Bereschit

Bereschit

Parascha Bereschit (1-1-6:8)

Parascha in Kürze

Bereschit zählt zu den Texten, die einen enormen Einfluss auf die westliche Kultur haben. Es gibt auch Referenzen in der Tora, die an die Genesis erinnern, deswegen lohnt es sich immer wieder, zu diesem Text zurückzukehren. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Erste Schöpfungsgeschichte: Sieben Tage

  • Am Anfang schuf G-tt Himmel und Erde, aber die Erde war „wüst und wirre“ (Tohuwabohu) (Bereschit 1:2). Danach  schuf er das Licht und trennte es von der Dunkelheit.
  • Am zweiten Tag schuf er das Firmament mitten im Wasser. Es trennte das Wasser vom Firmament.
  • Am dritten Tag sammelte G-tt das Wasser, er schuf das Land und die Ozeane. Die Pflanzen fingen an zu wachsen.
  • Am vierten Tag schuf G-tt Lichter am Himmel. Dadurch, dass er die Sonne schuf, trennte er die Tage, Wochen und Jahre.
  • Am fünften Tag schuf er die Lebewesen der Meere und segnete sie: „Seid fruchtbar und mehret euch“ (Bereschit  1:22).
  • Am sechsten  Tag schuf G-tt die Lebewesen der Erde, darunter den Menschen. Der Mann und die Frau sind ein Abbild G-ttes. Er segnete auch sie: „Seid fruchtbar und mehret euch“ (Bereschit 1:28). G-tt gab die Pflanzen den Menschen und Tieren als Nahrung.
  • Am siebten Tag erholte sich der Schöpfer.

Die Zweite Schöpfungsgeschichte

Bevor G-tt die Pflanzen schuf, formte G-tt den Mann aus dem Staub (Adama) und blies in seine Nase den Atem des Lebens ein. Danach pflanzte G-tt einen Garten im östlichen Eden. Er pflanzte dort auch den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Mensch (Adam) sollte den Garten pflegen. Er sollte nicht alleine leben, deswegen schuf G-tt alle anderen Lebewesen. Adam sollte alle Tiere benennen und Gesellschaft finden, er hat jedoch keinen geeigneten Helfer gefunden. G-tt ließ ihn schlafen, nahm seinen Knochen und schuf eine Frau daraus. Sie waren beide nackt, haben aber trotzdem keine Scham empfunden.

Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse

Eines Tages überzeugte die Schlange (Nachasch) die Frau, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Danach aß auch Adam davon. Ihre Augen öffneten sich: Sie sahen ihre Nacktheit. Sie machten die ersten Kleider. Als G-tt kam, haben sie sich versteckt und nach Befragung zugegeben, dass sie von dem verbotenen Baum gegessen haben. G-tt hat alle drei (Adam, die Frau und die Schlange) verflucht. Die Schlange musste seit dieser Zeit auf dem Bauch kriechen, die Frau sollte unter Schmerzen gebären und Adam musste auf dem Feld arbeiten, um Essen für seine Familie zu besorgen. G-tt hat die Frau Eva genannt.

Kain und Abel

G-tt wollte vermeiden, dass die beiden noch einmal vom Baum der Erkenntnis essen und unsterblich werden, daher mussten Adam und Eva den Garten Eden verlassen. Seitdem bewachte ein Engel den Eingang des Gartens. Eva und Adam bekamen zwei Kinder, Kain und Abel. Kain hat G-tt die Früchte des Bodens geopfert. Abel war Hirte und brachte Tieropfer dar. G-tt hat aber den Opfergaben von Abel keine Aufmerksamkeit geschenkt. Abel wurde auf Kain neidisch und hat seinen Bruder getötet. Daraufhin wurde er verdammt und musste umherwandern.

Öko - Tora

„Seid fruchtbar und mehret euch“ (Bereschit 1:28)

Die Schöpfungsgeschichte war immer sehr inspirierend für diejenigen, die an Religion interessiert waren, auch für die Schriftsteller und Dichter. Was wir allerdings in Bereschit 1:28 finden, ist ziemlich problematisch für die heutigen Umweltaktivisten oder diejenigen, die die Tora mit dem Umweltschutz verbinden wollen. Man könnte nämlich daraus folgern, dass uns G-tt keine Grenzen setzt, dass wir die Erde „besitzen“ und damit alles machen können, was wir wollen. Wir dürfen die Tiere schlachten, die Bäume fällen und haben weder ethische noch moralische Verpflichtungen.

