Toledot

Toledot

Parascha der Woche: Toledot
Bereschit 25:18- 28:9

Parascha in Kürze

Jizchak war 40 Jahre alt, als er Rivka heiratete. Als er 60 Jahre alt war, wurde sie mit Zwillingen schwanger. Bereits im Mutterschoß kämpften die Kinder miteinander. G-tt sagte Rivka, dass der Jüngere stärker als der Ätere wird. Nach seiner Geburt hatte das erste Kind rotes, buschiges Haar. Es wurde Esaw genannt. Als sein Bruder geboren wurde, hielt er Esaws Fuß, deswegen wurde er Ja‘akow genannt. Esaw war Jäger und Ja‘akow eher mit der Haushalt, verbunden. Esaw war Jizchaks Liebling, Rivka hingegen liebte Ja‘akow mehr.

Als Esaw einmal von einer Jagd zurückkehrte, kochte Ja‘akow gerade. Esaw war sehr hungrig und musste essen. Ja‘akow bot ihm eine Mahlzeit zum Tausch gegen sein Erstgeburtsrecht an, und der ältere Bruder stimmte zu.

Danach gab es Hunger im Lachaj Roi, und Jizchak zog zu Awimelech ins Land der Pelischtim (Philister). G-tt verbot Jizchak, weiter nach Ägypten zu gehen. Er hielt sich in Gerar auf. Aus Angst, getötet zu werden, sagte er, dass Rivka seine Schwester sei. Awimelech hat aber die Wahrheit entdeckt und seinen Menschen verboten, Jizchak und Rivka anzutasten.

G-tt segnete Jizchak mit einer reichen Ernte. Er wurde sehr wohlhabend, was bei den Pelischtim viel Neid auslöste. Awimelech musste Jizchak daher wegschicken. Diese Region war schon immer trocken, und viele Konflikte betrafen das Wasser: Erst haben die Pelischtim die alten Brunnen zugeschüttet, die seinerzeit noch Abraham ausgehoben hatte. Jizchak legte sie wieder frei und entdeckte dazu noch zwei neue Wasserquellen. Dann aber wollten die Hirten aus Gerar die beiden neuen Quellen für sich haben. Als die Situation eskalierte, musste Jizchak nach Ber Schewa ziehen. In Ber Schewa sagte ihm G-tt in einem Traum, dass er viele Nachkommen bekommen wird. An diesem Ort baute Jizchak einen Altar. Darauf schloss Awimelech, sein alter Feind, Frieden mit ihm. Er sah nämlich, dass G-tt mit Jizchak war. Jizchak hat ein festliches Mahl für die Pelischtim gegeben. Danach wurde auch in Ber Schewa eine Wasserquelle entdeckt, die Jizchak Schiwa nannte. Esaw war 40 Jahre alt, als er zwei hethitische Frauen aus Kanaan heiratete. Jizchak und Rivka konnten sie leider nicht ertragen.

Als Jizchak alt war, wurde er blind. Er rief Esaw, seinen Lieblingssohn, zu sich und bat ihn, auf die Jagd zu gehen, um ihm seine Lieblingsmahlzeit zuzubereiten. Er wollte Esaw seinen Segen geben. Als Rivka das hörte, rief sie Ja’akow zu sich, denn sie wollte, dass er vor Esaw gesegnet wird. Sie ersann eine List: Esaw war stark behaart, und deswegen sollte Ja‘akow Esaws Kleider anziehen. Auf den Händen und um den Nacken sollte er Leder tragen. Sie kochte eine Mahlzeit und Ja‘akow ging ins Zelt. Er behauptete, er sei Esaw. Sein Vater hat sich gewundert, da er Ja‘akows Stimme hatte. Er bat ihn, näher zu kommen, um seine Haut zu betasten und zu sehen, ob es tatsächlich Esaw war. Nachdem er sich vergewissert hatte, aß er die Mahlzeit. Er segnete Ja’akow und gab ihm einen Kuss. Er bat G-tt um Reichtum und um viele Untertanen für seinen Sohn. Ja‘akow sollte über seinen Bruder herrschen. Diejenigen, die er verfluchte, sollten verflucht werden, und diejenigen, die er segnete, sollten gesegnet werden.

Als Esaw zurückkam, bereitete er das Essen vor und ging zu Jizchak, um den Segen zu bekommen. Jizchak verstand sofort, was passiert war, aber der Segen musste gültig bleiben. Esaw weinte und bat Jizchak trotzdem um einen Segen. Sein Vater segnete ihn: Esaw sollte das Fett der Erde genießen. Er sollte seinem Bruder dienen und von seinem Schwert leben, er konnte es aber schaffen, sich von Ja’akows Macht zu befreien.

