Korach

Korach

Korach (Bemidbar 16:1-18:32)

Die Parascha auf einem Bein

Korach zettelt einen Widerstand gegen Moses und Aaron an. Er wird zum großen Feind der beiden Brüder, die das Volk Israel führen. Er organisiert eine Gruppe, der sich insgesamt 250 Männer anschließen. Sie sind bedeutende Gemeinschaftsmitglieder, die alle dem Stamm Levi angehören. Sie alle werden von G-tt von Israel abgesondert und mit allen ihren Gütern und Familienmitgliedern von Erde und Feuer verschlungen.

Danach bricht eine Plage aus, die durch Aarons Opfer schnell endet. Aarons Stab treibt Blüten und bring danach Mandeln hervor. Dies ist ein Beweis dafür, dass Aaron der von G-tt auserwählte Hohepriester ist.

Die Parscha endet mit einer Beschreibung der Opfer: die Erstlinge der Früchte, ein Teil des Getreides, Öles und Weines, die Erstgeborenen der Rinder und Schafe gehören den Priestern.

Öko-Motive Kadosch und Keduscha

Korach war ein Levit. Der Streit, den er mit Moses und Aaron führte, betraf Keduscha – die Heiligkeit. Die Leviten werfen den beiden Brüdern folgendes vor: „Ihr maßt euch zu viel an! Die ganze Gemeinde besteht aus lauter Heiligen, denn der Ewige ist unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Ewigen?“ (Bamidbar 16:3). Mit anderen Worten ging es darum, wer jetzt heiliger sei: sind alle Leviten heilig oder haben Moses und Aaron mehr Befugnisse. G-tt muss entscheiden, wie Recht hat-

Keduscha ist eines der zentralen Konzepte des Judentums. Kadosch bedeutet auf Hebräisch sowohl „heilig“, als auch „eine Widmung den edlen Idealen“. Korach war der Meinung, dass die ganze Gemeinde bereits heilig - kadosch - ist, nicht nur Moses und Aaron oder die Hohepriester.. Es mag harmlos klingen, aber Korach hatte einen falschen Anspruch. Wir sollen die Keduscha (die Heiligkeit) als unser Ziel setzen. Um diesen Zustand zu erreichen, sind viele Regeln und Bedingungen zu erfüllen. Wir sind nicht von Anfang an kadosch, das wäre selbstgefällig. Die Voraussetzung, die Leviten seien von Geburt an heilig, schließt jegliche Entwicklung und jegliches Streben nach Heiligkeit aus, und deswegen, laut Rabbiner Yehoschua Levi, verschwand Korach von der Erde.

Rabbiner Yehuda Levi erinnert an ein Midrasch, den Ramban (Rabbi Mosche ben Nachman Gerondi 1194-1270) für seinen Kommentar zum Buch Levitikus (Wajikra) nutzt. Keduscha ist der Grundstein der Tora, dieser Begriff hat aber einen ganz bestimmten Inhalt, dazu gehören die koschere Ernährung und das Meiden der von der Tora verbotenen Beziehungen. Demzufolge denken viele, es reiche aus, sich darum zu kümmern, dass man z.B. koscher isst, betet, Kippa trägt und Schabbat hält. Dabei müssten wir weder auf die Menge noch auf die Qualität achten. Da wir in der Tora kein Wort über übermäßiges Einkaufen finden, dürfen wir shoppen, nur nicht am Schabbes. Ramban meint jedoch, dass derjenige, der die Ressourcen ausnutzt, ohne die Grenzen zu beachten, als nawal bereschut haTora, als eine böse Person in der Begrifflichkeit der Tora („an evil person within the delineations of the Torah.“) gilt. Wir müssen aber die Grenzen des Genießens anerkennen und beachten. Wir müssen darauf achten, dass unser Konsum nicht exzessiv wird egal ob es um das Essen oder um das Leben im Allgemeinen geht. Übermäßiger Konsum, selbst wenn es um die erlaubten Güter geht, ist laut unseren Weisen und der Tora nicht zulässig.