Vor dieser Interpretation hat uns schon Rabbiner Kook gewarnt. Unsere Dominanz soll nicht jene von unvernünftigen, autoritären Herren sein, sondern eine, die nachhaltig und klug ist (R.Kook „A Vision of Vegetarianism and Peace“, S. 2). Daher haben wir zwei Schöpfungsgeschichten: In der ersten wird der Mensch am Ende der Schöpfung geschaffen, in der zweiten ist er das erste lebendige Wesen, ein „Erdling“ (Adam), der aus dem Staub (Adama) geformt ist. Danach kommen alle Tiere und Pflanzen. Er lebt im Garten Eden und soll sich darum kümmern. Rabbiner Sacks schreibt in seinem Kommentar zu dieser Parascha, dass Adam der Schöpfung dienen soll, was durch das Wort „leowda“ (diene) unterstrichen wird. Das zweite wichtige Wort ist „leschomra” (beschütze). Der Mensch ist für die Schöpfung verantwortlich. Diese Worte wurden vor vielen tausend Jahren geschrieben. Damals war die Natur noch überwältigend, und der Mensch fühlte sich klein: Es gab riesengroße Urwälder, die Raubtiere machten dem Menschen noch Angst, es gab eine strikte Trennung zwischen der gefährlichen Natur (ob Wald, Wüste oder Meer) und der schützenden Zivilisation. Trotzdem ist in diesem Fragment die Natur ein Objekt der Verantwortung des ersten Menschen, zumal dieser allein auf der Erde lebt. Heute hat sich das Verhältnis von Mensch und Natur umgekehrt. Die Menschen sind zahlreich geworden und bedrohen die Natur. Wir haben uns entwickelt und kommen immer seltener  mit der „puren“ Natur oder mit der Wildnis in Berührung. Daher sind die Worte der Tora, die uns an die Verantwortung und den Schutz der Natur erinnern, heute noch wichtiger als in früheren Zeiten. 

Der Mensch ist als Abbild G-ttes geschaffen worden („Wir wollen Menschen machen nach unseren Bilde“ Bereschit 1:26). Das ist auch ein sehr prägendes Torazitat. Die Tora spricht hier allerdings im Plural (Rabbiner Samuel Hirsch „The Ninteen Leetters“, nach R. Jonathan Sacks). Die Frage ist, ob G-tt nur uns Menschen als sein Abbild geschaffen hat oder als ein Abbild von G-tt und allen anderen Lebewesen, wie es Rabbiner Hirsch interpretiert. Rabbiner Sacks ermahnt in seinem Kommentar zur Bescheidenheit: Wir sollen uns stets daran erinnern, dass wir nur ein Element einer größeren Einheit sind. Das bedeutet auch, dass wir verantwortungsvoll mit der Natur umgehen sollen, damit dieses Gesamtbild nicht zerstört wird, denn das würde auch unsere eigene Zerstörung bedeuten.

In der Zeit nach Simchat Tora sollen wir mehr darüber nachdenken, was die Schöpfung  für uns bedeutet. Es gibt viele verschiedene Schöpfungsmythen. Allerdings hat das Judentum der Menschheit einen gegeben, der heute am einflussreichsten ist und in vielen anderen Religionen gelesen und ausgelegt wird. Die jüdische Art und Weise der Interpretation der Tora war immer sehr mutig, vielseitig, kreativ und manchmal sogar auch spielerisch, weil wir einen besonderen Bezug dazu haben. Heute erfordern die Zeiten stärkeren Naturschutz, den wir mit unseren Interpretationen, Aktionen und Innovationen unterstützen können. Daran sollten wir während des kommenden Schabbat Bereschit denken.

Aktion:

Denke global:

  • Informiere Dich über den Zustand der Erde.
  • Wähle ein Thema, das Dich besonders interessiert: Mode, Entdeckungen, technische Innovationen. Finde heraus, in welchem Ausmaß sich dieser Bereich in Richtung Umweltschutz entwickelt hat und welche umweltfreundlichen Innovationen es gibt.

Handle lokal:

Was kannst Du machen? Du kannst z.B. eine App entwickeln, die deine tatsächlichen (und nicht wie bei VW) Kohlendioxidemissionen ermittelt, oder  eine Kleidertauschbörse organisieren. Du kannst Sachen reparieren. Die Möglichkeiten, kreativ zum Schutz der Erde beizutragen, sind grenzenlos.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Jonathan Sacks‘ Kommentar zur Parascha Bereschit: „The Stewardship Paradigm in The Tora Portion of Bereshit“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.