Schoftim

Schoftim

Schoftim Dwarim 16:18–21:9

Die Parascha in Kürze

Die wichtigsten Themen in der Parascha sind:

  • Das Königreich Israel soll in jeder Stadt Richter haben. Moses regelt die Struktur der Institutionen, die für die Gerechtigkeit verantwortlich werden. Jede Generation muss das Recht selbst interpretieren und anwenden.
  • Zauberei und Götzendienst sind verboten.
  • Der Wehrdienst wird auch geregelt: Jeder, der gerade ein Haus gebaut, geheiratet, einen Weinberg gepflanzt hat oder von Natur aus ängstlich ist, muss nicht als Soldat dienen.
  • Das wichtigste ist das Verbot des Fällens eines Obstbaumes, Baal Taschchit.
  • Wenn jemand von einem unbekannten Mörder getötet wird, ist man auch als Gemeinschaft für das verantwortlich, was man hätte verhindern können.

Öko-Zitat

 „Wenn du vor einer Stadt lange Zeit liegen musst, um sie zu bekriegen und zu erobern, so sollst du die Bäume nicht verderben und mit der Axt daran fahren, denn du kannst ja Früchte davon genießen und musst sie also nicht ausrotten. Ist denn das Holz auf dem Feld wie ein Mensch, den man durch Bollwerk einschränken muss? (Die Bäume sind ja nicht eure Feinde, denen ihr zu schaden suchen müsst). Doch solch ein Baum, von welchem du versichert bist, dass er nichts Essbares trägt, den kannst du verderben und umhauen, um ein Bollwerk um die Stadt zu bauen, die mit dir Krieg führt, bis sie daniederliegt.“ (Dwarim 20:19-20)

Öko-Thema: Baal Taschchit

Baal Taschchit bedeutet „zerstöre nicht“. Diese biblische Norm verbietet uns jegliche sinnlose Zerstörung und sie kommt dem modernen Umweltschutz am nächsten. Gleichzeitig sind die Sätze des Quellentextes nicht ganz klar, weshalb es in der Geschichte auch viele Interpretationen dieser Bibelstelle gab. Sefer haChinuch, eine Zusammenfassung der Halacha (jüdisches Recht) aus dem 13. Jhdt., die mit einer pädagogischen Intention geschrieben wurde, versuchte, dieses Gebot folgendermaßen zu erklären:

„Diese Vorschrift beabsichtigt, Liebe zum Guten und Vorteilhaften einzuprägen. Dies führt zur Vermeidung von Zerstörung und der Förderung unseres Wohlbefindens. Dies ist der Weg der Frommen und Wertvollen, die den Frieden lieben und sich am Wohlbefinden aller Menschen erfreuen, indem sie ihnen das Gesetz nahebringen. Sie leiden nicht am Verlust auch nur eines Senfkornes und sind nicht betrübt durch den Anblick eines Verlustes oder einer Zerstörung. Wenn sie helfen können, verhindern sie jegliche Zerstörung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Aber anders ist es mit dem Bösen, der Verkörperung des zerstörerischen Geistes, der in der Korruption der Welt schwelgt und sich selbst korrumpiert. Der Mensch wird mit seinem eigenen Maß gemessen. Mit anderen Worten: Er wird immer durch seine eigene Haltung beeinflusst. Wer das Gute will und sich an ihm erfreut, wird sich immer daran erfreuen können.“ (Sefer ha-Chinuch, Parscha Schoftim, über Baal Taschchit) Einerseits verbietet dieses Fragment Vandalismus während des Krieges. Andererseits wurde es durch die Interpretationen sowohl auf die Situation des Krieges als auch die des Friedens ausgedehnt.

Maimonides (Rambam, 1135 – 1138) schrieb in „Mischne Tora“ „…und nicht nur Bäume, sondern jeder, der Geräte zerbricht, Kleider zerreißt, Gebäude zerstört, eine Quelle verstopft und Nahrungsmittel wegwirft, in vergeudender Weise, übertritt das Verbot des Verderbens" (Gesetze von Königen und Kriegen: 6. Kap., Hal. 10). Es ist auch verboten (Za’ar Ba’alej Chajim), Tiere zu quälen und sinnlos zu töten.

Rabbi Dr. Norman Lamm schreibt, dass dies keine fetischistische Einstellung gegenüber Sachen auslösen darf. Wir sollen die Dinge nicht vergöttern, sondern wertschätzen. Bei dem Zitat über Baal Taschchit aus Dwarim (20:19) handelt es sich um Obstbäume. Natürlich darf man manche Bäume auch fällen und das Holz nutzen. Was genau ist verboten? Wo ist die Grenze und wann überschreiten wir Baal Taschchit?

