Nizzawim

Nizzawim

Nizzawim Dwarim 29:9–30:20

Parascha auf einem Bein

Die Parascha Nizzawim wird kurz vor Rosch ha-Schana gelesen. Wir lesen die letzten Absätze der Geschichte vor der Ankunft im Gelobten Land:

  • Moses sagt, dass an diesem Tag alle Israeliten vor dem Ewigen stehen.
  • Er schließt einen neuen Bund mit G-tt. Er macht dies sowohl für die anwesenden Juden, als auch für alle Juden, die nicht da sind.
  • Er erinnert an die Wanderung durch die Wüste, an den Götzendienst der Hebräer, an die Rebellionen sowie an die darauffolgende Strafe und das  Exil. Wenn sich die Israeliten von G-tt abwenden, werden sie wieder die gleichen Konsequenzen tragen müssen.
  • Trotz aller Konflikte ist G-tt barmherzig und wird die Juden zusammenbringen, sie werden ihren Reichtum wieder erlangen und zahlreich sein.
  • Israels Feinde werden verflucht werden und Israel wird gedeihen.
  • Die Gebote, die von Moses vermittelt wurden, sind verständlich und nah an den Menschen, sie sind weder rätselhaft noch geheimnisvoll.
  • Moses unterstreicht die Wahl zwischen Wohlstand und Leben einerseits sowie Unglück und Tod andererseits. Die Rückkehr zum Götzendienst bedeutet das Zweite. Die Juden sollen ihr Leben nach den Geboten der Tora führen.

Öko-Tora

In dieser Parascha erinnert der Allmächtige, der alles in der Welt schuf, an sich. Er hat damit alle Elemente in der Natur geschaffen, auch den Schwefel. Schwefel ist ein ziemlich interessantes Element, denn er kann heilen und schaden. Das hängt davon ab, wie wir ihn verwenden. Einerseits kann man schwefelhaltige Pflegeprodukte kaufen, andererseits macht ein zu hoher Schwefelgehalt die Erde unfruchtbar, denn dadurch wird das Wachstum der Pflanzen gehemmt.

Ein Fragment in der Tora, das ausdrücklich auf Schwefel verweist, ist die Beschreibung von Sodom und Gomorrha. Die Parascha Nizzawim bezieht sich hier direkt auf das Buch Bereschit (Genesis):

„… den Erdboden, der durch Schwefel und Salz verwandelt ist, nicht besäet werden kann, nichtS hervorbringt auch nicht einmal Unkraut aufschieben lässt, und dem Sodom und Gomorrha, Admaund Zewojim gleicht, die der Ewige im Zorn und Grimm zerstört hat.” (Dwarim 29:22)

Ursprünglich befanden sich Sodom und Gomorrha in einer fruchtbaren Region („Bevor der Ewige zerstört hat Sodom und Gomorrha, war es wie ein Garten des Ewigen“ Bereschit 13:10). Was geschah dann, fragt Shai Spetgang in seinem Artikel „Sulfur and Fire out of Heaven“?

„Und der Ewige ließ regnen auf Sodom und auf Gomorrha Schwefel und Feuer vom Ewigen vom Himmel. Und zerstörte diese Städte und den ganzen Umkreis, und alle Einwohner der Städte und das Gewächs des Erdbodens.“  (Bereschit 19:24-25) 

Die Tora spricht über Schwefel und Feuer, die als Folge der Sünden gekommen sind. Raschi (1040–1105) war der Meinung, dass zuerst nur Regen fiel und erst danach Schwefel und Feuer (Bereschit 19:24) niedergingen. Spetgang interpretiert es folgend: Es handelt sich hier um eine typische Kombination, die an sauren Regen erinnert.

Reiner Schwefel ist nicht schädlich, die Verbindungen von Schwefel mit anderen Elementen jedoch schon. Schwefeldioxid (S02) verursacht großen Schaden in der Natur. Es ist vor allem ein Nebenprodukt der intensiven industriellen Produktion. In dieser Form beeinträchtigt Schwefel die Atemwege, verursacht Reizungen der Haut und Schleimhäute sowie Kopfschmerzen bis hin zum Erbrechen. (lies mehr hier...)

Für uns steht diese Metapher und Geschichte von Sodom und Gomorrha als jene der Verwandlung eines fruchtbaren Landstrichs in eine Hölle sehr deutlich für den Klimawandel. Rabbi Baruch HaLewi Epstein (1860–1941) stellt in „Tora Temima“ Sodom Jerusalem gegenüber und sagt, dass der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Städten sehr klein war. Er bestand lediglich darin, dass die Frauen von Sodom (einer reichen Stadt) den Armen nichts zu essen gaben. Die jüdischen Frauen hingegen haben immer etwas für die Ärmsten gehabt, selbst wenn sie auch arm waren. Sie waren imstande, nicht nur auf ihre eigene Situation zu schauen:

In Sodom und Gomorrha kümmerte sich niemand um die Schwachen, Neuankömmlinge und Armen. Heute müssen wir unsere Fürsorge anders zeigen, und zwar dadurch, dass wir über die langfristigen Konsequenzen unserer Taten nachdenken und nachhaltig handleln.

Was Schwefel betrifft, so wurden die Schwefelemissionen Deutschlands und Europas stark reduziert. Aber  Länder wie die Türkei oder China machen viel zu wenig dagegen. Schwefeldioxid kann Pflanzen schädigen. Es verursacht die Versäuerung von Böden und Gewässern. Das war ein großes Problem in Europa in den 80er Jahren. Um die Emissionen auf null zu reduzieren, sollten wir möglichst wenig Auto fahren und uns ökologisch ernähren, denn sie stammen zum großen Teil aus der Landwirtschaft und dem Verkehr.

In Sodom und Gomorrha wurden keine gerechten Menschen gefunden, die die Katastrophe hätten abwenden können. Sei Du heute diejenige Person, die sich klimagerecht ernährt und lebt. Und denke daran: Selbst ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz kann schon viel bewirken…

Aktion

  • Geh zu Fuß, nutze Dein Fahrrad. Versuche, im Oktober so wenig Benzin wie möglich zu verwenden. Nach diesem Wochenende beginnen mit Rosch ha-Schana die Hohen Feiertage: Schana Towa Umetuka.
  • Unterstütze die Energiewende, indem du auf umweltfreundlich erzeugten Strom umsteigst.
  • Spare Energie zu Hause. Es ist gerade etwas kühler geworden, aber du musst noch keinen Heizkörper einschalten. Zieh lieber einen Pulli an.
  • Auto: Wenn du schon Auto fahren musst, dann nutze Car-Sharing.
  • Iss schwefelhaltiges Gemüse wie z. B. Weiß- und Grünkohl, Zwiebel, Knoblauch, Brokkoli oder Auberginen. Auch Erdnüsse, Eier und Heringe enthalten Schwefel. Schwefel beschleunigt die Arbeit unserer Zellen, schützt uns vor vielen Krankheiten und trägt dazu bei, dass die Gehirnzellen nicht absterben. Das alles klingt ziemlich vertraut, nicht wahr?

Quellen

Dieser Artikel wurde von Shai Spetgangs Kommentar zur Parascha Nizzawim: “Sulfur and Fire Out of Heaven” inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.

Dokumente