Ki Teze

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Za’ar Ba’alej Chajim: Respektvoller Umgang mit Tieren

Ki Teze Dwarim 21:10 – 25:19

Parascha in Kürze

Diese Parascha enthält sehr viele Mitzwot zu den Themen Familie, Eigentum und Umgang mit Tieren. In dieser Parascha kannst Du etwas über die Erstgeburtsrechte und das Gebot der Steinigung eines widerspenstigen Sohnes lesen. Über das letztere Gebot (Ben Sorer Umore) gibt es eine große Diskussion im Talmud (Sanhedrin 71a, Mischna Sanhedrin 8:4). Ein anderes Gesetz spricht über die Pflege und faire Behandlung schwacher Tiere („Du sollst nicht pflügen mit einem Ochsen und einem Esel zusammen“ Dwarim 22:10). Außerdem erfährt man, wie und wann Vogelnester gesammelt sowie welche Pflanzen und Tiere nicht vermischt werden dürfen (Kilajim, Schatnes).

Es werden einige Gesetze, die die Familie, das Liebesleben, die Beziehungen in oder vor der Ehe, vor allem auch den Ehebruch und den Betrug betreffen, thematisiert. Außereheliche Beziehungen werden streng verboten. Die Tora regelt die Rechte der geschiedenen Frau. Der Ehemann muss im ersten Jahr nach der Heirat nicht in der Armee dienen.

In dieser Parascha finden wir außerdem viele Gebote und Verbote aus dem Bereich des Straf- und Kriegsrechts. Auch der Umgang mit geflohenen Sklaven wird hier geregelt.

Man darf innerhalb eines Stammes keine Zinsen nehmen und vieles mehr: Mehr als siebzig Gebote und Verbote kann man in dieser Parascha finden.

Öko-Zitat

„Wenn du zufällig auf dem Wege ein Vogelnest antriffst, auf irgend einem Baume oder auf der Erde, mit Jungen oder mit Eiern, während die Mutter auf den Jungen oder auf den Eiern sitzt, so sollst du die Mutter nicht mit den Jungen nehmen;  sondern du sollst die Mutter bei fliegen lassen (schaleach tischlach, שַׁלֵּחַ תְּשַׁלַּח) und die Jungen nehmen, auf dass es dir wohl gehe und du lange lebest.“ (Dwarim 22:6-7)

Öko Parascha

Midrasch Dwarim Raba (eine Erklärung der Tora) kommentiert diese Stelle. Die Schriftgelehrten haben über die Bedeutung des Satzes „So sollst du die Mutter fliegen lassen“ nachgedacht und diskutiert, warum das Wort schaleach (שַׁלֵּחַ) als doppelter Ausdruck steht schaleach tischlach.

Eine Antwort lautete: „Um anzudeuten,  wenn du diese Vorschrift ausgeübt hast, so beschleunigst du dadurch die Ankunft des Königs Messias, von dem auch das Wort  (שילוה) geschrieben steht. (…) Die Rabbiner sagen: Wenn du diese Vorschrift betreffs des Vogelnestes befolgt hast, so wirst du auch so glücklich sein, den hebräischen Knecht zu entlassen (d.i. ihm seine Freiheit wiederzugeben). Wie lässt sich das beweisen? Es heißt ‚So du ihn frei lassest von dir, so sollst du ihn nicht leer entlassen.‘ (Dwarim 15:13) Oder Rabbi Tanchuma sagte: Wenn du diese Vorschrift hältst, so beschleunigst du die Ankunft des Propheten Elia, dessen Andenken zum Guten sei.“ (Midrasch Dwarim Rabah: Parascha VI Kapitel XXII)

Rabbi Dovid Sears macht auf die oben genannte Wortverbindung, die in der rabbinischen Literatur als Mizwah (Gebot) Schiluach Haken bekannt ist, aufmerksam, weil die Frage sehr interessant ist, warum der Satz „Du sollst die Mutter fliegen lassen“ (Dwarim 22:7) diese gravierenden Konsequenzen mit sich bringt. Dies beschleunigt das Kommen von Maschiach (משיח) und des Propheten Eliachu. Was haben diese Dinge miteinander zu tun?

Judentum und Tiere

Za’ar Ba’alej Chajim ist das biblische Verbot der Tierquälerei. Auch wenn der Mensch in der Tora als Herrscher über die Tiere beschrieben wird, darf man sie nicht unnötig quälen. Die Tora idealisiert (laut Rabbiner Sears) den Zustand des Friedens zwischen Mensch und Tier. Das war der Urzustand im Paradies, und laut Jesaja sollen wir zu diesem Zustand zurückkehren (Jesaja11: 6-7).

Rabbiner Kook, der erste Oberrabbiner Israels, wollte sich wegen Za’ar Ba’alej Chajim von vegetarischer Kost ernähren. Nefesch chaja (lebende Seele) ist ein Begriff, der sowohl die Menschen als auch die Tiere bezeichnet.

Rabbi Jehuda ben Pasi sagte: „Und warum wird das Kind erst am achten Tage beschnitten? Weil Gott Erbarmen mit ihm hat, um mit ihm zu warten, bis es Kraft habe. Aber Gott erbarmt sich nicht nur des Menschen, sondern auch des Viehes. Wie lässt sich das beweisen? Es heißt in Wajikra 22:27: ‚Vom achten Tage an‘ und weiterhin ist es gesagt: ‚Es selbst (das Alte) und sein Junges sollt ihr nicht an einem Tage schlachten.‘ Und diese göttliche Barmherzigkeit erstreckt sich nicht nur über die Tiere, sondern auch über die Vögel. Wie lässt sich das beweisen? Weil es hier heißt:  ‚So du ein Vogelnest triffst auf dem Wege…‘ (Dwarim 22:6).“ Wenn man auch alle Vögel töte, rotte man alle aus: Aus heutiger Sicht entspricht das auch der Nachhaltigkeit in Bezug auf die Erhaltung der Art.

Im Traktat Pirke Awot (1:17) lesen wir, dass das Studium der Tora und das Wissen sehr wichtig sind, noch wichtiger sind allerdings die Taten. Unser Umgang mit Tieren ist ein Bereich, in dem wir viel machen können. Damit können wir auch das Kommen der perfekten Zeiten beschleunigen.

Was kannst Du machen?

  • Meide Lebensmittel, die auf unethische Art und Weise erzeugt wurden, z. B.: Foie Gras und weißes Kalbfleisch.
  • Es gibt nicht viel koscheres Fleisch auf dem deutschen Markt, und es ist schwer zu bekommen. Versuche deswegen herauszufinden, woher das Fleisch kommt. Iss es höchstens einmal pro Woche.
  • Iss Freilandeier sowie Bio-Joghurt und -Käse.
  • Füttere Vögel nur mit geeignetem Futter.
  • Pflanze regionale Blumen für die Bienen.

Quellen

Dieser Artikel wurde von „Ki Teitze: The Compassion to Bring Moshiach“ von Rabbi Dovid Sears inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.