Ekew

Ekew 1

Parascha Ekew (Dwarim 7:12-11:25)

Paracha auf einem Bein

In Ekew setzt Moses seine Schlussrede fort. Wenn die Israeliten die Mitzwot (religiösen Gebote) befolgen, werden sie erfolgreich. Darauf folgt aber auch eine Rüge: Moses erinnert an das goldene Kalb, an die Rebellion Korachs und an die Sünde der Spione, die von der Eroberung Kanaans abgeraten haben. Er spricht über die Juden, die in Kiwrot Ha‘atawa (die Gräber der Gelüste aus der Parascha Matot-Masse) getötet wurden. Diese Sünden werden jedoch vergeben.

Moses spricht über die Manna, von der sich die Israeliten 40 Jahre lang ernährt haben. Man lebt nicht nur von Brot, sondern "von den Äußerungen des Mundes G-ttes". Jetzt erwartet sie ein Land mit Milch und Honig, in dem Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln (sieben Arten) wachsen.

Am Ende der Parascha finden wir den zweiten Abschnitt von „Schema Israel“. Es werden auch die positiven Effekte der Einhaltung und die negativen Effekte der Nichtbefolgung von G-ttes Geboten beschrieben.

Schiwat Haminim: Sieben Arten

„Und bewahre die Gebote des Herrn, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest! Denn der Herr, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, in ein Land, in dem Wasserbäche, Quellen und Seen sind, die in den Tälern und auf den Bergen entspringen; ein Land, in dem Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel gedeihen, ein Land voller Olivenbäume und Honig [Datteln]; ein Land, von dem du dich nicht kümmerlich nähren musst, in dem es dir an nichts mangelt; ein Land, dessen Steine Eisen sind, wo du Erz aus den Bergen hauen wirst.“ (Dwarim 8: 6-9).

Dieses Zitat über Israel prägt unser Bild bis heute. In der Parascha Ekew wird Israel für immer als das Land der sieben Arten (Weizen, Gerste, Feigen, Datteln, Oliven, Granatäpfel, Weintrauben) definiert. Diese sieben Arten symbolisieren den Reichtum, den Überfluss und das perfekte Essen.

Rebbetzin Chana Bracha Siegelbaum spricht über die Verbindung zwischen den sieben Arten und den Sefirot (die kabbalistische Ausstrahlung G-ttes). Die Erstlinge, die Bikkurim, die zu Schawuot in den Jerusalemer Tempel gebracht wurden, waren genau die sieben Arten. In der Zeit zwischen Pessach und Schawuot blühten diese Pflanzen und trugen die ersten Früchte. Während dieser Zeit war das Wetter sehr wichtig, vor allem das Gleichgewicht zwischen Trockenheit, Nässe und Sonne. Vom Einklang der widersprüchlichen Kräfte der Natur hing die Ernte ab.

Rebbetzin Siegelbaum betont, dass die sieben Arten genau in den sieben Wochen der Omer-Zählung wuchsen. Das Ritual des Omer-Zählens, also die Erwähnung jeden Tages zwischen Pessach und Schawuot, symbolisiert unser spirituelles Wachstum. Die Erstlinge der Sieben Arten, die zu Schawuot in den Jerusalemer Tempel gebracht wurden, waren eine Verbindung zwischen den Menschen und G-tt. Die Zeit des Omer-Zählens heißt Sefirot, die Zahlen. Zehn Sefirot bildeten den kabbalistischen Baum des Lebens und symbolisierten  die Emanationen G-ttes. Die Sieben Arten stehen für:

Weizen

Der Weizen steht für die Sefira Chesed (Freundlichkeit), die die erste der sieben Sefirot ist. Der Weizen stärkt den Körper und ist unser tägliches Essen. Brot ist wahrscheinlich für die Mehrheit der Menschen das Essen schlechthin. Es gibt uns Kraft zum Leben und der Seele gibt es die Kraft, gut zu agieren. Für Adam, den ersten Menschen, war Brot das Essen des Sündenfalls. Er hat sich nämlich von den Baumfrüchten ernährt. Brot stand für harte Arbeit in der Landwirtschaft. Nachdem er gesündigt hatte, musste er Grass (Weizen, Gerste, etc.) essen, d. h. für sein Essen arbeiten.

„Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau Gehör gegeben und von dem Baum gegessen, von welchem ich dir zu essen verboten habe, so sei die Erde um deinetwillen verflucht. Mit schwerer Arbeit sollst du dich von ihr ernähren, solange du lebst. Dornen und Disteln soll er dir wachsen lassen, und du sollst das Kraut des Feldes essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen, bis du wieder hin in das Erdreich kommst, von welchen du genommen worden bist. Denn du bist Staub uns sollt wieder zum Staube zurückkehren.“ (Bereschit 3:17-19)

Die Symbolik des Baumes des Lebens war besonders den Kabbalisten wichtig. Weizen isst man auch am Anfang des Tu-Bischwat-Seders. Vielleicht fangen wir mit dem Weizen an und essen am Ende die Früchte der Bäume, weil wir auf die Rückkehr in den Garten Eden (Gan Eden) oder auf eine Verbindung mit dem Göttlichen hoffen. Der Weizen war am Anfang und die Datteln am Ende, als die Krönung des Essens. Die Schiwat Haminim, die Sieben Arten, hatten für die Kabbalisten eine Symbolik. Jede Obstart symbolisierte eine Sefira. Das merkt man während des Tu-BiSchwat-Abends, wenn die sieben Arten gegessen werden. Etz Haim, der Baum des Lebens, hieß die erste Tu–Bischwat-Haggadda. Das schafft eine Verbindung zwischen dem spirituellen Wachstum und dem physischen Akt des Essens.

Die Gerste

Die Gerste hängt mit Gewura (Zurückhaltung) zusammen. Das bedeutet „Grenzen“ und „Beherrschung“. Sie war die Nahrung der Armen. Wer sich keinen Weizen leisten konnte, aß Gerste. Auch die Tiere fraßen Gerste.

Aktivitäten:

Weizen und Gerste, die ersten zwei Arten, symbolisieren die Grundnahrungsmittel, die wir täglich essen. Wenn wir unser Brot und unsere Kuchen nicht selbst backen, sollten wir darauf achten, dass die Zutaten aus guten, koscheren und fair produzierten Quellen kommen. Heute ist die Brotherstellung zu einer Industrie geworden, die kleinen Produzenten gehen pleite. Fast jeden Tag schließt in Deutschland eine Bäckerei. Zwar bekommen wir unser Brot sehr billig, dafür ist es aber fast immer aus tiefgefrorenen Teigrohlingen hergestellt. Außerdem enthält es verschiedene Zutaten, die es zwar haltbar machen, aber nicht unbedingt den Geschmack erhalten. Brot muss nicht immer so billig sein. Dabei gehört es zu den am häufigsten weggeschmissenen Lebensmitteln.

  • Für Anfänger: Denke nach, bevor du Brot und Kuchen wegschmeißt. Versuche, weniger einzukaufen. Du kannst weniger einkaufen und das Brot einfrieren, so dass Du immer einen Vorrat hast.
  • Für Fortgeschrittene: Kaufe gutes Bio-Brot in kleinen Mengen, es ist teurer aber dafür gesund.
  • Für Experten: Backe dein eigenes Brot oder wenigstens von Zeit zu Zeit eine Challa für den Schabbat.

Weintrauben

Wenn man in einem Traum Weintrauben sieht, dann soll man früh aufstehen und sagen: Ich habe Israel wie Weintrauben in der Wildnis gefunden. (Talmud, Berachot 56b)

Weintrauben sind mit Tiferet (Schönheit) verbunden. Sie sind auch ein Symbol der Erlösung Israels. Die Sefira Tiferet krönt die zwei letzten Sefirot und verbindet zwei widersprüchliche Elemente miteinander: die Beherrschung, eine mit der Gerste assoziierte Eigenschaft, und den nahrhaften Aspekt des Weizens.

Aktion:

Jetzt haben wir Weintrauben-Saison. Wenn möglich, kaufe Bio-Weintrauben aus der Region. Weintrauben werden sehr stark mit Chemikalien besprüht. Fast alle Weintrauben aus konventionellem Anbau enthalten Pestizide. Das heißt, sie sind nicht wirklich für Kinder geeignet.

Feigen, Granatäpfel und Olivenöl. Das jüdische Superfood.

Superfood („Supernahrungsmittel“) ist ein Modewort, das für besonders nährstoffreiche, wertvolle Lebensmittel steht. In der Regel handelt es sich um Obst und Gemüse. Supernahrungsmittel haben viele Antioxidantien, Vitamine sowie andere  wichtige Stoffe und sind besonders gut für unsere Gesundheit. Wir glauben, dass Feigen, Granatäpfel und Oliven tatsächlich die Supernahrungsmittel sind. Man muss also nicht immer nur Açai oder Goji-Beeren essen.

