Parascha Waetchanan

Waetchanan

Parascha Waetchan (Dwarim 7:12-11:25)

„Hüte dich und bewahre deine Seele wohl” (Dwarim 4:9)

Waetchanan in Kürze

Moses setzt die Wiederholung der Geschichte des Auszuges aus Ägypten fort. Er erzählt, wie G-tt ihm auftrug, die Israeliten ins Land Israel zu führen, ihm aber nicht erlaubte, das Land zu betreten. Stattdessen soll Moses einen Berg besteigen und das Land Kanaan von dort betrachten.

Er beschreibt den Exodus, die Übergabe der Tora. Er prophezeit, dass sich auch die zukünftigen Generationen von G-tt abwenden werden. Sie werden deswegen aus ihrem Land vertrieben werden. G-tt wird sie in andere Länder verstreuen, und sie werden dort seine Gebote befolgen. 

Es kommt eine Wiederholung der zehn Gebote und des Schema Israel, der Grundlagen des jüdischen Glaubens. 

Öko-Interpretation

Eine Midrasch für Dich:

G-tt sagte einmal zu Adam: „Siehe an das Werk Gottes, denn wer kann gerade machen, was er gekrümmt hat! Als Gott den Adam erschaffen hatte, führte er ihn zu allen Bäumen im Paradiese und sprach zu ihm: Siehe meine Werke, wie lieblich und vortrefflich sie sind. Alles habe ich deinetwegen erschaffen. Nimm dich in Acht, dass du meine Welt nicht verunstaltest und zerstörst, denn es ist niemand da, der sie wieder herstellen könnte.“ (Midrash Kohelet Raba 7:13). Auch heute können wir uns diese Situation anschaulich vorstellen. In der Tradition, in der Halacha, in den Midraschim und in mystischen Texten finden wir Hinweise darauf, was jüdische Umweltethik ist. Sie war schon immer ein Teil des Bewusstseins, das jede Generation erbte und an die nächste weitergab. Heute müssen wir aber mit der Tora und mit der Halacha komplett neue Herausforderungen meistern. 

Was würden die Weisen heute denken?

Heute verfügen wir über zahlreiche Technologien, die einerseits sehr bequem sind, andererseits jedoch die Umwelt zerstören können. Eine der größten Veränderungen betrifft die Lebensmittelproduktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft. Wir fingen an, immer mehr Dünger und Chemikalien zu verwenden. Die Menschheit wollte sich vor Hunger schützen. Leider haben diese Techniken überhaupt nicht zum Erreichen dieses Ziels beigetragen, im Gegenteil: Zum immer noch bestehenden Hungerproblem ist noch das Problem der Umweltverschmutzung durch Pestizide und Herbizide hinzugekommen. Auch ganz wichtige Arten wie Bienen sterben dabei aus.  Es wurde also eine gefährliche Kettenreaktion ausgelöst, die uns immer mehr schadet. 

Akiva Gersh stellt die Frage, was die Tora über den negativen Einfluss der intensiven Landwirtschaft auf unsere Gesundheit zu sagen hat. Passt die intensive Landwirtschaft  überhaupt zum göttlichen Plan, der in der Tora dargelegt ist? 

In der Parascha Waetchanan finden wir folgendes Zitat: „Nur hüte dich und bewahre deine Seele wohl“ (Dwarim 4:9) und weiter: „So bewahrt nun eure Seelen wohl.“ (Dwarim 4:15). Dieses Fragment betrifft nach Meinung der Weisen den Schutz des eigenen Körpers. 

Rabbiner Schlomo Efraim Luntschitz (1550 –1619) interpretierte dieses Zitat als eine Verpflichtung, auf den eigenen Körper aufzupassen. In Sefer HaChinuch, einem Kompendium des halachischen Wissens, finden wir einen Kommentar darüber, dass diese Mitzwa (religiöse Pflicht) weit über die Verpflichtung, den eigenen Körper zu schützen, hinausgeht (Mitzwa 546). Wir haben die Pflicht, unseren Körper vor Schaden und Tod zu schützen. Denn unser Körper ist ein Werkzeug, mit dem wir G-tt verstehen. Schulchan Aruch (eine andere Zusammenfassung des jüdischen Rechtes, der Halacha), rät uns, alles zu vermeiden, was unserer Gesundheit schaden könnte (Rabbiner Josef Karo 1488-1575, Schulchan Aruch, Choschen Mischpat 427, 8-10). 

