Wajechi

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Wajechi - Bereschit (47:28-50:26)

Parascha in Kürze

Ja‘akow lebte bis zum Ende seines Lebens in Ägypten. Als er den sich nähernden Tod ahnte, bat er Josef, in Kanaan begraben zu werden. Er segnete die beiden Söhne Josefs: Menasche und Efrajim. Sie sollten auch als Gründer zweier Stämme Israels bekannt werden.

Ja‘akow segnete seine Söhne. Jeder von ihnen wurde zum Stammvater: Reuben, Simeon und Levi (die ältesten) bekamen einen Tadel für die Geschichten mit Bilha (mit der Reuben einmal schlief) und Dina (Simeon und Levi haben die Einwohner von Schechem massakriert). Die anderen Söhne Jehuda, Sebulun, Jissachar, Dan, Gad, Ascher, Naftali, Josef und Benjamin wurden gepriesen.

An die Beerdigungsprozession Ja’akows schlossen sich viele an, selbst die Minister des Pharaos begleiteten Josef auf dem Weg nach Kanaan. Ja‘akow wurde in der Machpela-Höhle, in Hebron begraben.

Auch Josefs Zeit kam zum Ende, er starb in Ägypten. Vorher hatte er seinen Nachkommen gesagt, dass sie in den kommenden schwierigen Jahren die Hoffnung nicht verlieren sollten, denn „G-tt wird euer Gedenken und Euch herausführen aus diesem Lande in das Land, welches er zugeschworen dem Abraham, Jizchak und Jakob“.

Ökodetail: Verbindung zwischen Ernährung und Lebensmittelproduktion.

Hast Du je über die persönliche Verbindung zum Hersteller deines Essens nachgedacht? Generell ist diese längst fast verloren gegangen. Es ist doch nicht möglich, einen Bauern zu sehen und kennenzulernen, wenn man in einem Supermarkt einkauft. Dort kennt man nicht einmal die Verkäuferin. Heute ist das eher eine „normale“ Situation. Im alten Israel war das Leben ein wenig anders, da die Menschen ganz genau wussten, woher ihre Lebensmittel stammten. Dies ist aus der Parascha Wajechi abzuleiten.

Ja’akow hatte 12 Söhne. Als er ahnte, dass er bald sterben würde, rief er sie alle zu sich, um ihnen einen Segen zu geben. Einige von diesen zwölf Segen betrafen die Landwirtschaft im Gelobten Land. Das bemerkt und verdeutlicht Raschi in seinem berühmten Tora-Kommentar.

Ein Beispiel ist der Segen von Jehuda: „Er bindet an den Weinstock sein Füllen und an die Rebe seiner Eselin Sohn. Er wäscht sein Kleid in Wein, im Blut der Trauben sein Gewand.“ (Bereschit 49:11). Raschi kommentiert dies in Anlehnung an die Midrasch: „Er prophezeite über das Land Jehuda, dass es von Weinquellen gleichsam überfließen wird, so dass jeder Einwohner dieses Landes mit dem Weine eines einzigen Weinstockes einen Esel wird beladen können.“ (Raschi Genesis 49:11 Kommentar im Zusammenhang mit Midrasch Bereschit Raba 98:11). Das heißt dieser Stamm wird einen Überfluss an Wein haben, worauf das Wort „Lange Rebe“ hinweist. Im Babylonischen Talmud finden wir zusätzlich einen Kommentar zu Worten aus dem Segen von Jehuda mit der Anmerkung, dass dieser Wein legendär war (Talmud, Megila 111b).

Der Sebulun-Stamm hatte eine andere Spezialisierung: „Sebulun wird am Ufer der Meere wohnen. Er wird am Hafen sein, wo Schiffe liegen, und seine Seite bis gen Zidon.“ (Bereschit 49:13). Hierzu spricht Raschi „Sein Land wird am Gestade der Meere liegen, dort wird er gewöhnlich zu finden sein, im Hafen, wo die Schiffe mit Waren einlaufen; weil Sebulun Handel trieb und dem Jissachar allen feinen Bedarf brachte, während Jissachar sich nur mit der heiligen Lehre befassen sollte.“ (Raschi, Kommentar zu Bereschit 49:13).

Im Talmud-Traktat Megilla (6a) finden wir einen weiteren Kommentar darüber, dass der Stamm Sebulun Schnecken hatte, die zur Herstellung eines Farbstoffs dienten. Der Stamm lebte zwar in einer unfruchtbaren Gegend, aber sie hatten Geld aus dem Verkauf der Farbe, kommentiert Rabbi Sinclar. Außerdem war die Lage direkt am Ufer der Meere gut für den Handel. Die Schiffe brachten Güter. Dies gab dem Stamm auch eine besondere Rolle.

