Chukat

Chukat

Parascha Chukat
(Bemidbar 19:1–22:1)

Parascha auf einem Bein 

Es werden die Gesetze der roten Kuh offenbart. Jemand, der rituell unrein ist, kann sich durch die Asche der roten Kuh reinigen.

Während der Wanderung erreichen die Israeliten die Wüste Zin, wo die Prophetin Miriam stirbt. Die Tora spricht gleichzeitig darüber, dass es kein Trinkwasser gibt. Moses und Aaron sprechen mit G-tt, der sagt, sie sollen zu dem Felsen sprechen, und er wird zu einer Wasserquelle werden. Im Lager verstärkt sich der Aufstand gegen die Brüder. Moses ist sehr verärgert und schlägt den Felsen wütend mit seinem Stab. Das Wasser springt heraus, aber G-tt sagt Moses und Aaron, dass die beiden das Land Israel nicht betreten werden, weil sie seinen Worten nicht geglaubt haben.

Die Edomiter lassen die Israeliten nicht durch ihr Land, und sie müssen einen Umweg nehmen. Aaron stirbt auf dem Berg Hor, und sein Sohn Elasar wird zum Hohepriester.

Es wird über den weiteren Aufstand gesprochen. Das Volk ist wieder unzufrieden. G-tt schickt giftige Schlangen, die das hebräische Lager angreifen. Moses soll eine Kupferschlange an einem Stab befestigen; jeder, der auf sie schaut, wird nicht sterben. Es wird ein Lied von dem Volk gesungen, das den wundersam entstandenen Brunnen ehrt („Brunnen, lass das Wasser fließen; singend wollen wir’s begrüßen“ Bemidbar 21:17).

Es kommt zu einer Schlacht mit den Amoritern,  die die Israeliten ebenfalls nicht durch ihr Territorium wandern lassen. Auch das Land Baschem wird von den Israeliten erobert.

Interessante Fakten:

  • Schon die Parascha Beha‘alotcha hat über Wasser und Wunder gesprochen.
  • Aaron stirbt im 40. Jahr der Wanderung, das wissen wir aus der Parascha Matot (Bemidbar 33:38). Die Tora macht damit einen Sprung, es sind 38 oder 39 Jahre zwischen Korach und Chukat vergangen. Auch Raschi schreibt darüber (Tanaait 9a).

Der ökologische Hintergrund der Parascha

Vierzig Jahre nach der Geschichte Korachs rebellieren die Israeliten. Es gibt immer das gleiche Essen und kein Wasser zum Trinken (Bemidbar 20:5). Moses schlägt den Felsen, statt zu ihm zu sprechen, wie es G-tt geboten hat, und er verschließt sich damit den Weg ins Gelobte Land.

Es ist nicht die erste Parascha, in der das Wasser eine zentrale Rolle spielt. Bereits in der Beha‘alotcha war es ein Thema, und es kamen dort ähnliche Wunder vor. Moses hat auch einen Felsen geschlagen, und es floss Wasser daraus. Vierzig Jahre später kommt eine ähnliche Situation vor.

Das Wasser spielt in der Tora eine sehr wichtige Rolle. In der Parascha Chukat wird Maim (Wasser auf Hebräisch) 20 Mal genannt. Außer der Geschichte mit dem Felsen, spielt die Beschreibung des rituellen Reinigungswassers eine wichtige Rolle. Als Miriam stirbt, trocknet eine Wasserquelle aus. Laut einer berühmten Midrasch war es „Miriams Brunnen“, der Israel während der vierzig Jahre der Wanderung mit Wasser versorgte. Wasser kommt auch vor, wenn Moses das Land der Edomiter überqueren möchte. Damals haben die Israeliten angeboten, während der Überquerung das Wasser von den Edomitern zu kaufen. In der Parascha kommt auch ein Lob-Lied auf das Wasser vor. Wasser zu schätzen, ist unsere Aufgabe, vielleicht ist es die wichtigste Lektion, die wir aus diesem Tora-Abschnitt lernen.

Fast die ganze Tora spielt (außer der Geschichte über die Sintflut) in einer Umgebung, in der das Wasser sehr selten ist. Ein Brunnen war etwas Besonderes. Es war ein Ort, um den es Konflikte gab. Man musste immer nach einem Brunnen suchen. Das Wasser musste transportiert werden. Jedem war die Abhängigkeit vom Wasser sehr bewusst. Viele Situationen in der Tora haben Wasser im Hintergrund. Viele jüdische Rituale sind mit Wasser verbunden. Zum Beispiel braucht man für die rituelle Reinigung des ganzen Körpers eine Mikwa. Das Wasser in der Mikwa muss aus natürlichen Quellen wie Regen, Fluss oder See stammen. Wir waschen uns die Hände auf bestimmte Weise (Netlilat Jadaim), nachdem wir aufgestanden sind, und vor dem Brotessen. Bevor wir Wasser trinken, sollen wir immer einen Segensspruch sagen, wobei Wasser keinen besonderen Status hat, im Gegensatz zu Wein oder anderem Essen. Es ist ein Zeichen, dass Wasser immer von jedem konsumiert werden kann. Dass aus Wasser eine Ware gemacht wird, passiert in der Tora selten, nur einmal, als man das Land Edom durchqueren wollte.