Seit dieser Zeit waren die Brüder zerstritten, Esaw schwor, Ja’akow zu töten, sobald Jizchak stürbe. Deswegen schickte Rivka Ja‘akow zu ihrem Bruder Laban nach Charan. Sie sagte Jizchak, dass sie die Frauen von Esaw verabscheue und nicht wolle, dass auch Jakob eine Hethiterin heirate. Jizchak segnete Ja’akow noch einmal: Er solle das Land Kanaan bekommen. Er befahl ihm, eine der Töchter von Laban, Rivkas Bruder, zu heiraten. Esaw sah das und verstand, wie sehr seine Eltern die Kanaaniterinnen verabscheuten. Er heiratete deswegen zusätzlich die Tochter von Jischmael, Machalat.

Öko-Parascha

Rabbiner Yuval Cherlow macht uns auf das zentrale Umwelt-Thema der Parascha Toledot, Wasser, aufmerksam. Das Thema ist besonders brisant, da wir in einer Zeit der schrumpfenden natürlichen Ressourcen leben.

In der Parascha Toledot streiten sich die Hirten aus Gerar mit Jizchak um Wasserquellen. Sie sagen zu ihm: „Unser ist das Wasser!“ (Bereschit 26:20). Jizchak muss mehrmals wegziehen. Aber allein das reicht nicht; sie nehmen seine Quellen nicht nur in Besitz, sondern sie zerstören sie auch.

In dieser Konfliktgeschichte spiegeln sich zum einen die Sorge um das Wasser, zum anderen aber auch der pure Neid und die Vernichtungslust. Die Pelischtim nutzen den Konflikt, um das Wasser im Umfeld von Jizchak zu zerstören.

Trinkwasser ist die wichtigste Ressource, von der unser Leben abhängt. Ohne Wasser kann der Mensch nur drei bis vier Tage überleben. Gleichzeitig macht Trinkwasser nur 2,5 % der gesamten Wasserressourcen auf der Erde aus. Die Verknappung von Trinkwasser sollte uns große Sorgen machen. Wassermangel destabilisiert auch ganze Regionen politisch.

Am Beispiel weltweiter Dürren und Waldbrände sehen wir, dass auch diese Lebensquelle erschöpft werden kann. Die Wasserproblematik zeigt uns, wie schnell sich das Klima und damit auch unser Leben verändern können. Nicht nur die zukünftigen Generationen werden die Konsequenzen des Wassermangels tragen, sondern auch bereits wir.

Laut Rabbiner Cherlow beschreibt die Tora nicht nur eine Modellsituation, sondern zeigt uns die Lösung des Problems. Die Pelischtim (die Philister) haben Abrahams und Ja‘akows Quellen absichtlich zerstört und zugeschüttet. Das verstößt gegen Bal Taschchit, das biblische Verbot der sinnlosen Zerstörung. Wir dürfen nicht, auch nicht in Zeiten des Krieges, Bäume vernichten, die Früchte tragen (Dwarim 20:19), damit wir unsere Lebensgrundlage nicht zerstören. Daher müssen wir selbst während einer Konfliktsituation an die Zukunft denken und überlegen, ob wir nicht gerade unsere Zukunft zerstören. Wasser ist Macht. Aber Macht über Wasser zum Schaden anderer auszuüben, ist Missbrauch. Wasser war die erste Ressource der Schöpfung. Es ist älter als der Mensch. Der Mensch braucht es, darf es aber nicht zu seinem privaten Eigentum machen.

Ein weiteres Motiv dieser Parascha betrifft die Entdeckung der neuen Wasserquellen: Jizchak muss sowohl die Quellen seines Vaters Abraham, als auch jene von ihm selbst entdeckten aufgeben. Aus dieser Geschichte sollen wir, laut Rabbiner Cherlow lernen, dass wir unsere Wasserquellen immer ersetzen und immer nach neuen Wegen der Wassergewinnung suchen müssen. Es geht hier nicht darum, dass wir neue Wasserquellen ausbeuten, sondern darum, dass wir lernen, Wasser zu reinigen und wiederzuverwenden. Wir müssen auch die bestehenden Quellen konservieren, die wir bereits nutzen.