Was machen wir aber in unserem Alltag mit diesem Wissen? Wir verwenden (oft unabsichtlich) ziemlich viele Chemikalien, die uns Schaden zufügen. Pestizide und Herbizide sind da, um zu töten: Sie vernichten Unkraut, Insekten, Mäuse, Motten, Ameisen und vieles mehr. Sie sind aber auch für die Bauern schädlich, und ein direkter Kontakt kann sogar zu erheblichen Schäden des Nervensystems führen.  Pestizide sind ein sehr starkes Gift für die Umwelt und den Menschen.

Heute wissen wir, dass Pestizide krebserregend wirken, wobei Kinder und Säuglinge besonders gefährdet sind. Sie finden den Weg in unseren Körper über die Nahrung. Außerdem verseuchen sie das Grundwasser und gelangen von dort in unser Trinkwasser.  Manche Chemikalien kumulieren sich ein ganzes Leben lang in unserem Körper und sind deshalb besonders tückisch. Wir wissen, dass oft schon kleine Mengen dieser Gifte für unseren Körper schädlich sind. 

46 000 Tonnen Pestizide werden in der deutschen Landwirtschaft jährlich verbraucht. Am schlimmsten ist die Situation in den Entwicklungsländern, da es dort kaum einschlägige Regelungen gibt und man oft wenig über die Inhaltsstoffe weiß. Es gibt keinen Schutz für die Bauern in Afrika und Asien. In vielen Fällen enden Pestizidvergiftungen tödlich. Weltweit leiden jährlich drei Millionen Bauern unter den Folgen einer Pestizidvergiftung.

Sind Pestizide koscher? 

Diese schädlichen, verbotenen Gifte gelangen über die Lebensmittel in den Körper. Natürlich sind sie dann schwächer als beim direkten Gebrauch in der Landwirtschaft, aber sie wirken auf uns, und langfristig kumulieren sich die negativen Effekte. 

Die Tora lehrt uns, immer das Leben und die Gesundheit zu wählen (Dewarim 30:19). Unsere Entscheidungen sollen dem Leben und der Vitalität der Menschen dienen. In seinem Werk Mischne Tora hat Rambam sehr detailliert dargelegt, welche Lebensmittel wegen ihrer Schädlichkeit nicht gegessen werden sollten (Mishneh Torah, Hilchot Rotzeach WeSchmirat Nefesch: 11,12). Das war im 12. Jahrhundert. Was würde er wohl heute über unsere Kost sagen? 

Wir wissen alle, dass es schwierig ist, immer Bio einzukaufen. Manchmal fehlt es an Einkaufsgelegenheiten. Für viele ist es immer noch zu teuer. Niemand behauptet auch, dass die Tora industriell hergestellte Kost verbietet. Trotzdem sind wir nicht von der Verpflichtung befreit, unser Leben gesund zu führen.

„Nur hüte dich und bewahre deine Seele wohl“: Diese Worte sollte man sehr ernst nehmen. Versuche, diese Weisheit in die Tat umzusetzen!

 Aktion

  • Versuche, Bio einzukaufen und immer wenigstens drei Bioprodukte in Deinen Warenkorb zu legen. 
  • Nutze Seiten wie Utopia.de, die gut recherchierte Artikel darüber bieten, welche Lebensmittel gesund sind. 
  • Finde heraus, ob Du eine Allergie gegen Pestizide hast. Wenn bei Dir nach dem Verzehr von bestimmtem Obst leichtes Kribbeln im Mund, Atembeschwerden oder Husten auftreten, dann kann das durchaus an einer Pestizid-Allergie liegen. 
  • Lies den Greenpeace-Ratgeber zu Pestiziden in den Lebensmitteln.
  • Lies darüber, welches Essen gut ist und welche Probleme durch Pestizide verursacht werden. 
  • Lege  einen Garten an, z. B.  in einer Holzkiste. 
  • Vielleicht hat Deine Synagoge, Deine Schule, Dein Jugendzentrum oder Deine Organisation Lust, von Zeit zu Zeit manche Lebensmittel direkt von Biobauern aus der Region zu kaufen. 
  • Wasche Obst und Gemüse in lauwarmem Wasser jeweils mindestens 20 Sekunden. 
  • Mit Hilfe von Chlor kann man Obst von Pestizidresten reinigen. 

Quellen: 

Die Ideen in diesem Beitrag stammen aus dem Artikel „Guard Yourselves Very Well” von Akiva Gersh. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnisnahme von www.canfeinesharim.org.   

Weitere Quellen, die Dich interessieren könnten:

  • Endocrination“, ein Film über Pestizide
  • Info zu Bienen und Pestiziden
  • Informationsreiche Seite des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
  • Hier findest Du einen Beitrag über eine Familie, die versuchte, zwei Wochen lang ausschließlich Bio-Lebensmittel zu essen.