre Lebensgrundlage verlieren, migrieren und den Konflikten ausgeliefert werden. Das ist zwar ein vereinfachtes Szenario, das aber leider immer wiederkehrt. Je weniger Ernährungssicherheit umso mehr Konflikte, die wir heute selbst in Europa immer näher an uns spüren. Auch die Flüchtlinge, die heute nach Europa einwandern, kommen oft aus den Regionen, in denen Klimawandel nicht nachhaltige Bewirtschaftung und Bodenerosion gravierende Folgen haben, sie nennt man heute Klimaflüchtlinge.

Lobenswert sind die Entwicklungsarbeit und das Engagement für die Lösung vieler Probleme der Agrikultur. Auch im Südsudan hat Israel vor, sich mit einem Bildungsprojekt zur Bekämpfung der Bodenerosion zu engagieren.

Sprich mit den Kindern:

  • Wie kannst Du den Kindern in den ärmeren Ländern helfen?
  • Kennst Du Geschichten von Flüchtlingen? Wie geht es dabei ihren Gleichaltrigen?
  • Weißt Du warum so viele Flüchtlinge gerade nach Europa kommen?
  • Was passiert, wenn der Boden keinen Ertrag mehr bringt?
  • Was kannst Du zu Hause machen, um die Erde zu pflegen? Weißt Du, was Cash- oder Money-Crops sind? Vor allem mit gut haltbaren Produkten, wie Cashewnüssen, Baumwolle, Kakao, Kaffee, Tabak, etc. lässt sich gut spekulieren. Sie werden deshalb intensiv angebaut, brauchen jedoch viel Wasser, laugen die Böden aus und werden sehr intensiv gepflanzt. Deswegen, verursachen sie Bodenerosion und führen zu vielen anderen Problemen.

Quellen:

Beziehungen zwischen Israel und dem Südsudan haben inzwischen einen eigenen Beitrag bei Wikipedia. Im Nachrichtenportal Israel 21 liest Du auch viel hier uns hier darüber.Die Verbindung zwischen Behar und Armut wurde sehr spannend von Rabbiner Sacks kommentiert.

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Yonatan Nerils Kommentar zur Parascha Behukotaj: „The Blessing of Rain“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.