Parascha der Woche: Beha'alotcha

Bahaalot.

Parascha Beha'alotcha
Bemidbar 8:1–12:16

Parascha auf einem Bein

Aaron setzt die sieben Menora-Lampen auf. Die Männer aus dem Stamm Levi werden rituell gereinigt  und fangen ihren Dienst im Heiligtum an.

Es kommt das zweite Pessach nach dem Auszug aus Ägypten. Nicht allen wird erlaubt, das Pessach-Opfer darzubringen, denn manche rituell unrein sind. Diese Gruppe fragt Moses, warum sie denn ausgeschlossen werden sollen. Für sie wird ein zweites Datum für das Pessach-Opfer, einen Monat später, hinzugefügt. Eine rituell reine Person, die nichts opfert, wird ebenfalls ausgeschlossen. Auch Fremde dürfen das Pessach-Opfer darbringen.

Die Israeliten verbrachten ein Jahr am Fuße des Berges Sinai. Jetzt beginnt die Zeit der Wanderung. G-tt gibt Moses eine Anleitung dafür, wie die Israeliten in der Wüste reisen sollen: Wann man anhält, wie lange man sich aufhält und wie man ein Lager aufschlägt. Wenn sich die Wolke über dem Heiligtum hebt, wandern die Israeliten, wenn sie anhält, ist es das Zeichen für eine Pause.

Die Hebräer sind unzufrieden, sie wollen zurück nach Ägypten. Vor allem können sie das Manna nicht mehr sehen und sehnen sich nach gutem, frischem Essen und nach ägyptischem Fisch. G-tt ist wütend und verbrennt einen Teil des Lagers. Moses besänftigt Gott, es wird aber trotzdem eine Strafe geben.

Moses soll 70 vertrauenswürdige, erfahrene Älteste ernennen, die ihm helfen, sein Volk zu leiten. G-tt wird den Israeliten viel Fleisch geben („Bis es euch durch die Nase herauskommt“ Bemidbar 11:20). Die Wachteln füllen das Lager. Viele von denen, die das versprochene Fleisch kosten, werden krank und sterben. Wir wissen nicht wie viele, aber der Ort wird „die Gräber des Gelüstes“ (Kiwrot HaTa‘awa) genannt.

Am Ende der Parascha kritisieren Aaron und Mirjam Moses für die Heirat mit einer Kuschitin. Miriam wird dafür bestraft. Sie erkrankt an Lepra. Ihr Bruder Moses betet, dass sie genest. Sieben Tage lang wird auf ihre Heilung gewartet.

Öko - Connection

Die Parascha Beha'alotcha ist sehr dramatisch. Sie fängt zwar sehr leicht und positiv an: Aaron leitet die rituelle Reinigung und Weihung der Leviten zum Tempeldienst. Er zündet die Lichter der Menora an. Licht und Reinheit sind die positiven Motive. Wenn alles schon geregelt zu sein scheint – das Heiligtum, die Ordnung des Lagers und sehr viele Mizwot (religiöse Pflichten) –, spielen sich in dieser Parascha zwei große Tragödien ab. Die Israeliten beschweren sich, was G-tt zornig macht. Darauf sterben sehr viele Menschen. Wir wissen gar nicht, wie groß die Zahl war. Die Prophetin Mirjam wird aufgrund ihres Streites mit Moses mit Lepra bestraft. Jon Greenberg interpretiert das als eine Katastrophe des neuentstandenen Volkes. Er bemerkt weiter, dass die Menora zweimal in Verbindung mit dem Tisch (Schulchan) für das heilige Zeigebrot (lechem panim) genannt wird. Zweimal (Schemot 26:35 und 40:22-25) erfahren wir, dass die Menora auf der Südseite des Mischkans (Wüstenheiligtums) und der Schulchan (Tisch) auf der Nordseite platziert werden soll.

„Den Tisch setzt du außerhalb des Vorhangs, den Leuchter dem Tisch gegenüber, nämlich an der Seitenwand der Wohnung auf der südlichen Seite. Den Tisch aber bringst du an die nördliche Seitenwand.“ (Schemot 26:35)

Zu dieser Zeit waren die Menschen in einer innigen Verbindung mit der Natur. Daher beziehen sich viele biblische Symbole auf die Zyklen der Natur. Die Kommentatoren aus dem Talmud assoziierten Süden mit Chamsin, mit dem trockenen, heißen Wind. Der nördliche Wind hingegen war feucht, regnerisch und kühl. Diese beiden Naturkräfte sind bis heute mit einer bestimmten Zeit verbunden. Das Wochenfest (Schawuot), das wir letzte Woche gefeiert haben, kommt nach 49 Omer-Tagen und wird manchmal Sefira-Zeit genannt. Die Zahlen heißen auf Hebräisch Sefirot. Im ersten Teil dieser Zeit, Sefirot, weht der Nordwind. Das dokumentiert auch der Talmud-Traktat Baba Batra 147a. Dieser hilft dem Weizen zu wachsen. Für die Oliven ist hingegen die Sonne in dieser Zeit sehr wichtig. Wenn es zu viel Regen zu Schawuot gibt, ist die Olivenernte schlecht, und der Weizen geht kaputt. Der Regen verscheucht die Bienen, die die Olivenblüten nicht bestäuben können. Zu viel Sonne bedeutet hingegen Trockenheit. Das System muss in Balance bleiben, die in diesem Monat besonders wichtig ist.

Die Tatsache, dass der Schulchan und die Menora in verschiedenen Ecken des Heiligtums stehen, ist eine Erinnerung für uns, dass nur G-tt über die Regen- und Trockenzeit bestimmen kann. Wenn jemand versucht, diese Kräfte durch Polytheismus oder sogar Wissenschaft zu trennen und sie zu manipulieren, widerstrebt er G-tt. Wir sind nicht die Kraft, die die ganze Ordnung regiert.