Korach meinte hingegen, dass er und die Leviten keine Grenzen brauchen. Die Weisen des Talmuds bemerkten, dass Korach ein sehr wichtiger, reicher und arroganter Mann war (Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 110a). Er dachte, alle Juden seien heilig, ohne dafür etwas tun zu müssen, und er als reicher Mann habe einen selbstverständlichen Anspruch auf Macht. G-tt hat ihn allerdings mit seinem ganzen Besitz vernichtet („Sie sanken nämlich samt allem Ihrigen lebendig in die Gruft“ Bemidbar 16:33). Der Reichtum kann ein wunderbares Werkzeug sein, Geld helfe einer Person, auf den Füßen zu stehen, Geld gibt uns Macht und wir können effektiv handeln. Es ist definitiv besser, ausreichend Mittel zur Hand zu haben als arm zu sein. Wenn wir sie aber nicht richtig nutzen, können wir mit ihnen sogar die Welt zerstören. Dieses ist der Grundstein jedes modernen Umweltkonzeptes. Die Zunahme der Weltbevölkerung ist hier zwar eine sehr große Herausforderung, aber heute wissen wir, dass es eher die wenigen Menschen aus den reichsten Ländern sind, deren Hyperkonsum die größten Probleme verursacht. Die Menschen aus reichen Ländern haben global mehr Einfluss auf die Umwelt als die Menschen aus Entwicklungsändern. Deutschland verbraucht genauso viel Papier wie ganz Afrika. Nordamerika und Europa verbrauchen genauso viel Energie wie China und fast die Hälfte der weltweit hergestellten Energie. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch braucht man 16 Kilogramm Weizen oder Soja als Futtermittel. Dabei haben die Menschen in vielen Regionen gar keine Nahrung, geschweige denn Fleisch. Es wäre eine populistische Aussage, anzunehmen, dass dieses Papier, der Weizen oder die Energie einfach den anderen gegeben werden sollen. Diese Zahlen zeigen nur, wie weit die Länder beim Konsum voneinander entfernt sind und dass wir über die Verhältnisse leben.

Wir kennen diese Zahlen, trotzdem sind die meisten Menschen nicht daran interessiert, weniger zu konsumieren. Korachs Geschichte zeigt, dass der Kern des Problems die egoistische Weltanschauung ist. Die Welt und die Schöpfung sollen von allen Menschen genossen werden, aber ohne Beschränkungen und Regeln wird eine solche Einstellung zu einer Katastrophe führen, darauf weist schon die Geschichte über Adam und Eva hin. Die Tora ist dagegen voller unterschiedlicher Regeln, vor allem, dass wir kadosch werden sollen. Bei jeder Aktion, beim Essen, Duschen oder Einkaufen sollten wir uns fragen, ob wir damit die Schöpfung bewahren oder zerstören. Wir können und sollen Entscheidungen treffen. Jede Aktion trägt potentiell zum Zustand der Keduscha bei. Wenn wir diese Einstellung den nächsten Generationen beibringen, werden wir auch nicht alles ständig regulieren und einschränken müssen.
Aktion:

  • Versuche einen Tag in der Woche zu wählen und daraus eine Art von Tikkum Olam Tag zu machen. Freitag wäre perfekt dafür, da es der Tag der Schabbatvorbereitung ist.
  • Versuche, diesen Tag zu verbringen, ohne irgendetwas wegzuwerfen.
  • Checke Deine Schabbat- Einkaufsliste. Versuche, für diesen Tag qualitativ gute Sachen zu verwenden, also kein Einweggeschirr sondern die besten Erbstücke. Wenn du die nicht hast, versuche qualitativ besseres Geschirr zu kaufen.
  • Versuche, die Segenssprüche der Dankbarkeit öfter zu sagen. Am Schabbat macht man dies fast automatisch, denn die Bracha über Wein und Brot wird immer gesagt.
  • Führe das Experiment durch, wie es wäre, sieben Schabbatot so zu verbringen.
  • Kaufe lokales Obst und Gemüse, sie sind immer koscher, und so hast du die geringsten CO2- Emissionen.
  • Versuche, den Kindern zu erklären, warum du manche Produkte meiden und warum sie kein Essen wegwerfen sollen.

Quellen

Dieser Artikel wurde von Yehudah Levis Kommentar zur Parascha: “Korah becoming holy” inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.