Tipps für ein gesundes und nachhaltiges Pessach

Pessach ist das Aushängeschild für saisonales Essen. Auch bekannt als Chag Ha-Mazzot (ein Fest zur Gerstenernte) oder Chag Ha-Aviv (Feiertag des Frühlings), ist Pessach die Zeit, um den nahenden Frühling zu begehen und zu feiern.

Auf dem Sederteller wimmelt es von saisonalen Symbolen: Die angebratene Lammkeule zelebriert die Lammzeit im Frühling; Karpas symbolisiert die ersten grünen Triebe, die aus dem aufgetauten Boden sprießen; und ein gesottenes Ei erinnert an Fruchtbarkeit und Wiedergeburt.

Pessach bietet die perfekte Gelegenheit um die Weisheit eines traditionellen jüdischen Feiertages mit unserem zeitgenössischem Wunsch nach einem gesünderen und nachhaltigeren Leben auf der Welt zu verbinden. Beispielsweise legen manche Familien eine Orange oder Olive auf ihren Sederteller als symbolische Anerkennung von Frauenrechten und aus Solidarität mit dem Frieden im Nahen Osten. In diesem Sinne bietet Hazon eine Liste mit gesunden und nachhaltigen Pessach-Tipps an um dir dabei behilflich zu sein, den Feiertag auf umweltverträgliche Weise zu begehen.

Vor Pessach
Entledige dich deines Chamez – auf nachhaltige Weise  (Chamez bezeichnet alle gesäuerten Brotprodukte und Krümel, derer sich vor Pessach im wörtlichen wie auch rituellen Sinn bei einer gründlichen Reinigung entledigt wird). Dafür musst du dein Haus nicht in eine Chemikalienwolke hüllen – die sowohl giftig für dich ist, als auch für die Menschen, die sie in Fabriken herstellen.. Versuche natürliche, nicht-giftige Reinigungsmittel zu verwenden. Zu empfehlende Bio-Reiniger sind unter anderem: Ecover und Alma Win, findest du in jedem Ökoladen, es gibt auch eine sehr einfache Lösung: Soda und Essig.

Was würde Moses tun? Moses führte die versklavten Juden aus Ägypten in die Freiheit. Leider findet sich heute eine andere Form von Sklaverei, sowohl in Israel als auch im Rest der Welt. Nach Schätzungen von NGOs wurde mit einigen hunderten bis tausenden Personen illegaler Menschenhandel Weltweit betrieben, wo sie sexuell ausgebeutet werden. Schätzungsweise 70% dieser (Zwangs) Prostituierten sind Frauen. Hier:
Lernen aus der Geschiche
Wikipedia zu Menschenhandel
kannst du mehr darüber lesen und auch erfahren, was du tun kannst.

Nachhaltiger Sederteller
Jedes Charosset erzählt eine Geschichte. Die Mischung aus Äpfeln und Nüssen macht es bereits gesund und lecker, und wird es mit regionalen Äpfeln zubereitet, dann ist es zudem noch ein nachhaltiges. Charosset bietet dir auch die Möglichkeit, andere Kulturen innerhalb der Diaspora kennenzulernen. Suche auf Jew & the Carrot nach Rezepten aus Russland, Spanien, Holland, dem Jemen, der Türkei und dem Surinam... - oder bitte deine Gäste, ihr liebstes Charosset-Rezept mitzubringen und teste es aus. Das Rezept für ein köstliches sephardisches Charosset findest du hier

Fair gehandelte Pekannüsse und Bionüße. Achte darauf, dass du die Nüsse aus fairem Handel beziehst. Ein aus gerecht gehandelten Zutaten hergestelltes Charosset wird dir gleich noch einmal besser schmecken. Zugleich sind sie eine tolle Vorab-Knabberei für hungrige Gäste.
Züchte selbst Grünzeug für dein Karpas. Solltest du keine regionalen Kräuter finden können für das Karpas, planze selbst welche an! Auch wenn manchen Sprossen von Mais, Sojabohnen und anderen Chamez-Getreiden oder Kitniyot stammen, dauert es nur zwei bis drei Tage, bis du frische, köstliche Quinoa-Sprossen erhälst.

Meerrettich wächst nicht im Glas. Kaufe und reibe eine frische Meerrettichwurzel für Maror und deinen Sederteller. Wenn es dazu kommt, das Koreich (Hillel-Sandwich) zu essen, halte eine nichtgeraspelte Wurzel in die Höhe und lasse deine Gäste somit wissen, woher die Bitterstoffe stammen.

Eier aus Freilandhaltung. Kaufe Bio-Eier aus der Freilandhaltung und zeige dich bereit dazu, etwas mehr Geld für sie auszugeben. Das zahlt sich gleich mehrfach aus, zum einen durch ihren besseren Geschmack und auch dadurch, dass die Hühner artgerechter und weniger leidvoll gehalten werden. Zugleich unterstützt diese Mehrausgabe die Bauern aus deiner Region, denen du das gute Essen auf deinem Teller verdankst.

