Parascha der Woche: Bemidbar

Bamidbar

Bemidbar: In der Wüste
(Bemidbar 1:1 - 4:20)

Parascha auf einem Bein

In dieser Parascha sollen die Israeliten einen Zensus durchführen. Die Tora spricht von einer halben Million Männer über 20, die ein Gewehr tragen konnten. Der Stamm Levi wird getrennt gezählt, die Pflichten der Leviten werden aufgeschrieben, sie sollen im Heiligtum dienen. Jede Großfamilie des Stammes Levi wird eine bestimmte Aufgabe haben.

Erinnerst Du Dich noch daran, dass die Erstgeborenen G-tt gehören? Jetzt werden sie alle (außer Leviten) versammelt und gezählt. Die Leviten ersetzen sie und damit gehören sie ab jetzt G-tt. Jeder, zu dem kein Levi „gehört“, muss fünf Schekel „Lösegeld“ zahlen.

Das Wüsten-Heiligtum (Mischkan)  wird von den drei Großfamilien-Levi zerlegt und transportiert. Die Kohatiter tragen Gefäße, die Bundeslade, die Menora etc. Die Gerschoniter kümmern sich um die Teppiche und Dach-Bedeckungen und die Großfamilie-Merari ist für die Säulen und Wand-Paneelen zuständig.

Die Ordnung des Lagers wird beschrieben: Jeder Stamm und jede Großfamilie hat seinen oder ihren Platz. Die Familien von Moses und Aaron sowie der Stamm der Leviten leben direkt in der Nachbarschaft des Heiligtums. Weiter entfernt wohnen die zwölf restlichen Stämme. Jeder Stamm hat einen Leiter (Nasi), eine Flagge und Stammfarben.

Öko-Motiv

Bemidbar bedeutet auf Hebräisch „in der Wüste“. Manche englischen Quellen übersetzen den Namen als „in der Wildnis“. Die Wüste taucht häufig in der Tora auf, sie ist häufig die Kulisse biblischer Geschichten und Ereignisse. Im Bereschit (Genesis) wird Hagar (die zweite Frau von Abraham, neben Sara) in die Wüste verbannt. Die Wüste symbolisiert eine Todesstrafe, große Gefahr und Wassermangel. Aber im Buch Schemot (das zweite Buch der Tora) ist der gleiche Kontext ein Ort vieler positiver Ereignisse: Die Wüste wird zum Ort der Befreiung und der Tora-Übergabe, obwohl die Israeliten ständig am Wassermangel und anderen Widrigkeiten leiden. Moses unterliegt in der Wüste einer spirituellen Wandlung, von einem reichen Mann der im Luxus aufgewachsen ist, wird er zu einem geistigen Führer. Er lebt zunächst in der Wüste bei dem Stamm Jitros, wo er die Offenbarung erfährt. Der Ort dieses Ereignisses ist die Natur, die Wildnis und die Wüste.

Immer wenn Moses mit G-tt sprechen möchte, geht er in die Natur. Im Gespräch mit dem Pharao kommt folgende Situation vor: Moses zieht sich außerhalb der Stadt zurück „Wie ich aus der Stadt gehe, werde ich meine Hände ausbreiten zum Ewigen, der Donner wird aufhören und der Hagel ferner nicht sein, damit du erkennst, dass des Ewigen die Erde ist“ (Wajikra 9:29) und weiter „Und Moses ging hinweg vom Pharao, aus der Stadt, und breitete seine Hände aus zum Ewigen“ (Wajikra 9:33). Raschi (1040-1105) behauptet, dass die Ursache dafür die vielen Götzen in den ägyptischen Städten waren. Nur in der Isolation ist es ihm gelungen, mit G-tt zu sprechen. Rabbiner Bieler schreibt, es waren die Wüste und die Berge, die das richtige Ambiente für die Offenbarung waren. Ansonsten wären zuerst Moses und danach die Israeliten zu sehr abgelenkt.

