Wajelech

Wajelech

Wajelech (Dwarim 31:1-30)

Parascha auf einem Bein

Moses setzt seine Rede fort:

  • Er ist 120 Jahr alt und kann nicht ins Gelobte Land gehen; in Kanaan wird ihn Joschua ersetzen.
  • G-tt wird alle Feinde und die Untreuen zerstören, so wie er es mit Sichon, Og und den Amoritern gemacht hatte. Die Israeliten müssen viel Mut haben.
  • Auch Joschua muss stark und mutig sein. Moses hat das Rechtsystem der Tora geschrieben und gibt es den Leviten und Ältesten.
  • Joschua wird die Israeliten über den Fluss Jordan führen. Mit ihm gehen alle Frauen, Kinder, Männer und die Fremden, die nach Gottes Geboten leben.
  • Moses weiß, dass sein Tod nahe ist. Er ruft Joschua zu sich und sie gehen zum Mischkan (Wüstenheiligtum, Zelt der Begegnung). G-tt erscheint wieder als eine Wolke und warnt davor, seine Gesetze zu brechen. Er beauftragt Moses, ein Lied zu schreiben.
  • Die Israeliten werden in einem Land leben, in den Milch und Honig fließen und dessen Reichtum genießen.

Öko-Parascha

Wenn vom Land von „Milch und Honig“ die Rede ist, denken wir meistens an Israel, so wird es 16 Mal in der Tora genannt (u.a. Dwarim 31:20). Es ist ein reiches und fruchtbares Land. Der Ausdruck „Milch und Honig“ findet sich in Namen von Hotels und Bands, in Gedichten oder Liedtexten. Der Ausdruck ist tief in der Beschreibung Israels verwurzelt. Es ist auch ein „geflügeltes“ Wort im Deutsch bei nicht-Juden.

Der Vers: zawat chalew udwasch (fließend mit Milch und Honig) wird im Talmud folgend interpretiert:

„Einst kam Tami b. Jehezqel nach Bnei Berak und sah Ziegen unter Feigenbäumen weiden; von den Feigen troff Honig und Milch von jenen, sodass sie sich miteinander vermengten. Da sprach er: Das ist [das Land, wo] Milch und Honig fließt“ (Der Babylonische Talmud, Traktat Ketubot 111b).

Rabbi Akiwa Wolf schreibt, dass die Ziegen in der Tora mit dem Reichtum assoziiert werden. Für die Menschen damals war dies eine herrliche Vorstellung.  Aber ausgerechnet die Zucht von Ziegen und Schafen wurde im Lande Israel schon in den Zeiten der Mischna verboten (Mischna, Baba Kama 7:7). Auch die heutigen Rabbiner haben dieses Verbot aufrechterhalten.

In seinem Kommentar zur Mischna (Baba Kama 7:7) erklärt Raschi, dass die Zucht von Ziegen und Schafen der Mizwa jischuw ha’arez widerspräche, die das Besiedeln des Landes  gebietet. Ziegen und Schafe waren für die grünen Gärten und Felder nicht gut (Raschis Kommentar zum Babylonischen Talmud, Traktat Baba Batra 36a).

Es war sicherlich nicht einfach, ein Gleichgewicht zwischen den beiden Interessen zu finden. Man musste eine Lösung sowohl für diejenigen finden, die Ziegen und Schafe gezüchtet haben, als auch für die Bauern, die Felder besaßen. Die Weisen haben sich bewusst gegen kleine Herden entschieden, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, alles nach dem Prinzip jischuw ha’arez.

Obwohl Herden als Statussymbol galten (bis heute ist das in einigen Kulturen so) und ein gutes Einkommen ermöglichten, haben die Weisen andere Motive berücksichtigt. Sie haben wahrscheinlich schon damals bemerkt, so wird heute vermutet, dass die Viehzucht einen negativen Einfluss auf die Umwelt hatte. Ziegen und Schafe brauchen relativ viel Weideland und sie fressen alles kahl.

Rabbiner Wolf entwickelt diese talmudische Interpretation weiter und kritisiert die Entwicklung im heutigen Israel, wo Herden durch Autos ersetzt werden. Autos verursachen Luftverschmutzung und Kohlendioxidemissionen, sie brauchen viel Platz und sind einer der Gründe für die Ölförderung. Besonders Großstädte sind davon betroffen. Dazu haben kürzlich israelische Wissenschaftler festgestellt, dass selbst eine geringe Luftverschmutzung der Gesundheit schadet. Von diesem Problem sind vor allem ältere Menschen und Kinder betroffen.

Auch hier in Deutschland sind Autos das Lieblingstransportmittel. Auch wenn wir wahrscheinlich häufiger als die Israelis mit dem Fahrrad unterwegs sind und die Verkaufszahlen bei den Autos ein wenig zurückgehen, leben wir dennoch in einem Auto-Land. Ein schönes Auto ist der Traum vieler Gemeindemitglieder. Jüdische Eltern auf Fahrrädern vor jüdischen Schulen sind eher selten zu sehen, hört man hin und wieder von den Lehrern.

Zwar spricht die Tora nur über Israel, aber wir sollen auch die Länder schätzen, in denen wir heute leben, und vor allem den jüngeren Generationen vermitteln, wie ein umweltgerechtes Leben aussieht. Hier in Deutschland brechen wir zwar die Mizwa jischuw ha’arez nicht, aber wir sollten trotzdem auch hier im Einklang mit ihr leben und an die Umwelt denken.

Einige Rabbiner waren ziemlich radikal und dachten, dass Autos grundsätzlich der Mizwa jischuw ha’arez widersprechen. Rabbi Jakob Jisrael Kaniewski wollte private Autos in Israel völlig verbieten. Eine Autofreie Welt ist zwar heute noch nicht vorstellbar, aber Projekte, die die gemeinschaftliche Nutzung von Autos und Fahrrädern unterstützen, haben in Städten wie Helsinki, Lyon, London oder München bereits einiges bewirkt.

Aktion

  • Fahre mit dem Fahrrad.
  • Wenn du ein Auto besitzt, fahre mindestens einmal pro Woche mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit oder zur Uni.
  • Versuche, während der kommenden Feiertage zu Fuß zu gehen.
  • Bringe Kindern und jungen Menschen die grundlegenden Vorschriften des Schabbat bei, vor allem jene, die das Autofahren verbieten.

Quellen

Dieser Artikel wurde von Akiva Wolffs  Kommentar zur Parascha Wajelech: „A Land Flowing with Milk and Honey“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.