Schawuot

Schawuot

Schawuot: Ein Fest für die Tora

Schawout ist die Zeit der Toraübergabe. Man nennt sie sman matan Torateinu. Wir essen traditionell milchige Produkte und Obst. In der Synagoge werden das Buch Ruth und die Zehn Gebote gelesen. Man feiert die Tora durch eine Nacht des Lernens, wir suchen für Euch die Umweltmotive in der Schawuot heraus.

Die Schöpfung

Die Tora fängt schon mit einer Geschichte an, die die Schönheit der Welt unterstreicht: Der Schöpfungsmythos und die Funktion des Menschen auf der Erde sind der Perfektion der Schöpfung gewidmet. Wir erfahren, dass Adam nur den Ertrag der Erde und Bäume (bis auf einen Baum) essen durfte. Ihm war es verboten, das Fleisch zu verzehren (Bereschit 1:29). Er sollte sich auch um die Schöpfung kümmern und sie auf gar keinem Fall zerstören. Am Schawuot danken wir dem Schöpfer für diese Schöpfung. Die Psalmen der Nummern 113 bis 118 werden an diesen Tagen gesungen. Sie unterstreichen die Bewunderung für die Erde, dies scheint ein wichtiger Punkt des Tages zu sein.

Wir sollen am Schawuot die Tora studieren, diese Studie heißt Tikunei leSchawuot. Die Tora bestimmt eindeutig unsere Beziehung zum Konsum. Wir dürfen (Bal Taschchit: Dwarim 20:19-20) nicht sinnlos verschwenden und zerstören. Das betrifft sowohl die Ressourcen als auch die Tiere. Heute schöpft die Menschheit fast alle Ressourcen aus, wir haben sie bisher verschwenderisch verwendet. Mit der Krise kommt allerdings die Erkenntnis, dass dies eine Sackgasse war. Diese bisherige Entwicklung wird sowohl unser Leben sowie das der kommenden Generationen bestimmen. Mit der Extraktion der Ressourcen geht beiläufig die Zerstörung der Artenvielfalt einher. Je mehr wir haben wollen, umso weniger Platz bleibt für Tiere und Pflanzen, denn die Minen, Gruben Plantagen, Ölplattformen und Monokulturen, die unsere Konsumbedürfnisse befriedigen, zerstören Land wie Wasser und damit den natürlichen Lebensraum für viele Arten. Alles, was wir laut Buch Bereschit schützen sollen, geht verloren. Dadurch werden auch wir nie erfahren, welche Heilmittel, besondere Tiere, Pflanzen oder Prozesse wir noch nicht entdecken konnten.

Bezug zu den Tieren

Die Tora spricht oft darüber, wie wir die Tiere behandeln sollen: Wir sollen uns um sie kümmern, ihnen Empathie entgegenbringen, wir sollen auch mit den Hungrigen der Welt teilen, die Schöpfung schützen und pflegen. Dies sollen wir uns während Schawuot als Priorität setzen. Wir sollen an diesem Feiertag die Kinder über die Tora lehren. Nutzen wir es als eine Gelegenheit über die Rechte der Tiere und Schöpfung zu sprechen. Denn die Kinder sind sehr aufnahmefähig und hier können wir am meisten gewinnen.

Am Schawuot werden in allen Synagogen die Zehn Gebote gelesen. Da lesen wir, dass Tiere in der Tora Rechte haben: auch sie sollen Schabbat feiern, d.h. sich am Schabbat erholen. Wenn wir diesen Aspekt, die Freizeit für die Tiere, ernst nehmen, hilft es, wenn wir symbolisch an diesem Tag weniger Tierprodukte essen.

Ernte und Bauern

Schawuot wird auch “Chag Hakatzir” (Erntefest) genannt. Auf diese Zeit fällt nämlich die erste Ernte in Israel. Sie und die ersten Früchte wurden dann vom Tempel ins Heiligtum getragen. In diesem Moment kam Ruth mit Naomi nach Betlehem: "Eines Tages sagte die Moabiterin Ruth zu Naomi: Ich möchte aufs Feld gehen und Ähren lesen, wo es mir jemand erlaubt. Sie antwortete ihr: Geh, Tochter!" (Megilat Ruth 2:2)

Ernte und die Wertschätzung der Nahrung, soll ein Teil unseres Alltags sein. Es wird uns einfacher fallen, wenn wir es schaffen, die Brachot zu sagen. Die Ernte und das Land waren im Zentrum des Lebens des alten Israels. Die Bauern hatten die Pflichten gegenüber den Armen und Fremden. Sie durften das Land nur für eine bestimmte Zeit besitzen, worüber die Rechte des Schmitta- Jahres und des Jowel-Jahres informieren.