In der Midrasch Bereschit Rabba lesen wir folgenden Kommentar dazu:

„Und der Ewige redete mit Mose in der Wüste Sinai.“ Von hier haben die Weisen gelernt, dass das Gesetz in drei Dingen gegeben wurde, in Feuer, in Wasser und in der Wüste; in Feuer, wie es heißt in der Wajikra 19:18: „ Der Berg Sinai stand ganz in Rauch“, in Wasser, wie es heißt im Buch der Richter. 5:4: „Auch die Himmel troffen, auch die Wolken troffen Wasser“, in der Wüste, wie es hier heißt: „Und der Ewige redete mit Mose in der Wüste Sinai.“ Warum wurde das Gesetz in diesen drei Dingen gegeben? Sowie diese umsonst für alle Weltbewohner sind, so sollen auch die Worte des Gesetzes umsonst sein, wie es heißt in Jesaja 55:1: „Auf! Alle Durstige, kommt zum Wasser!“ Oder „ Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai.“ Wer sich selbst nicht macht wie eine Wüste, welche frei gegeben ist, der kann nicht Weisheit und Tora (Gottesgelehrsamkeit) erwerben, darum heißt es hier: „in der Wüste Sinai.“ (Midrasch Bereschit Rabba: I.1,3)

Für die Weisen ist die Wüste ein Ort, wo sich jeder aufhalten kann. Die Wüste hat keinen Besitzer. Das Wort „besitzlos“ verknüpft diese Parascha mit der Parascha Behar. Dort wird es erwähnt, wenn über  Hefker (heb. הֶפְקֵר) gesprochen wird: in der Parascha Behar muss man auf das Eigentum verzichten. Man besitzt weder die Leute noch das Land, man hat nur das Recht in einer bestimmten Zeit die Früchte ihrer Arbeit und seinen Ertrag zu nutzen. 

Genauso wie die Wüste kann man die Tora nicht monopolisieren. Auf der seelischen Ebene geht es hier um eine spirituelle „Leere“ und Bescheidenheit. Die Wüste ermöglicht diese ursprüngliche Situation. Sie erinnert an die Welt vor der Schöpfung der Menschen. Eine spirituelle Person muss daher mindestens ein bisschen an die „Wüste“ erinnern. Jetzt vor dem Schawuot, vor dem Fest der Tora-Übergabe, sollen wir uns spirituell entleeren, so dass wir uns ausschließlich auf die Tora und den Tora-Unterricht konzentrieren können.

Es geht hier auch um Bescheidenheit, die offenbar eine der Voraussetzungen des Größeren und Perfekten ist. Moses war ein sehr bescheidener Mensch und er wird immer als Beispiel für Bescheidenheit genannt. Diese Charaktereigenschaft hat es ihm ermöglicht, G-tt in der Wüste zu hören. Es gibt in der Geschichte von Moses und dem Exodus eine Betonung der Bescheidenheit, bemerkt Rabbiner Bieler: der brennende Busch war klein, die Israeliten wurden von den Ägyptern klein gemacht, auch der Berg Sinai war der kleinste der Berge. Bescheidenheit und Selbstlosigkeit sind die Grundbedingungen der spirituellen Erfahrung. Gerade in unserer konsumorientierten Zeit ist es wichtig, sich immer wieder in die Natur zurückzuziehen, um die eigene geistige Seite zu erfahren.

Aktion

  • Im Geiste dieser Worte sollen wir so oft wie möglich die Natur auf die Art und Weise, die uns selbstlos und bescheiden macht, erleben.
  • Gibt es in Deiner Nähe einen Naturpark, ein Schutzgebiet oder Natur, die Du einfach genießen kannst?

Für die Eltern und Madrichim (Jugendgruppenleiter):

  • Vergiss nicht regelmäßig mit den Kindern in die Natur zu gehen!
  • Bringe den Kindern bei, die Natur zu schätzen und zu schützen. Dazu gehören einfache Sachen: keinen Müll im Wald zu lassen, nicht zu laut zu sein etc.
  • Bring den Kinder bei, die Tora immer mit Natur und Umweltschutz zu verbinden.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Jack Bielers  Kommentar zur Parascha Bemidbar: „Spiritual Lessons of the Desert“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.