„Am Ausgang des Hüttenfestes schauten alle nach dem Rauch des Altars; neigte er sich nach Norden, so waren die Armen froh und die Besitzenden traurig, weil dies ein regnerisches Jahr bedeutete, wodurch die Früchte faulen; neigte er sich nach Süden, so waren die Armen traurig und die Besitzenden froh, weil dies ein Jahr mäßigen Regens bedeutete, in dem die Früchte sich verwahren lassen. Neigte er sich nach Osten, so waren alle froh, und wenn nach Westen, so waren alle traurig. Ich will auf einen Wiederspruch hinweisen: Der östliche Wind ist immer gut, der westliche ist immer schlecht, der nördlichen ist dem bis zu einem Drittel herangewachsenen Weizen dienlich und den in der Blüte befindlichen Oliven schädlich, und der südliche ist dem bis zu einem Drittel heranwachsenden Weizen schädlich und den in der Blüte befindlichen Oliven dienlich. Hierzu sagte Rabbi Joseph, nach anderen, Mar Zutra, nach anderen Rabbin Nachman ben Jizchak: als Merzzeichen diene dir folgendes: der Tisch stand nördlich und die Leuchte südlich; die eine Seite macht das ihrige gedeihen und die andere die ihrige. Das ist kein Wiederspruch, das eine gilt für uns, das andere für sie.

Es wird gelehrt: Abba Saul sagte: Wenn der erste Tag des Versammlungsfestes klar ist, so ist dies ein gutes Zeichen für das ganze Jahr. Rabbi Zebit sagte: Wenn der erste Tag des Neujahrfestes war ist, so ist das ganze Jahr warm, und wenn er kalt ist, so ist das ganze Jahr kalt. In welcher Beziehung ist dies von Bedeutung? Bezüglich des Gebets des Hohepriesters.“ (Talmud Baba Batra 147 a)

Der nördliche Wind ist dem Olivenbaum bis zur Blüte schädlich; der südliche ist dem Weizen im ersten Drittel des Wachstums schädlich und den in der Blüte befindlichen Oliven zuträglich (…) Als Merkzeichen diene dir folgendes: der Tisch nördlich und die Leuchte südlich; die eine Seite macht das ihrige gedeihen und die andere das ihrige.“ (Talmud Baba Batra 147a) Viele Naturphänomene haben zwei Seiten. Mache Dir bewusst, was Dich stört, aber für anderes ist. Wenn Du genervt bist, weil Du einregnest, so brauchen die Pflanzen den Regen. Wenn Dich Spinnen stören, so bedenke, dass sie Mücken fangen.

Weiter in der Parascha finden wir eine Geschichte der unerfüllten Begierde. Die Israeliten wollen Fleisch essen, und sie wollen unbedingt viel davon haben. Sie wollen zurück zu ihrer ägyptischen Kost. Im Grunde war wahrscheinlich nicht die Sehnsucht nach Fleisch das Hauptproblem, sondern die  Gier und die damit verbundene Rücksichtslosigkeit gegenüber G-ttes Schöpfung, und das hat die Strafe verursacht.

Raschi (1040-1105) glaubte (Talmud Joma 75a), dass die Israeliten sich nicht wegen des Essens beschwert haben, es waren eher die Mizwot und die neue Lebensform, die sie irritierten. Sie wollten zurück nach Ägypten, da dort eben keine Regeln vorhanden waren. Sie wollten mehr haben, wohlhabender und reicher werden, und gerade dafür haben sie zu inständig gebetet. Sie waren wie die heutigen Konsumenten, sie wollten mehr und mehr, ein Verlangen ohne Sättigung. Die Tora schreibt hit’awu ta’awa — „sie gierten voller Begierde“ (Bemidbar 11:4).

Moses fragt G-tt, wie er die Israeliten sättigen soll, es müssten doch so viele Tiere für alle Menschen getötet werden. G-tt schickte unzählige Wachteln ins Lager. Dieser ganze Vogelschwarm wurde gefangen und gegessen, nur um die Begierde zu sättigen. Die Israeliten haben gegessen und gejagt, bis sie die Zerstörung auf sich gezogen haben. Wir sollen diesen furchtbaren Ort (Kiwrot HaTa‘awa) in uns selbst vermeiden. Hyperkonsum gehört nicht zum Heiligtum, denn das Heiligtum ehrt das Leben mit dem Bewusstsein, dass Ressourcen nicht unbegrenzt sind. Die Sprüche der Väter erinnern uns daran: „Wer ist reich? Der sich bescheidet.” (Pirke Awot 4:1). Behalte im Kopf, dass der grenzenlose Konsum keine Begründung in der Tora findet und keinen Zuspruch bekommt.

Aktion für Beha‘alotcha

  • Entscheide, was für Dich wichtig ist, und fang an zu sparen.
  • Mache wegen des Shopping-Rausches kein Minus auf dem Konto.
  • Verwende deine Sachen, bis sie wirklich kaputt sind.
  • Iss an diesem Schabbat weniger Fleisch zur Erinnerung an die Episode mit den Wachteln.
  • Spare! Versuche, jeden Monat ein wenig Geld beiseite zu legen.
  • Es ist Sommer. Versuche, zur Arbeit, zur Uni und zur Schule mit dem Fahrrad zu fahren.
  • Kaufe keine kurzlebigen Sachen.
  • Bring Dir Dein Essen zur Arbeit mit.
  • Kaufe keine teuren Snacks.

Quellen

Dieser Artikel wurde von Evonne Marzouks Kommentar zur Parascha Nasso: „Learning from our Mistakes“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.