Im Gegensatz zu den Israeliten merken wir heute fast überhaupt nicht, woher das Wasser eigentlich kommt. Wir sind für Wasser nicht „dankbar“. Gleichzeitig ist die Dankbarkeit eine Bedingung der Wertschätzung. Heute handelt man mit Wasser und privatisiert es. Es wird erst dann geschätzt, wenn es zu einer teuren Ware wird, wie abgefülltes Trinkwasser, oder wenn wir die Wasserrechnung zahlen müssen. In der Parascha Chukat ist das Wasser etwas Heiliges. Wasser ist heute genauso wie damals unsere Lebensquelle, und wir sind immer noch davon abhängig.

Damals, in der Zeit der Wüstenwanderung, war die Wasserversorgung ein Teil der Alltagsarbeit. Wasser zu entdecken, zu transportieren, waren wichtige Aufgaben. Auch die Angst, dass das Wasser ausgeht, war den Menschen nicht fremd. Hierzulande hören wir sehr selten von Wasserknappheit. In Deutschland müssen wir das Wasser nicht direkt sparen. Das meiste Wasser verbrauchen wir durch den Konsum der verschiedenen Waren, deren Produktion wasserintensiv ist. Vor allem diese sollten wir vermeiden. Oft werden unsere Sachen in Ländern produziert, in denen Wasser knapp ist. Dafür werden Chemikalien benutzt, die das Wasser stark vergiften. Vergiss nicht, dass eine Tasse Kaffee ca. 140 Liter Wasser bei  der Herstellung verbraucht. Um  sich alle diese Zusammenhänge bildlich vorzustellen, wurde das Konzept des virtuellen Wassers entworfen.

Um es genau zu sehen, kannst Du hier schauen:

http://virtualwater.eu/
http://virtuelles-wasser.de/

Diese Zusammenhänge sind definitiv besser zu verstehen, wenn man sich die Bilder anschaut. Statt zu geizig mit dem Leitungswasser umzugehen, sollen wir aber durchaus mehr davon trinken. Was zu begrenzen ist, ist vor allem das Shoppen, fleischhaltige Kost, zu viel Autofahren sowie der Konsum von  Wasser aus Plastikflaschen.

Jonathan Neril glaubt, dass jedes Umweltproblem im Grunde ein spirituelles Problem ist, dessen Kern im Mangel an Achtung vor der Natur liegt. Selbst wenn wir sparen und recyclen, sind wir immer noch sehr weit von einer nachhaltigen Lösung entfernt, denn spirituelle Probleme brauchen spirituelle Lösungen. In diesem Fall ist die Lehre aus der Tora eindeutig. Jede Ressource soll geschützt werden. Wir sollen uns dafür einsetzen, dass die Erde aufblüht und nicht zerstört wird. Wir haben in diesem Bereich sehr viel nachzuholen. In Bezug auf den Umweltschutz können wir aus den Wörtern des Rabbi Tryphon lernen: “Kurz ist der Tag, und ist viel der Arbeit. Träge sind die Arbeiter, und hoch ist der Lohn. Und der Meister drängt.” (Pirkei Avot 2:20). Stelle die Verbindung mit der Natur wieder her, lass die Bewunderung Dich wieder mit der Natur verbinden!

Aktion:

  1. Verbinde Dich mit dem Wasser. Es ist Sommer, jedes natürliche Wasserreservoir ist eine Mikwa. Gehe und bade in natürlichen Gewässern. Erlebe Wasser!
  2. Gehe in die Natur und höre dem Klang des Wassers, dem Rauschen der Bäche und Wellen zu.
  3. Überprüfe virtuell Deinen Wasserverbrauch: http://www.watercalculator.org/ Meide Produkte, deren Herstellung wasserintensiv ist.
  4. Bevor Du Wasser trinkst, sprich den Segensspruch. Wusstest Du, dass das Wort Baruch (gelobt) mit dem Wort Bereicha (ein Becken) verwandt ist?
  5. Mache das nächste Netilat Jadaim (das Ritual des Händewaschens für die rituelle Sauberkeit in der Frühe und bevor man Brot isst) sehr achtsam und bewusst.
  6. Spare Wasser in Deinem Haushalt.
  7. Gehe vor dem Schabbat in die Mikwa. Das Eintauchen ins Wasser kann wirklich faszinierend sein.
  8. Schau, wie viel Wasser Dein Haushalt verbraucht. Sei dankbar, dass Du dieses Wasser hast.
  9. Versuche, starke Chemikalien aus Deinem Haushalt zu verbannen. Meide alles, was das Wasser unnötig vergiftet.
  10. Besuche Israel und erfahre, wie man dort mit Wasser umgeht. Ein Tipp: Wenn wir in Israel sind, sollen wir nach wie vor sehr sorgsam mit Wasser umgehen. Das gleiche gilt übrigens für alle Ferien im Süden Europas. Jedes Mal, wenn wir dahin reisen, sollen wir Wasser sparen. Merke, wie die Israelis mit Wasser umgehen: Die Sachen werden sehr sparsam gewaschen. Israel ist sehr stolz auf sein System der Wasseraufbereitung.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Yonatan Nerils Kommentar zur Parascha Chukat: „Water Consciousness” inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.
Die Zeit „Wasserversorgung

 

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