Matot-Masej

Matot Masej

Parascha in Kürze

Die Parascha Matot-Massej befindent sich im Buch Bemidbar 30:2–36:13

Matot

  • Moses berichtet über die Schwurgesetze.
  • Es gibt einen Kampf mit den Midianitern. Sie (die Midianiter) haben einen sehr schlechten Einfluss auf die Israeliten, die sich dem Götzendienst zuwenden. In der Parascha Matot bekämpfen die Israeliten die Midianiter. Sie töten nicht nur die Männer, sondern auch alle Frauen und männlichen Kinder.
  • Die Stämme Ruben (Rubeniten) und Gad (Gadaiten) (auch der Stamm Menasse schließt sich an) bitten darum, das Land östlich des Flusses Jordan zu bekommen. Denn es war ein sehr gutes Weideland. Moses ist darüber verärgert. Sie dürfen es zwar bekommen, aber sie müssen zuerst das Land westlich des Jordans erobern.

Masej

  • Die 42 Wanderungen der Israeliten seit der Zeit des Exodus werden aufgezählt.
  • Es wird besprochen, wie Kanaan unter den 9 1/2 Stämmen aufgeteilt werden soll, und was zu tun ist, wenn die Israeliten es betreten. Die Grenzen von Kanaan werden beschrieben.
  • Es folgt eine Regelung über die Grünflächen in den Städten der Leviten.
  • Es gibt ein Gesetz über die Städte, in die man sich zurückziehen kann, wenn man jemanden aus Versehen getötet hat. Dabei werden die Gesetze über Mord und fahrlässige Tötung definiert.

Quellen zum Lesen:

„Gebiete den Kindern Israels, dass sie von ihrem Erbbesitztum den Leviten Städte geben, in denen sie wohnen können; dazu sollt ihr den Leviten auch einen Weideplatz rings um die Städte geben, damit sie in den Städten wohnen und auf den Weideplätzen ihr Vieh, ihre Habe und alle ihre Tiere haben können! Die Weideplätze der Städte aber, die ihr den Leviten geben sollt, sollen sich von der Stadtmauer nach außen hin 1 000 Ellen weit ringsum erstrecken. So sollt ihr nun außen vor der Stadt an der Seite gegen Osten 2 000 Ellen messen und an der Seite gegen Süden 2 000 Ellen und an der Seite gegen Westen 2 000 Ellen und an der Seite gegen Norden 2 000 Ellen, so dass die Stadt in der Mitte liegt. Das sollen ihre Weideplätze sein.“ (Bemidbar 35:2,3-8)

Migrasch: Jew and the city

Laut der Tora sollten die Leviten in 48 Städten des Landes Kanaan wohnen. Als einziger Stamm Israels hatten sie kein Land. Die Städte waren nach einem Plan organisiert: Jede Stadt sollte über eine freie Fläche von 1000x2000 Ellen (ca. 1 Quadratkilometer, denn eine Elle war ca. 45 cm lang) verfügen. Eine Grünfläche heißt auf Hebräisch „Migrasch“. Damals  bedeutete dieses Wort  „gemeinsames, offenes Land“.

Sehr wahrscheinlich waren es sogar zwei freie Flächen: die eine außerhalb und die andere innerhalb der Stadt. Sforno (1475 – 1550) schrieb in seinem Kommentar, dass das den Städtern erlaubte, Bienenstöcke zu haben und Tauben zu halten. Warum will die Tora unbedingt diesen grünen Gürtel um die Stadt haben? Wahrscheinlich aus praktischen Gründen. Die Leviten hatten zwar kein eigenes Land, aber sie hatten Rinder. Deswegen sollten sie auch ein wenig Weidefläche zur Verfügung haben. Sehr wahrscheinlich gab es zwei Typen von Grünflächen: Die Fläche innerhalb der Stadt sollte verschönern, und der äußere Gürtel war für die Landwirtschaft nutzbar (Talmud Baba Batra 24b und Arachin 33b).

Jede Stadt bestand aus drei Zonen: aus der bebauten Fläche (Wohnen und Arbeiten), dem Park (Erholung) und dem Feld (Landwirtschaft). In der Tora ist der Migrasch nur in den levitischen Städten Pflicht. Für Maimonides (1135 - 1204) galt diese Regel für jede jüdische Stadt (Maimonides, Zeraim Holchos Schmitta V’Yovel 13:5).

Mehr als 2000 Jahre lang gab es keine jüdischen Städte. Daher wurden alle Rechte und Regeln bezüglich der Landwirtschaft und Stadtplanung vergessen. Seit dem Beginn der jüdischen Migration nach Palästina sind einige landwirtschaftliche Regeln wieder umgesetzt worden. Schmitta und Jubeljahr, Pe’a (Wajikra 19:10) und die Orla (Regel über die drei ersten Jahre der Fruchtbäume) sind heute sehr gut bekannt. Rabbinische Autoritäten in Israel sprechen darüber, wie man sie in die Praxis umsetzt. Der Migrasch aber, schreibt Jon Greenberg, ist noch kein Thema.

