Neujahr mit der Biene!

Neujahr mit der Biene!

Die hohen Feiertage stehen vor der Tür, eine Zeit des Jahres, die den Übergang von sommerlichen Temperaturen in den Herbst markiert. Der Monat Elul vor den Feiertagen soll uns meditativ auf die kommenden hohen Feiertage Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Sukkot und Simchat Tora vorbereiten.

Alles Gute Erde!

Über Rosch ha-Schana wurde einmal gesagt: Es ist ein Geburtstag der Erde. Ein Tag an dem wir uns mit Honig und Apfel Schana Tova Umetuka (Ein süßes neues Jahr) wünschen. Es ist ein Tag an dem unsere Gebete besondere Kräfte haben, weil wir die Geburt der Erde feiern. Es gibt uns eine Möglichkeit die Verbindung mit der Umwelt zu stärken. Der Mensch ist eines der vielen Ergebnisse der Schöpfung, der aus der Erde (Adama) entstanden ist und zum Erdling (Adam) wurde (siehe Genesis 2:5-7). Unsere Aufgabe auf der Erde besteht darin sie zu pflegen. Psalm 115:6 sagt, dass wir die Erde von Gott bekommen haben und Benjamin Ibn Esra kommentierte[1] im 12. Jahrhundert dazu, dass wir damit einen Auftrag bekommen haben uns um die Erde zu kümmern. Wir nehmen damit eine besondere Stelle in der Schöpfung und sind ein besonderer Verantwortungsträger.

Danke Biene.

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(Foto. A.Kaplon)

Rosch ha-Schana bringt ein paar direkte Assoziationen für alle Juden mit sich: Rosch ha-Schana = Honig + Äpfel (Abgesehen von Schofarblasen und Fischessen). Die beiden ersten Symbole des Tages wären ohne Bienen nicht möglich. 

Das gerade zu Ende gegangene Jahr 5776 markiert ein Jahr in dem die Aufmerksamkeit aller Welt sich, abgesehen von politischen Problemen, auf die Bienen richtete. Die Biene, apis mellifera, auf Hebräisch הרובד Dvora oder Debora ist 5773 in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Zum Teil wegen des Filmes „More Than Honey“, zum Teil aufgrund des akuten Bienensterbens in Europa und Nordamerika. Weltweit gibt es eine politische und wirtschaftliche Diskussion über ein Verbot von Pestiziden, die für die Bienen schädlich sind. Eines der Cover der August-Ausgaben des Times Magazins stellte die Biene mit der Schlagzeile vor: „Die Welt ohne Bienen“. 

Weltweit wird die Population der Bienen geringer und geringer. Es handelt sich dabei nicht um ein paar Prozente, sondern große Zahlen. Zum Beispiel in der Schweiz reduzierte sich in den letzten Jahren die Population um die Hälfte. Dieses Jahr ist die Honigernte auch in Deutschland geringer als je zuvor. Das Wettrennen um die Feststellung der Ursachen des Bienensterbens hat begonnen. Vielleicht wird 5774 ein Jahr in dem es uns gelingt diesen Prozess zu stoppen.

Das Leben ohne Bienen?

Was bedeutet für uns das Sterben der Bienen. Praktisch kann es für uns Menschen eine drastische Verringerung der Nahrungsvielfalt bedeuten, denn jeder dritte Löffel unserer Nahrungsmittel verdanken wir den Bienen. Das alles hat mit der Rückkehr der Artenvielfalt zu tun für die die Menschen schuldig sind. Diesmal sind es nicht nur große kuschelige Tiere wie Bären oder Elefanten in Afrika, die bedroht sind, sondern auch die Insekten, mit denen unser Leben direkt zusammenhängt.

Zu den Ursachen des Bienensterbens gehören:

  • Pestizide,
  • Magnetische Felder unseres Mobilfunks,
  • Parasiten,
  • Mangel an Nahrung für Bienen (Blumen), der von unseren Monokulturen verursacht wird.

Was passiert wenn es keine Bienen mehr gibt? Wir werden auch keine Mandeln, keine Tomaten, Gurken, Äpfel, Himbeeren und Kirschen ernten können. Es handelt sich um rund 90 Obst- und Gemüsepflanzen, die davon direkt bedroht sind.

Das Bienensterben zeigt wie sehr unser Leben mit anderen Arten zusammenhängt und das, wo wir immer noch denken, wir seien von der Natur unabhängig. Dieses Jahr ist für uns zu Rosch ha-Schana das Thema Essen und Biene von besonderer Bedeutung. Wir wollen dieses Jahr den Bienen Aufmerksamkeit und Arbeit schenken. Im Schul- und Umweltzentrum in Wedding haben wir am 29.08.13 eine Honigschleuder-Aktion organisiert. Eine solche Aktion kannst du auch wiederholen. Mit unserer Rosch ha-Schana Aktion wollen wir zwei Sachen bewirken: Unsere Verbindung bindet dich stärker an die Methoden der Nahrungsproduktion und macht alle auf die Bienen aufmerksam.

Online 2

(Foto: A.Kaplon)

Was kannst du machen:

  • Unterstütze die Biobauern, sie kümmern sich um die Artenvielfalt auf Ihren Feldern.
  • Pflanze Blumen, es ist nicht nur Dekoration, sondern auch Bienennahrung.
  • Mache etwas gegen Pestizide, wir können uns doch für pestizidfreie Nahrungsmittel entscheiden. 
  • Werde Imker, du kannst auch auf dem Dach oder Deinem Garten einen Bienenstock anlegen. Keine Sorge du musst den Honig nicht ernten, die Bienen können es auch alleine aufessen.

Zum Geburtstag der Erde wünschen wir der Erde, dass die Menschen sich auf ihre Rolle als Beschützer der Erde besinnen und nicht nur als Konsument der unterschiedlichen Güter ohne Rücksicht auf die Konsequenzen leben. Denn alles ist miteinander verbunden und schließt sich in einem Kreis. Denken wir daran, wenn wir eine Runde Rosch ha-Schana-Challot Essen.

Schana Tova Umetuka!

Jews Go Green.

[1] Aus Jeremy Bernstein "The Way Into Judaism and the Envirnoment" S. 90 Woodstock 2006