Brate eine Kartoffel oder Süßkartoffel. Wenn dein Seder vegetarisch werden soll, ersetze die angebratene Lammkeule durch eine Süßkartoffel. Oder schließe dich dem Vorschlag von Sarah Fenner, einer Leserin von Jew & The Carrot an: „Statt der Keule servieren wir bei mir zuhause oft gebratene Süßkartoffel.“

Fisch? Wenn du ohne Fleisch nicht aushalten kannst, wäre vielleicht ein nachhaltig gezüchtetes Fisch auch eine Alternative – und dabei sparst Du Die alle Umstände, die mit Fleischzubereitung verbunden sind.

Der Sederteller: Essen und Dekoration
Erfreue dich an den Blumen über Pessach hinaus und den ganzen Frühling lang. Frische Bouquets machen sich toll in der Mitte der Tafel, halten aber nur wenige Tage und werden oft mit Hilfe von Pestiziden gezüchtet. Versuche es mit einer umweltfreundlicheren Alternative, wie eingetopften Tulpen. Kräuter im Topf sind ebenfalls schöne, preiswerte Blickfänge und sorgen für einen tollen Geruch im Raum. Du kannst eingetopften Thymian, Rosmarin, Lavendel etc. von der Baumschule  am Bauernmarkt kaufen. Gib sie am Ende des Festes deinen Gästen als Geschenk mit nach Hause. Falls du auf jeden Fall Schnittblumen willst, kaufe sie aus biologischem Anbau.

Auftischen der Horsd'œuvres. Nachdem die Karpas gesegnet und verzehrt wurden, sind Gemüse, Dip, Obst und Käse erlaubt. Halte Maß beim Befüllen deines Tellers und finde die richtige Mitte.

Serviere ethisch korrekt produziertes Fleisch aus deiner Region. Fleischgerichte wie Hühnersuppe mit Matzeknödeln und auch Rinderbrust sind beliebte Traditionsessen an Pessach. Versuche Fleisch von jemandem zu kaufen, der die Tiere auch gezüchtet hat (oder probiere zumindest diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen). Mögliche Einkaufsorte: Bauernmärkte, Fleisch führende Konsumgenossenschaften, die Fleischerei in deiner Nachbarschaft (frage nach woher sie ihre Produkte beziehen).

Richte ein vegetarisches oder veganes Seder aus. Selbst wenn du normalerweise Fleisch isst, ist Pessach eine gute Zeit, um deinen Fleischkonsum einzuschränken. Verstehe es als Chance, dich deines „gastronomischen Chamez“ entledigen zu können. Ideen für das Menü: Quinoa-Salat, Matza-Lasagne, vegetarische Matzeknödel, Röstkartoffeln mit Rosmarin, Israelischer Salat, Borscht...es gibt zahlreiche Möglichkeiten.

Werde Gastgeber eines Abendessens, zu dem jeder Gast etwas beiträgt. Oder akzeptiere zumindest Hilfsangebote bei der Vorbereitung. Ein nachhaltiges Seder bedeutet auch, dass der Gastgeber sich nicht überstrapaziert.

Kaufe Gemüse vom Bauernmarkt. Gehe schon ein paar Wochen früher dorthin und sprich mit den Verkäufern um zu erfahren, was sie in der ersten Aprilwoche an Ware haben werden. Unter Umständen kann die Auswahl an grünen Optionen gering sein, aber du wirst vielleicht Erfolg haben bei der Suche nach grünem Salat, Kohl, Spinat und ebenso bei Wurzelgemüsen wie Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln sowie Äpfeln und Birnen. Versuche zumindest ein Gericht aus ausschließlich regionalen Produkten herzustellen

Serviere regionalen Wein aus ökologischem Anbau. Finde rechtzeitig heraus, was dein Weinladen auf Lager hat – vor allem wenn du vorhast, viele Flaschen zu erwerben. Sollten sie nicht haben was du suchst, bitte sie darum, dir eine Kiste zu bestellen. Es gibt nicht viele koschere Bio-Weine, aber doch so manchen. Ziehe es in Betracht, ein wenig mehr Geld auszugeben in einem kleinen Familiengeschäft – Das Konzept der Nachhaltigkeit beinhaltet auch die Unterstützung lokaler Ökonomien.

Benutze Wegwerfartikel aus Recyclingpapier oder aus Pflanzenfasern. Pessach ist eine Zeit, in der viele Familien das gute Geschirr und Silberbesteck hervorholen. Solltest du stattdessen aber Wegwerfgeschirr verwenden, entscheide dich für die aus Recyclingpapier oder Pflanzenfasern. Tolle kompostierbare Produkte findest du unter anderem hier.

Dank der Freundlichen Zustimmung von Hazon

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