Rabbiner Hirsch hat über den Migrasch geschrieben und diese Mitzwa als eine Verbindung zwischen urbanem Leben und Natur gesehen. Es ist ein Entwurf einer Gesellschaft, in der sich die städtische Bevölkerung für die Landwirtschaft engagiert. Heute ist das Thema höchst aktuell: In unserer Gesellschaft haben wir kaum Kontakt mit der Landwirtschaft. Wir arbeiten als Angestellte, Dienstleister oder Unternehmer. Die meisten Menschen wohnen heute in den Städten. Große Metropolen wie Berlin, London oder New York sind der Traum vieler junger Menschen, darunter vieler junger Juden. Trotz unserer ehrgeizigen Karrierepläne brauchen wir mehr Kontakt mit der Natur. In einer ruhigen, grünen Umgebung zu wohnen, ist wichtig für die Seele. Wir alle, nicht nur die Leviten, brauchen das, und das wussten auch die Autoren des Talmuds.

Offen bleibt, wie genau man dies heute umsetzt. In Israel leben über acht Millionen Menschen und noch mehr wollen dort eine Wohnung haben. Viele Städte sind teuer und überfüllt. Auf der ganzen Welt gibt es fast 7 Milliarden Menschen. Deswegen brauchen wir neue Stadtentwürfe und Ideen, wie wir leben wollen. Man sollte die Großstadtbildung vermeiden und in den Städten einen angemessenen Anteil an Grünflächen planen.

Grün und urban, ein Traum von der modernen Stadt

Eine Idee, die Ende des 19. Jhts. populär war, war das „Garden city movement”, das 1898 von Sir Ebenezer Howard in Großbritannien ins Leben gerufen wurde. Howard ließ sich vom Konzept des Migrasch inspirieren. Nach seiner Vorstellung sollte eine Gartenstadt eine Gemeinschaft sein, die sich zum Teil auch selbst versorgen kann. Sie war von einem grünen Gürtel umgeben und hatte einen Teil, in dem Handel betrieben wurde, einen Teil für die Landwirtschaft, Erholung und das Wohnen. Howard hat zwei solche Städte in England gegründet, die bis heute bestehen.

Sir Patric Geddes, der Architekt von Tel Aviv, war von  Howards Idee angetan. Be’er Scheva war auch eine Gartenstadt. Leider hat sich bald erwiesen, dass eine Gartenstadt nach diesem Modell in diesem Klima, in der Wüste Negev, ziemlich unpraktisch ist. Außerdem füllten sich die Nachbarschaften schnell mit Menschen, so dass das Konzept der Gartenstadt leider verworfen werden musste. Viele Gartenstadt-Projekte weltweit sind bis heute funktional und sehr beliebt.

Zwar nutzt man die Idee des Migrasch oder der Gartenstadt nicht mehr genau nach dem biblischen Vorbild für die Stadtplanung, aber wir alle können vom Geist dieser Parascha profitieren.

Aufhebung  der Trennung zwischen dem modernen Leben und der Landwirtschaft

Je mehr wir über die Natur wissen, desto aktiver kämpfen wir gegen ihre Zerstörung. Die Bauern sind diejenigen, die die Zerstörung der Böden oft früh genug erkennen. Eine vollkommene Trennung von der Landwirtschaft hat zur Folge, dass wir keinen Einfluss auf sie haben, obwohl wirr von ihr abhängig sind. Deswegen muss die Trennungslinie zwischen Urbanem und Landwirtschaftlichem wieder überwunden werden.

Das gilt auch für die Herstellung vieler anderer Produkte.: Von Lebensmitteln und Kleidung bis hin zur Energie – alles, was wir kaufen, wird hinter den Kulissen hergestellt, die wir selten zu sehen bekommen.

Öffentliche Grünflächen

In der Idee vom Migrasch lassen sich zwei Aspekte erkennen. Er ist ein öffentlicher Erholungsort. Schon in den Zeiten der Tora wusste man, wie wichtig es ist, einen gemeinnützigen Ort zu schaffen. Der Migrasch war kein exklusiver Garten für die Reichen. Im Gegenteil, er war ein Ort, an dem sich jeder aufhalten konnte.

Das Judentum, schreibt Greenberg, schätzt vor allem die praktische Seite des gesellschaftlichen Lebens. Was wir tatsächlich tun, ist wichtiger als das, was wir denken. Die Umwelt zu schätzen, ist keine theoretische Tätigkeit. Und wenn wir die Inspiration dafür aus der Tora schöpfen, umso besser.

Aktion

  • Nutze die Parks, die Du in der Nähe Deines Hauses hast.
  • Wenn nötig, hilf mit, sie sauber zu halten.
  • Pflanze einen Baum in Deiner Stadt.
  • Schaffe grüne Orte neben der Synagoge, Schule, Uni oder in Deiner Gegend.
  • Du kannst noch im Juli Blumen auf dem Balkon pflanzen.
  • Fahre mindestens einmal pro Woche mit dem Fahrrad.
  • Versuche, Lebensmittel aus deiner Gegend zu kaufen.
  • Versuche herauszufinden, wie Deine Sachen hergestellt wurden.

Quellen

Dieser Artikel wurde von Dr.  Jon Greenbergs Kommentar zur Parascha Massei: “Lessons for Regional Planning” inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.