Cherlow behauptet, dass sowohl aufgrund der Mizwa Baal Taschchit, die uns jede sinnlose Zerstörung verbietet, als auch aufgrund des Glaubens an die Heiligkeit des menschlichen Lebens im Judentum, Wassersparen eine halachische Verpflichtung ist. Wir lesen doch im Buch Wajikra Folgendes: „Du sollst nicht auftreten gegen das Blut deines Nächsten“ (Wajikra 19:16). Sowohl Wasser als auch Blut sind die Quellen des Lebens.

Israel ist Vorreiter auf dem  Gebiet des Wassersparens. So wurden z. B. kalifornische Experten von ihren israelischen Kollegen beraten, wie man in Perioden extremer Dürre mit Wasser umgehen muss. In manchen Städten, wie z.B. in Tel Aviv, wird das Wasser zu 100 Prozent wiederverwendet. Das ist der größte Prozentsatz weltweit. Man muss sich auch daran erinnern, dass die Lage noch vor ein paar Jahren katastrophal war.

Natürlich haben wir in Deutschland keinen vergleichbaren Wassermangel, aber auch hier gibt es immer wieder Dürreperioden, die Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Die Stadtbewohner merken sie noch nicht, da sie Leitungswasser haben und nicht von der Unterversorgung mit manchen Lebensmitteln betroffen sind. Wir sollten jedoch die Informationen über den Klimawandel ernst nehmen. Es handelt sich hier um die Zukunft unserer Regionen.

Die Wissenschaftler sagen, dass die Dürren sich wiederholen werden. Jedes Jahr werden auch die Sommer wärmer, und diese Tendenz ist eindeutig. Deshalb sollten wir uns von diesem Problem betroffen fühlen. Wenn wir das Thema aktiv angehen möchten, können wir mehr tun als Wasser zu Hause zu sparen. Den größten Beitrag kann man durch die Verringerung des Wasserverbrauchs leisten. Unsere Wasserbilanz sollte nicht nur regional verbessert werden, da unser Kaufverhalten auch andere Länder beeinflusst. Dadurch, dass wir z.B. weniger Fleisch essen, verbessern wir die globale Wasserbilanz. Ein anderes Thema ist unsere Baumwolle, die wir wirklich so lange wie möglich nutzen sollten: Beim Anbau von Baumwolle wird nämlich sehr viel Wasser verbraucht. Der Blumenanbau in Ländern, die gar nicht reich an Wasser sind (oft sind es Drittweltländer), ist auch ein großes Problem.

Die Produktion dieser Güter passiert zwar nicht vor unseren Augen, aber wir haben heute schon so viele Informationen über die „virtuelle Wassernutzung“, dass wir unsere Ignoranz nicht einfach entschuldigen können.

Damit leisten wir auch einen Beitrag zum Weltfrieden. Wir können durch bewusstes Konsumverhalten die Branchen beeinflussen, die sich überhaupt nicht nachhaltig entwickeln, und solche unterstützen, die es tun. Und aus den Worten Jizchaks „Verflucht seien, die dir fluchen, gesegnet, die dich segnen!“ (Bereschit 27:29) folgt, dass ein Konsum- und Produktionsverhalten, dass nicht dem Grundsatz der Nachhaltigkeit entspricht, am Ende für uns alle ein Fluch sein wird. Die Kulturen, in denen ein bescheidener, bewusster Lebensstil gepflegt wird, haben größere Chancen zu überleben.

Wenn wir Wasser sparen, werden möglicherweise die Worte des Propheten Jesaja, der eine Vision der Idylle der messianischen Zeiten beschrieb, schneller Wirklichkeit werden: „Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge des Stummen. Denn es brechen Wasser hervor in der Wüste, und Bäche in der Steppe; und die Kimmung wird zum Teiche, und das dürre Land zu Wasserquellen.“ Jesaja (35:6-7)

Aktion

  1. Informiere dich über deinen virtuellen Wasserkonsum.
  2. Mache jeden Tag symbolische Gesten: Spare Wasser beim Zähneputzen und Abwasch.
  3. Befülle die Wasch- und Geschirrspülmaschine vollständig, bevor du sie einschaltest.
  4. Kaufe weniger Kleider. Trage Deine Kleidung, bis sie kaputt ist, oder gib sie weiter.
  5. Mache einen Veggi-Tag. Denke daran, dass zur Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch 16726 m³ Wasser verbraucht werden.
  6. Informiere Dich im Urlaub über die Wassersituation in der Region und passe Dein Verhalten entsprechend an.
  7. Lies die Parascha Toledot.

Quellen

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Yuval Cherlows Kommentar zur Parascha Toledot: „Digging the Wells: The Importance of Protecting Our Natural Resources“  inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nasharim