Einerseits, schreibt Lamm, ist es ziemlich klar, dass dieses Verbot sich damals auf die kommerziellen Werte bezogen hat. Deswegen hat man beschlossen, immer die beste Option zu wählen. Wenn wir einen Hain haben, aber sehen, dass die Weizenproduktion besseres Einkommen bringt, dürfen wir die Bäume fällen. Wenn wir aber die Bäume einfach „nicht mögen“, dann ist es verboten. Allerdings ist das wirtschaftliche Interesse nicht am wichtigsten. Man muss auch die Gesundheit in Erwägung ziehen. Wenn jemand krank ist und ein geheiztes Haus braucht, darf man einen Baum fällen und das Holz nutzen.

Wenn etwas einen ökonomischen Wert hat, dann darf es weder vom Eigentümer noch vom Nutzer verschwendet werden. In diesem Punkt ist die Halacha eindeutig. Es ist jedoch zulässig, einen Baum zu fällen, wenn er das Eigentum Anderer zerstört. Baal Taschchit ist noch genereller und universeller als diese spezifische Regelung, die einen bestimmten Sachverhalt klärt.

Heute bekommen wir fast täglich die Gelegenheit, diese Halacha anzuwenden:

  • Wir produzieren viel Müll. Wusstest du, dass vor 80 Jahren ein Haushalt hauptsächlich die Essensreste weggeworfen hat? Heute sind es im Durchschnitt 1,6 Kilogramm Müll täglich. Der Haushaltsabfall pro Einwohner in Deutschland beträgt ca. 610 Kilogramm jährlich.
  • Wir werfen Lebensmittel weg, die noch gut sind.
  • Unsere Sachen werden absichtlich so entworfen, dass sie sich schnell abnutzen. Ob Handy, Bekleidung, Möbel, Autos, nichts überlebt mehr so lange wie zu den Zeiten unserer Großeltern. Wir kennen solche langlebigen Produkte fast nicht mehr.
  • Zwar recyclen wir, aber dabei werden sehr viel Energie und Ressourcen verbraucht. Am besten wäre es, so wenig wie möglich wegzuwerfen und stattdessen alles überlegter zu nutzen.
  • Neuheiten und Mode: In einer Studie des Umweltbundesamtes zur geplanten Obsoleszenz heißt es: „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Verbraucher und Verbraucherinnen heute schneller bereit sind, einwandfreie Flachbildfernseher gegen technische Neuheiten auszutauschen. So wurden im Jahr 2012 über 60 Prozent der noch funktionierenden Flachbildschirmfernseher durch ein noch besseres Gerät ersetzt.“ So etwas ist, wie wir oben gelesen haben, ausdrücklich verboten. Man darf nicht aus Mode-Gründen Sachen wegwerfen. Das gleiche gilt übrigens auch für das Essen.

In dieser Parascha bekommen wir eine sehr interessante Weisung, die noch einmal zeigt, dass das jüdische Recht auch tiefgehende ethische Fragen berührt und uns für die Zukunft wappnet. Wir haben laut der Tora eine hohe Verantwortung gegenüber Anderen und der Erde.

Aktion:

  1. Halte inne! Schau, was Du in den nächsten 10 Minuten wegwerfen möchtest. Kannst Du es noch verwenden? Wie lange braucht dieser Gegenstand, um zersetzt zu werden.
  2. Versuche, verschiedene Sorten von Hausmüll in die entsprechenden Recyclingtonnen zu werfen.
  3. Elektroschrott gehört dorthin, wo er gekauft wurde. Bringe Deine kaputte Elektronik in das Geschäft zurück, in dem Du es gekauft hast.
  4. Recherchiere: Finde das nächste Second-Hand-Geschäft.
  5. Möchtest Du einen größeren, wertvollen Gegenstand weitergeben?
    • Finde Freecycle oder Free-Your-Stuff für Deine Stadt: Dort kannst Du alles, was Du nicht mehr brauchst, online stellen und verschenken.
    • Essen: Gib Dein Essen bei foodsharing.de ab.
    • Finde Webseiten, die Second-Hand-Waren an- und verkaufen. Beispiele findest du hier.

Quellen

Dieser Beitrag wurde von einem Artikel von Rabbiner Dr. Norman Lamm über Baal Taschchit „Parashat Shoftim: The Torah Prohibits Wasteful Distruction“. inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnisname von Canfei Nesharim.