Die Bauern sollen Pe’a die Ecken des Feldes wachsen lassen, sodass die Tiere und ärmeren Menschen auch etwas essen können. Dr. Schwarz bemerkt zu recht, dass 70% der Ernte als Tierfutter verwendet wird. Die Tiere werden dann gegessen. Das bedeutet, dass wir, je vegetarischer wir uns ernähren umso weniger Ressourcen verschwenden. Wir fügen den Tieren dadurch auch weniger Leiden zu. Wir sollen mehr regionale Bioprodukte kaufen, auch Milch, damit wir die kleineren Bauernhöfe, und nicht die Mega-Produzenten, unterstützen. Ein Bio-Käsekuchen aus der Region hilft allen, selbst symbolisch, in den Zeiten der Milchpreiskrise. Landwirt ist ein sehr wichtiger Beruf, denk immer daran, dass wir die Ergebnisse seiner Arbeit mehrmals am Tag zu uns nehmen. Zerstören wir die ökonomische und ökologische Basis der Landwirtschaft, so zerstören wir unsere Ernährungsgrundlage.

Das Buch Ruth setzt in dem Moment der Krise im gelobten Land ein. Es herrscht Hunger. Auch heute herrscht in vielen Regionen der Welt Hunger, u.a. weil der Großteil der Ernte als Tierfutter genutzt wird, statt erst einmal alle Menschen zu ernähren. Dazu kommen Spekulationen mit Nahrungspreisen. Auch der Bio-Sprit, der „Öko“ sein sollte, verursacht, dass das Land und die Nahrung zu teuren Waren werden, mit denen man spekulieren kann. Daher hungern trotz intensiver Produktion immer noch so viele Menschen weltweit. Es ist heute eine große Herausforderung, die Menschen vom Hunger zu befreien, denn dies ist ein recht großes Hindernis für Freiheit, Bildung und Menschenwürde.

Freiheit

Im Talmud wird Schawuot “Azeret” genannt. Dies bedeutet, dass Pessach abgeschlossen ist und die Ernte gesammelt werden darf. Während Pessach wurde die physische Befreiung gefeiert, und während der Toraübergabe wird die spirituelle Befreiung gefeiert. Nach der Omer-Zeit sollen wir dafür bereit sein, die Tora zu leben.

Mensch

Die Menschen sollen sowohl ihr Leben als auch ihre Gesundheit schützen. (Dwarim: 4-9, 4-15), Wir wissen inzwischen, dass ein Übermaß an Fleisch Herz und Gehirn und viele andere Organe in uns beansprucht. In der Tora lernen wir, dass wir sogar ein freies Jahr für die Erde gewähren müssen. Dies schützt uns z.B. vor der Bodenerosion.

Am Schawuot liest man in Megilat Ruth (Buch Ruth), dass eine der Eigenschaften von Ruth ihre Freundlichkeit und Güte war. Laut Dr. Schwarz ist auch bewusster Vegetarianismus ein Akt der Güte. Wir sollen mehr Essen und Ressourcen sparen oder mit anderen teilen. Es steckt sowohl Güte gegenüber den Tieren darin, die nicht unter den industriellen Fleischproduktionsbedingungen leiden müssen, als auch gegenüber den Hungernden, für die das bestehende Nahrungsangebot bei sinnvoller Verteilung dann ausreichen würde.

Im Talmud wird Schawuot als Tag des Gerichtes für die Bäume genannt. Es ist eine Pflicht, für sie zu beten. Aber dann werden viele von ihnen abgeholzt, wie weil wir ständig billige Klamotten, Möbel oder tonnenweise Papier brauchen. Auch die Fleischherstellung verursacht Abholzung, weil Weideflächen für immer mehr Rinder gebraucht werden. Bedenke dein Konsum- und Essverhalten. Besuche die Umweltfeste in deiner Region, dort werden dir viele engagierte Menschen erklären, welche Alternativen zu deinem Lebensstil bestehen.

Alle diese Motive, richtig eingesetzt, können aus deinem Schawuot etwas „mehr“ machen

  • Verleihe einen Mikrokredit an die Bauern aus dem Süden. Er hilft ihnen, weiter gut zu arbeiten.
  •  Kaufe Bio-Milchprodukte aus deiner Region. Vor allem die Zutaten für deinen Schawuot- Tisch sollen bio werden.
  • Besuche Umweltinitiativen aus deiner Region. Oft haben sie ein spannendes Bildungs-, Event- und Informationsangebot. Du kannst vieles wieder in die Gemeinde tragen.
  • Genieß Deinen Schabbat!
  • Gehe in die Synagoge und höre einen Schiur (Unterricht) an.
  • Gib einen Schiur, wenn dir ein Thema besonders am Herzen liegt.
  • Nach Schawuot soll man sich freier fühlen. Was ist für Dich das Gefühl von Freiheit?
  • Lehre die Kinder, was in der Tora über die Schöpfung und die Tiere steht.
  • Erzähle ihnen die Geschichte von Ruth.