Der Stamm Jissachar hatte eine andere Aufgabe: Sie sollten sich vor allem mit der Tora beschäftigen, deshalb haben sie ein sehr gutes Land bekommen und konnten sich auf die Tora konzentrieren: „ Er sah, wie angenehm die Ruhe, wie lieblich das Land sei. Da neigte er seine Schulter hin zum Tragen und wurde dienstbar zum Tribut“ (Bereschit 49:15). Raschi spricht weiter über Jissachar: „Er sah sich in einem guten und gesegneten Land zu seinem Erbteil, um Früchte zu erzielen.“ (Raschis Kommentar zum Buch Bereschit 49:15).

Jeder im alten Königreich Israel wusste, welche Aufgaben die Stämme haben. Die Stämme haben sich auch dreimal jährlich zu Wallfahrten nach Jerusalem getroffen. Es war damals einfach, einen Bezug zu den Nahrungsmittel-Produzenten zu haben. Israel ist auch nicht sehr groß. Heute wissen wir hingegen, dass ein Lebensmittel auf unserem Teller durchschnittlich 2 500 Kilometer reist, so kommentiert es Michael Pollan, der die Daten für einen amerikanischen Teller zusammenstellte.

Selbst Dein Knoblauch kommt meistens aus… China. Über die Konsequenzen dessen, dass wir viel zu wenig regional essen, sprechen heute viele Wissenschaftler und Verbraucherzentralen. Denn der Transport der Lebensmittel ist keine „saubere“ Geschichte. Dabei wird einfach viel zu viel CO2 erzeugt. Ganz zu schweigen von der Verpackung, die oft aus Plastik besteht. Unseren Stammvätern würde das Haar zu Berge stehen.

Eine Antwort des Konsumenten kann eine Umstellung auf lokale Lebensmittel sein. Es ist aber gerecht zu fragen, was denn „regional“ heißt. Ist Bayern für Berlin „regional“, oder ist es besser, Äpfel aus Polen zu essen, die um die Ecke gewachsen sind? Oft fehlen konsistente Kennzeichnungen. Deswegen ist es am besten, wenn man zum Wochenmarkt geht und mit den Verkäufern persönlich spricht. Auch ohne Kennzeichnung wissen wir schon, dass z.B. exotische Lebensmittel wirklich mit Vorsicht zu genießen sind: Man muss nicht jeden Tag Bananen oder Orangen essen, auch Äpfel haben viel Vitamin C. Es ist gut, so oft wie möglich Tuv Haaretz (das Beste aus dem [eigenen] Land) und vegetarisch zu essen. So wird unsere Gesundheit besser und unser CO2 Ausstoß imposant klein.

Außerdem wissen wir, wenn wir nicht lokal einkaufen, nichts über die Bedingungen auf den Farmen. Meistens sehen wir nur freundliche Werbe-Bilder von idyllischen bäuerlichen Landschaften. Wenn wir aber beobachten würden, wie mache landwirtschaftlichen Anlagen wirklich aussehen, würden wir weniger oder gar nicht mehr zu bestimmten Lebensmitteln greifen. Viele Lebensmittelproduzenten berufen sich so gerne auf „Traditionen“, „Regionalität“ und „Gesundheit“, was oft nur Marketing ist.

Die Nahrungsmittel aus den Supermärkten punkten, trotz klinischem Design, nicht mal bei Sauberkeit Gesundheit und Hygiene. Wir kaufen unsere Lebensmittel mit großem Vertrauen, und gerade in Großraumgeschäften findet man manchmal mehr Keime, als in einer Toilette.

All dies sind schon genügend Gründe auf regionale und Bio-Lebensmittel umzusteigen.

Aktion:

  • Versuch mal, Dich genau zu erkundigen, woher deine Lebensmittel kommen. Google die Firmen und schau mal, wie weit Du die Herkunft Deines Essens erforschen kannst. Kannst Du auch kritische Informationen darüber finden?
  • Versuche mindestens die Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Brot, Zwiebeln und Kohl lokal einzukaufen.
  • Mach mal einen Europa-Israel Schabbat, und kauf ausschließlich Lebensmittel, die von unserem Kontinent kommen, um die Lebensmitteltransportwege zu kürzen.
  • Erkläre deinen Kindern, worum es bei regionalen Lebensmitteln geht.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Julian Sinclars Kommentar zur Parascha Wajechi: „Eating Holy Food in a Holy Way“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nasharim.

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