Feigen

„Warum wird die Tora mit dem Feigenbaum verglichen? Die Früchte vieler Bäume wie z. B. Oliven, Weintrauben und Datteln kann man zu einer bestimmten Zeit ernten. Feigen müssen nach und nach geerntet werden. Genauso ist es mit der Tora. Man kann ein wenig heute lernen, aber das meiste lernt man später. Das kann man nicht innerhalb eines Jahres machen, sondern über viele Jahre hindurch.“ (Midrasch Bamidbar Raba 12:9)

Feigen symbolisieren die Sefira Nezach (Ausdauer bzw. Beständigkeit). Man kann sie lange aufbewahren, denn sie brauchen sehr lange zum Reifen. Feigen enthalten ganz viele wertvolle Inhaltsstoffe wie z. B. Omega-3- und -6-Fettsäuren, Kalzium, Eisen, Kalium und sollen krebsvorbeugend wirken.

Granatäpfel

„Ein Granatapfel hat 613 Samen, die 613 Mitzwot repräsentieren. Durch sie ist die Seele mit dem Licht und mit dem Verständnis gefüllt“ (Malbim)

Der Granatapfel ist ein Symbol Israels geworden. Er ist mit der Sefira Hod (Erhabenheit und Glanz) verbunden. Der Granatapfel ist ein vielseitiges Obst. Er sieht wunderbar aus, er wirkt sehr gut auf das Herz und enthält Polyphenole, Antioxidantien, die auch in Rotwein zu finden sind. Der Granatapfel wirkt sehr gut auf unseren Körper, denn er enthält große Mengen  Vitamin C, Kalium und Kalzium. 

Oliven

„Und die Taube kam zu ihm zurück zur Abendzeit und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel (…) Der Taube wurden die Tore des Paradieses geöffnet, so dass sie das Blatt bringen konnte.“ (Midrasch Bereschit Raba 33)

Olivenöl steht für die Sefira Jesod (Gründung, Grundstein). Wir wissen, wie gut es für den Körper ist. Es ist ein wichtiger Bestandteil fast jeder Mahlzeit und wird oft in Salaten verwendet. Oliven sind das wichtigste Element der mediterranen Küche. Olivenöl und Oliven werden mit Langlebigkeit und einer ganzen Menge gesundheitsfördernder Effekte assoziiert. Sie beinhalten Antioxidantien, Vitamine A, D, E und K und sicherlich vieles andere mehr. Ungesättigte Fettsäuren schützen das Herz. Olivenbäume sind sehr langlebig, ein Baum kann bis zu viertausend Jahre alt werden, aber auch die Früchte sind sehr haltbar.

Datteln

Darum steht das Wort: Sie wird blühen. Sowie man an der Palme nichts Unbrauchbares findet, denn die Datteln können zum Essen, die Blätter zum Hallel, die Zweige zum Belauben, der Bast zum Stricken, die Fäden zum Sieben, der Stamm zum Überbälken des Hauses verwendet werden, so wird auch unter den Israeliten nichts Unbrauchbares gefunden. Es gibt unter ihnen Schrift-, Mischna-, Talmudkundige und Haggadisten. Sowie der, welcher auf die Palme und Ceder hinaufsteigt und sich nicht in Acht nimmt, herunterfällt und stirbt, so wird auch jeder, welcher Israel quält, zuletzt seine Strafe dafür enthalten.  (Midrasch Bereschit Rabba, 41)

Datteln stehen in der Kabbala für die Sefira Malchut (Königreich). Sie sind die Krönung der sieben Sefirot. Der Talmud spricht darüber, wie vollkommen die Dattelpalmen sind. Fast alle Teile der Dattelpalme können verwendet werden, daher steht dieser Baum für Nachhaltigkeit.

Trotz ihres süßen Geschmacks haben Datteln nicht übermäßig viele Kalorien. Sie enthalten auch viele Antioxidantien, die den Körper jung halten. Selbst getrocknet behalten sie ihre guten Eigenschaften bei.

Aktion:

Iss ein Gericht mit Datteln und entdecke den Dattelhonig.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbezin Siegelbaums Kommentar zur Parascha Ekew: „Shivat Haminim, The Seven Fruits of Israel“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.

Hier findest Du Informationen zum Thema Brot
http://www.utopia.de/magazin/so-falsch-ist-unser-billig-brot